Was hierzulande noch unvorstellbar ist, wird in vielen Kulturen seit Jahrtausenden praktiziert. Rund zwei Milliarden Menschen ernähren sich regelmässig von Insekten. Weil die kleinen Viecher nicht nur wertvolle Proteine und Nährstoffe enthalten, sondern auch noch umweltfreundlicher sind als Fleisch, haben Lawrence Visser und Sayed Sadjadi aus Dietikon ein Schulprojekt der etwas anderen Art durchgeführt. Die Polymechaniker haben Insekten zum menschlichen Verzehr gezüchtet, um die durch den Fleischkonsum verursachten Treibhausgasemissionen zu reduzieren.

Die Fachjury der Klimawerkstatt war vom Projekt mit dem Namen «InsectFarm4u» – zu Deutsch Insektenfarm für dich – schnell überzeugt, sodass die Dietiker das Berufsbildungsprojekt der Stiftung Myclimate gewonnen haben. Der Wettbewerb hat zum Ziel, Umweltwissen zu schaffen und Engagement mit technischem Geschick, Innovationsgeist und gestalterischen Fähigkeiten zu verknüpfen.

Pürierte Würmer für Burger

Ihre Mehlwürmer Freunden und Verwandten aufzutischen, kostete Visser und Sadjadi mehr Überzeugungsarbeit. «Viele ekelten sich vor der Vorstellung, Insekten zu essen», sagen sie. Deshalb haben sich die Lernenden überlegt, wie sie die Mehlwürmer am besten in Menüs verpacken können. Für die Wurmburger haben die beiden die Insekten püriert, sodass im Endprodukt zumindest optisch kein Unterschied mehr zu erkennen war zu einem herkömmlichen Hamburger. Und geschmacklich? Die Polymechaniker sind sich einig, dass die Würmer durchaus mit Rindfleisch mithalten können. Die Würmer an sich seien relativ geschmacksneutral. Es komme nur auf die richtige Gewürzmischung an, so Visser.

Zum Nachtisch habe es dann einen Pudding mit Mehlwurmtopping gegeben. Dafür wurden die Tiere gebraten, sodass sie schön knusprig waren. Die Rückmeldung der Gäste sei durchweg positiv gewesen. Sogar seine Mutter, die zu Beginn geschworen habe, keine Speise mit Mehlwürmern anzurühren, ass einen Burger, sagt Visser stolz.

Würmer brauchen kein Wasser

Obwohl beide Jugendlichen zugeben, dass sie selbst sehr gerne Fleisch essen, könnten sie sich vorstellen, wieder einmal Insekten für den eigenen Verzehr zu züchten. Das Vorgehen sei simpel: Haferflocken, Kleie und ein paar Karotten – mehr brauche es für die Aufzucht von Mehlwürmern gar nicht, sagt Visser. «Alle paar Tage musste man das alte Gemüse entfernen und neues Futter nachgeben.» Insekten könnten auf kleinstem Raum artgerecht und hygienisch gezüchtet werden. Visser und Sadjadi sind überzeugt, dass schon in naher Zukunft Insekten zu einer Fleischalternative werden könnten. Und tatsächlich hat sich gerade kürzlich einiges getan. Denn: Wer heute in der Schweiz Insekten als Lebensmittel anbietet, braucht noch eine Bewilligung. Die Zulassung von Insekten ist aber nun Teil einer umfassenden Revision des Lebensmittelrechts. Bald wird es auch in der Schweiz offiziell erlaubt sein, Insekten zu essen.

Die Vorteile von Insekten gegenüber Fleisch seien bemerkenswert und die Zahlen würden für sich sprechen, so Visser. Eine durchschnittliche Person in der Schweiz esse jährlich 53 Kilogramm Fleisch. Durch den Ersatz dieses Fleisches durch 53 Kilogramm Mehlwürmer liesse sich der CO2-Fussabdruck einer Person um 546 Kilogramm im Jahr reduzieren. «Im Durchschnitt können Insekten zwei Kilogramm Futter in ein Kilogramm Körpermasse umwandeln, wohingegen Rinder acht Kilogramm Futter benötigen, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren», so Sadjadi.