«Eigentlich ist es nicht mein Schlaganfall, er gehört meiner Krankenkasse», scherzt Guy Landolt. An diesem Samstagabend steht er in der Aula der Schule Bergdietikon auf der Bühne und feiert mit seinem Soloprogramm «Schlagfertig» die Vorpremiere. Das ist nicht selbstverständlich, wie Thomas Fischlin, Gründungsmitglied des Vereins Comedy am Bergli, den Besucherinnen und Besuchern erklärt. «Es ist die ewige Liebe zur Comedy, die ihn zurück auf die Bühne bringt», sagte er und bezog sich auf Landolts Engagement als Murmeltier im Erfolgsmusical «Ewigi Liebi», ehe er im Juli 2016 nach zwei Schlaganfällen die Sprache verlor. «Es freut mich, dass er das Comeback mit uns feiert», sagt Fischlin.

In seinem Programm geht Landolt in seiner Erinnerung zurück und erzählt von jener Nacht, als ihm schwarz vor Augen wurde und er im Spital wieder aufwachte. Er spricht über den tiefen Schlaf, der ihn einholt und über die wirren Gedankengänge, die er mit Kugeln in einem Flipperkasten vergleicht. «Warum schmeckt Katzenfutter eigentlich nicht nach Mäusen? Nehme ich eigentlich zu, wenn ich rückwärts jogge?», fragt er sich. Seine Pointen sitzen. Landolt vertuscht, dass er den roten Faden verliert oder sein rechter Arm nicht das macht, was er will. «Ich weiss genau, dass Ihr euch fragt, ob ich jetzt verschütte», sagt er beim Griff zur Wasserflasche und sorgt damit für weitere Lacher.

«Ich habe Freude, wenn Menschen lachen»

Landolt vermischt die Geschichte seines Schicksals mit all dem, was seine Welt war und noch immer ist – die Stand-up-Comedy. «Es ist das, was ich machen will. Ich habe Freude, wenn Menschen lachen. Ein Bürojob wäre mir wegen der Folgen gar nicht mehr möglich», erzählt er. Mit den Reaktionen aus dem Publikum ist er zufrieden. «Man kann nicht absichtlich lachen, man merkt sofort, wenn es unecht ist.»

Welche Leistung Landolt vollbringt, weiss Regina Buff einzuschätzen. «Es ist eine Stärke mit dem erhöhten Druck umzugehen. Denn Menschen, die einen Schlaganfall erleiden, reagieren oft sensibler auf Reize», sagte die Geschäftsleiterin der Zürcher Vereinigung Fragile, die Menschen mit einer Hirnverletzung beim Weg zurück ins Leben begleitet. Die Balance zwischen Tragik und Komik spricht Peter Käslin aus Wettswil an: «Es gibt Pointen und Sätze, da lacht und bedauert man im selben Moment.» Mit Sascha Buchli aus Zizers sitzt jemand im Publikum, der eine ähnliche Geschichte erzählen kann wie Landolt. Auch ihn traf vor zwei Jahren unerwartet ein Schlaganfall: «Ich mache die grössten Witze über mich selber», sagt er. Das Humorzentrum sei schliesslich noch immer aktiv.

Viel dürfte sich am Programm bis zur Premiere am 30. September in der Maag Halle Zürich nicht mehr ändern, denn Landolts Gratwanderung zwischen Tragik und Humor gelingt: «Unserem Lachen nach war es genial», äusserte sich Diarina Zeindler, die mit ihren Freundinnen Seraina Weber und Nicole Günter aus Waltenschwil angereist ist.