Oetwil
Haifische im Limmattal gesichtet!

Was sich ein Privatkunde beim Aquaristik-Fachmann und Gemeinderat Urs Landis bestellte, sind Kuscheltiere für Hartgesottene: Etwa 50 Zentimeter lang, schwarz-weiss-grau gescheckt und mit mehreren Reihen messerscharfer Zähne ausgestattete Riffhaie.

Florian Niedermann
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In einem Oetwiler Aquaristik-Fachgeschäft warten derzeit zwei Korallen-Katzenhaie darauf, von ihrem künftigen Halter abgeholt zu werden.

In einem Oetwiler Aquaristik-Fachgeschäft warten derzeit zwei Korallen-Katzenhaie darauf, von ihrem künftigen Halter abgeholt zu werden.

Limmattaler Zeitung

Tierschutz: «Tiere aus Zucht wählen»

Der Schweizer Tierschutz (STS) sieht grundsätzlich kein Problem darin, kleinere Haie wie den Korallen-Katzenhai als Haustiere zu halten. «Die unabhängigen Gutachten, die Halter im Vorfeld einholen müssen, stellen hohe Anforderungen», sagt Sara Wehrli vom STS. Neben der Infrastruktur sei aber auch das Know-how des Halters entscheidend. «Nur wer Erfahrung mit Salzwasserfischen hat, sollte sich Haie anschaffen», so Wehrli. Problematisch sei es, Tiere aus Wildfang in Gefangenschaft zu halten. Die Tiere nähmen beim Fang oft Schaden und ständen beim Transport unter grossem Stress, sagt sie: «Man sollte für die Heimhaltung nur Tiere aus einer Zucht wählen.»

Der grosse, beleuchtete Glaskasten steht völlig ruhig da. Bis auf ein paar Steine scheint er leer zu sein. Einzig das gurgelnde Geräusch der Wasserumwälzung verrät, dass sich darin etwas Lebendiges befinden könnte. Plötzlich schiesst aus einer Steinspalte ein etwa 50 Zentimeter langer Schatten hervor, um gleich wieder hinter einem Stein zu verschwinden.

Was sich ein Privatkunde beim Aquaristik-Fachmann und Gemeinderat Urs Landis bestellte, sind Kuscheltiere für Hartgesottene: Etwa 50 Zentimeter lang, schwarz-weiss-grau gescheckt und mit mehreren Reihen messerscharfer Zähne ausgestattet - in seinem Geschäft beherbergt der Oetwiler derzeit ein Korallen-Katzenhai-Paar (Atelomycerus macleayi). Noch heute wird sie der Kunde abholen können und in sein Aquarium einsetzen.

Indonesien - Holland - Oetwil

Auf ihrem Weg in ihr neues Zuhause legten die Tiere, die zur Gattung der Riffhaie gehören, Tausende Kilometer zurück. Als Wildfang aus Indonesien, kamen sie über Holland schliesslich in die Schweiz - in einem Gefäss mit Meerwasser schwimmend, fein säuberlich verpackt in zwei mit Sagex ausgekleidete Kartonkisten. Diese Transportweise klingt für den Laien unangenehm, ist aber nichts Aussergewöhnliches, wie Landis sagt: «Die Transportweise ist bei Fischen und Korallen üblich.»

Damit Landis Kunde sich diese zwei Tiere anschaffen konnte, musste er einen langen bürokratischen Weg auf sich nehmen. Zunächst liess er eine unabhängige Expertise eines Spezialisten erstellen, die ihm bescheinigte, dass sein Aquarium den Anforderungen für die Haltung solcher Flachwasserhaie gerecht wird. Dann musste auch der Kantonstierarzt sein Einverständnis dazu geben. Die beiden Dokumente gingen weiter an den Bund, der dem Hai-Fan schliesslich seine Halterbewilligung zustellte. «Ich finde es richtig, dass sehr genau überprüft wird, dass die Tiere artgerecht gehalten werden», sagt Landis.

Sein Hobby kommt den künftigen Hai-Halter teuer zu stehen. Alleine für das Bewilligungsprozedere musste er über 1000 Franken bezahlen, wie Landis weiss. Dazu kommt ein mindestens 3000 Liter fassendes Aquarium, das nicht unter 10 000 Franken zu haben ist. Die beiden Haie kosten weitere 500 Franken pro Stück. «Dazu kommt später der Unterhalt, der ebenfalls sehr teuer ist», so Landis.

Vor allem die Kosten für den benötigen Strom für Beleuchtung, Filter, Zirkulation und Strömung, wie auch der regelmässige Meer-Wasserwechsel seien in einem so grossen Aquarium sehr hoch. Die dämmerungsaktiven Tiere müssen etwa zweimal wöchentlich mit Futtergarnelen, Muscheln, Tintenfisch oder Krabben gefüttert werden. «Dieses Futter erhält man heute vielerorts gefroren, man kann es den Haien auch tot verfüttern», erklärt Landis.

Exoten sind nicht gesucht

Anfragen für so exotische Tiere wie Riffhaie erhält der 46-Jährige selten: «Wassertiere, für die man eine Halterbewilligung benötigt, sind in der Schweiz nicht sehr gesucht.» Neben den Kosten und den strikten Auflagen seien auch der extreme Platzbedarf und das Gewicht eines Aquariums dieser Grösse Gründe für die geringe Nachfrage. «Dazu kommt bei den Riffhaien, dass sie dämmerungsaktiv sind. Den Tag über schlafen sie», so Landis. Er mache sich deshalb mehr aus den farbigen und pflegeleichteren Fischen, die er im Normalfall verkaufe.