Als Schweizer Degen wird gemeinhin ein Schwert bezeichnet. In der Druckersprache hat das Wort eine ganz eigene Bedeutung. Es meint jemanden, der sowohl eine Ausbildung zum Drucker als auch eine zum Schriftsetzer absolviert hat. So eine Person war der Grossvater von Willy Haderer.

1929 gründete er in Kreuzlingen eine Buchdruckerei, siedelte aber bereits drei Jahre später nach Unterengstringen um. Dort befindet sich das Geschäft immer noch. Und es ist weiterhin in Familienbesitz. Seit diesem Jahr führt Christian Haderer das Unternehmen in vierter Generation. Zuvor war sein Vater Willy 40 Jahre für die Geschicke der Druckerei verantwortlich.

Für Vater und Sohn liegt in den familiären Strukturen einer der Gründe dafür, dass sich das Unternehmen im sich stark wandelnden und zusehends von Grossdruckereien beherrschten Markt bis heute behaupten konnte. «Will man als kleine Druckerei bestehen, muss man flexibel sein», sagt Christian Haderer. Die kurzen Wege im zehn Mitarbeiter umfassenden Familienbetrieb seien dafür ideal. Gleichzeitig sei es aber auch wichtig, innovativ zu bleiben. «Für ein kleines Unternehmen heisst das, auf dem neusten Stand zu bleiben, dabei aber genau abzuwägen, welche Investitionen man tätigt», so Willy Haderer. Als kleine Firma könne man sich keine Fehlinvestitionen leisten.

Die grösste Investition in der mittlerweile 85-jährigen Geschichte tätigte die Druckerei 2011, als eine 5-Farben-Druckmaschine im Mittelformat angeschafft wurde. Dafür wurde der Drucksaal vergrössert. «Wir haben in unserer Geschichte immer wieder an- und ausgebaut. Aber nur so viel, wie wirklich nötig war, nie auf Vorrat», so Willy Haderer. Viele Druckereien seien in den letzten Jahren gerade deshalb eingegangen, weil sie stark ausgebaut, aber die dazu nötige Auslastung nie erreicht hätten. Ein Beleg dafür, wie sich die Branche in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt habe, seien die Mitgliederzahlen im Arbeitgeberverband der schweizerischen grafischen Industrie. «Als ich 1980 in den Zentralvorstand eintrat, zählten wir noch 1300 Mitglieder. Heute sind es knapp 750», sagt Willy Haderer.

Als Kind Neujahrskarten verkauft

Die Palette der Druckerzeugnisse reicht bei der HadererDruck AG von Broschüren, Prospekten, über klassische Briefschaften und Visitenkarten bis hin zu Büchern. «Wir sind damit im Markt sehr breit aufgestellt», so Christian Haderer. Der bald 40-Jährige trat 2003 ins Familienunternehmen ein. «Für mich war ab diesem Zeitpunkt klar, dass es weiter geht und wir weiter investieren können», sagt sein Vater. Er selber trat 1966 bereits im Alter von 22 Jahren in den Betrieb. «Ich bin in der Druckerei aufgewachsen.

Für mich war als Knabe schon klar, dass ich Buchdrucker werden will», erinnert sich Willy Haderer. Zusammen mit seinem Bruder habe er damals Neujahrskarten an den Haustüren verkauft. Später, als er in der Lehre in Zürich gewesen sei, habe er dem Vater am Abend jeweils geholfen. «Ich habe praktisch jeden Tag gearbeitet. Freizeit hatte ich wenig», so Willy Haderer. Auch das gehöre bei einem Familienbetrieb dazu. Wie es bei der Familie Haderer auch üblich sei, dass die Ehefrauen im Unternehmen tätig sind.

Einen anderen Weg, als sein Vater, hat Christian Haderer eingeschlagen. Er liess sich zum Typografen ausbilden. «Die Druckvorstufe interessierte mich mehr, als das eigentliche Drucken.» Ein Schweizerdegen ist er damit nicht, trotzdem setzt er die Familientradition fort.