Vorhang auf, Licht an: In einem gemütlichen Wohnzimmer spielen drei betagte Damen Karten und tauschen sich dabei über die Krux des Älterwerdens aus. Noch lauschen den fiktiven Witwen keine Zuschauer, denn es ist eine der letzten Proben des Kolping-Theaters Dietikon vor der Premiere.

Doch das Trio ist in Fahrt. Entfernt erinnert es – was den Wortwitz anbelangt – an die Serie «Golden Girls»; kritische Themen werden in humorvolle Redewendungen verpackt. Die grösste Sorge ist, dass es im benachbarten Altersheim an Pflege und Geld mangelt. Da flammt eine Idee auf: Ein netter kleiner Banküberfall könnte Abhilfe schaffen, so eine der Damen. Also schmieden sie einen irrwitzigen Plan…

Das ist die Ausgangslage des Stücks «Rommé zu Dritt» von Autorin Petra Blume, das im deutschsprachigen Raum oft auf Laienbühnen zu sehen ist und bereits als TV-Serie verfilmt wurde. Nun ist es dank des Kolping-Theaters auch im Katholischen Pfarreizentrum St. Agatha zu erleben. «Das Stück ist ideal für unsere Gruppe», sagt Lucia Stich, die seit elf Jahren Teil des Ensembles ist. Mit ihr sind es heuer sechs Personen, die Regisseurin Helen Gasser zu schauspielerischen Höchstleistungen anspornen will.

Das Stück ist fast ganz in weiblicher Hand, da zwei Ensemble-Darsteller sich eine Pause vom Auftreten gönnen. «Männer sind in diesem Jahr Mangelware, weswegen wir auch ein Stück finden mussten, das fast ausschliesslich für Frauen geschrieben wurde», sagt Stich. Der einzige Mann der aktuellen Gruppe, Roman Mächler, ist sozusagen der Hahn im Korb. Eine weitere Männerrolle musste zur Frauenrolle umgeschrieben werden. Stich selbst spielt mit ihren 35 Jahren eine betagte Dame. «Jemanden alt zu schminken funktioniert immer, umgekehrt geht das nicht», sagt sie.

Das Publikum will lachen

Dass wiederum ein Lustspiel im Dialekt aufgeführt wird, lag auf der Hand. «Wir haben es einmal mit einem Krimi versucht, doch der kam weniger gut an. Unser Publikum will einfach gerne lachen», sagt Stich. Und dieses Publikum ist zahlreich: Fünfmal will das Kolping-Theater den grossen Saal mit rund 200 Plätzen füllen. Läuft es ähnlich wie in den letzten Jahren, dürften die Auslastung und die Besucherzahl so manche Kleinbühnen in den Schatten stellen.
Das verwundert nicht, die Theatergruppe ist in der Region längst etabliert.

1978 wurde sie von Beat Kaufmann gegründet und seither wurde jährlich ein Stück aufgeführt. Auch das Ensemble wuchs in all den Jahren zusammen. «Wir sind ein eingeschworenes Team», sagt Stich, die im beruflichen Alltag als Medizinische Praxisassistentin arbeitet. Probleme bei der Rollenverteilung oder anderen Aufgaben gab es nie. Man lege Wert auf ein Miteinander und jeder dürfe seine Meinung kundtun. «Am Ende hat aber die Regisseurin das letzte Wort», so Stich.

Derzeit gehören noch drei Ensemble-Mitglieder der Kolping-Familie Dietikon an. Ein Verein, der zu den Sozialwerken der Katholischen Kirche gehört und seinen Namen dem deutschen katholischen Priester Adolph Kolping verdankt. «Die Kolping-Familie in Dietikon organisierte einst viele verschiedene Anlässe, jedoch ist es heute nur noch die Theatergruppe, die regelmässig in deren Namen auftritt», sagt Stich. Wer in der Gruppe mitspielen möchte, muss weder der Kolping-Familie angehören, noch katholisch sein.

Die Jüngste im Bunde

Michèle Keist ist mit 19 Jahren das jüngste Ensemble-Mitglied und wird in dieser Saison zum dritten Mal mit dem Kolping-Theater auf der Bühne stehen. «Ich liebe das Spielen und man kommt dabei ganz wunderbar aus sich heraus», sagt Keist, die derzeit die Kantonsschule Baden besucht und im Herbst ein Studium beginnen will.

Keist wie Stich kamen durch familiäre Banden zum Theater. Das ging fast allen in der Gruppe so, wie sie sagen. Sei es der Vater oder der Onkel – die Liebe zum Schauspiel wurde ihnen weitergegeben und erste kleine Rollen verführten zu grösseren Aufgaben auf der Bühne.
Auf die Frage, ob auch Lampenfieber eine Rolle spiele, nicken beide.

«Die Nervosität wird wohl nie vergehen», sagt Stich und lächelt. Aber es herrsche innerhalb der Gruppe ein enormes Vertrauensverhältnis. «Sollte jemandem einen Fehler auf der Bühne passieren, werden die anderen sofort helfen und improvisieren», sagt Keist.

Zu den Aufführungen gehören auch zwei Senioren-Vorstellungen, die sich meist von den regulären Abendvorstellungen abheben. «Für uns ist es immer interessant zu erleben, wie ein älteres Publikum an Stellen lacht, an denen wir es nicht vermutet hätten», sagt Stich. Man gebe aber selbstverständlich an jeder Vorstellung Hundert Prozent. «Halbe Sachen gibt es bei uns nicht», sagt Stich bestimmt. «Wenn beispielsweise Küssen im Theaterskript steht, dann wird auch richtig geküsst.»

Am Ende der Probe des ersten Aktes stehen zwei der Witwen in einem Männeranzug auf der Bühne – das passende Outfit für einen Überfall. Die Lachsalven aus dem Publikum werden ihnen gewiss sein. Ob die Damen auch eine fette Beute machen, verrät das Kolping-Theater Dietikon ab kommendem Samstag.

Rommé zu Dritt, eine Komödie in drei Akten von Petra Blume, Kolping-Theater Dietikon,
Katholisches Pfarreizentrum St. Agatha.
Daten: Samstag, 19. Januar, 14 Uhr (Senioren- und Kindervorstellung) & 20 Uhr
Freitag, 25. Januar, 20 Uhr, Samstag, 26. Januar, 14 Uhr (Senioren- und Kindervorstellung) & 20 Uhr.
Vorverkauf: Papeterie A4, Dietikon