Bergdietikon

Gutes Angebot an Kinderbetreuung wichtiger als tiefer Steuerfuss

Gut ausgelastet: Auf der Warteliste der Kinderkrippe Bergdietikon sind zurzeit etwa 20 Kinder.  BHI

Gut ausgelastet: Auf der Warteliste der Kinderkrippe Bergdietikon sind zurzeit etwa 20 Kinder. BHI

Bergdietikon verschafft sich mit Kinderbetreuungsangeboten einen Standortvorteil, Die Gemeinde gehört in diesem Bereich zu den fortschrittlichsten im Kanton.

Bergdietikon kann sich entspannt zurücklehnen. Denn: Wie im Kanton Zürich könnten auch im Kanton Aargau bald alle Gemeinden dazu verpflichtet werden, familienergänzende Kinderbetreuung anzubieten. Ein entsprechenden Beschluss fasste der Grosse Rat letzte Woche. Doch sollte das Gesetz tatsächlich Realität werden, ist Bergdietikon gut aufgestellt. Denn die kleine Gemeinde hat sich in den letzten Jahren bereits ohne gesetzliche Verpflichtung ein immer grösser werdende Palette an Betreuungsangeboten aufgebaut.

Standortvorteil für die Gemeinde

«Man darf mit gutem Gewissen sagen, dass wir in diesem Bereich eine der fortschrittlichsten Gemeinden im Kanton sind», sagt Gemeinderätin Brigitte Diggelmann. Während fast jede zweite Gemeinde im Kanton Aargau in diesem Bereich zurzeit noch gar nichts anbietet, steckte Bergdietikon im letzten Jahr immerhin 80000 Franken in die Krippe, den Mittagstisch und die Nachmittagsbetreuung. «Die Gemeinden stehen heute nicht nur in einem Wettbewerb um steuerkräftige Unternehmen, sondern auch um Privatpersonen», erklärt Diggelmann. Mittlerweile sei die Frage nach Bildungsangeboten, vorschulischer Kinderbetreuung und Tagesstrukturen zu einem der wichtigsten Standortfaktoren geworden. «Der Steuerfuss hingegen wird immer weniger wichtig bei dieser Entscheidung», sagt Gemeindeammann Gerhart Isler.

Wie Eva Schüttel, Geschäftsführerin des Vereins Kinderbetreuung Bergdietikon, sagt, habe die Gemeinde im Kanton Aargau mit Bezug auf Tagesstrukturen fast schon eine Pionierrolle eingenommen. Denn bereits im Jahr 1999 habe man als eine der allerersten Gemeinden im Kanton Blockzeiten eingeführt. Im Jahr 2005 wurde dann der Mittagstisch mit einer Nachmittagsbetreuung – damals erst bis 15.30 Uhr – eingeführt.

Die Krippe selber existiert seit dem Jahr 2007. Der Aufbau wurde ermöglicht durch einen grosszügigen Betrag, den die Bergdietiker Ehrenbürgerin Annemarie Opprecht der Gemeinde zu diesem Zweck schenkte. Heute können Kinder ab 14 Wochen bis zum Kindergartenalter täglich von 6.45 Uhr bis 18 Uhr in der Kindertagesstätte betreut werden, während Kindergarten- und Schulkinder Frühbetreuung ab 7 Uhr, Mittagsbetreuung, sowie Nachmittagsbetreuung bis 18 Uhr in Anspruch nehmen können. «Die Angebote kommen ausgesprochen gut an», sagt Schüttel: «Es gibt den Eltern eine unglaubliche Beruhigung, zu wissen, dass die Gemeinde die Strukturen trägt.»

«Platzt aus allen Nähten»

Sollten der Kanton also tatsächlich bald alle Gemeinden verpflichten, entsprechende Angebote einzuführen – die SVP hat bereits angekündigt, sie werde das Gesetz in einer Volksabstimmung bekämpfen – kann Bergdietikon bereits einen Schritt weiter gehen. Denn die Gemeinde hat sich Gedanken über einen Ausbau der Tagesstrukturen gemacht, wie Schüttel erklärt. Dazu gehören unter anderem der Plan, ein Mehrzweckgebäude zu erstellen, welches mehr Platz für die Kindertagesstätte und den Kindertisch bieten. «Beide Bereiche platzen zurzeit aus allen Nähten», so Schüttel.

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