Am Samstagnachmittag hat es auf der Lindenkreuzung in Weiningen angeblich geknallt. «Jesses!», murmelt eine Frau hinter der Absperrung.

Es bietet sich ein entsetzliches Bild. Zwei Personenwagen stecken in der Baugrube fest, ihre Hecks ragen steil in die Luft. Eine bewusstlose Person liegt auf dem Boden, eine andere ist im Fahrzeug eingeklemmt. So die Annahme für die jährliche Hauptübung der Feuerwehr Weiningen am Samstag.

«Ihr könnt euch sicher fühlen»

Vor den Augen vieler Zuschauer bringen die Einsatzkräfte innert 45 Minuten den fingierten Brand im einen Fahrzeug unter Kontrolle und bergen die «Opfer», die der örtliche Samariterverein sogleich betreut. Roger Wiederkehr, Stabsoffizier der Feuerwehr Dietikon, stellt seinen Weininger Kollegen ein gutes Zeugnis aus. Zum Publikum meint er: «Ihr könnt euch sicher fühlen mit dieser Feuerwehr.» Auch Kommandant Hanspeter Saxer ist zufrieden: «Die Organisation hat funktioniert.»

46 Feuerwehrleute waren am Samstag im Einsatz, darunter die Neumitglieder Ralph Laterner und Luxsanee Ehrsam. Laterners Motivation, der Feuerwehr beizutreten: «Ich möchte der Gemeinde etwas zurückgeben.» Ehrsam ergänzt: «Und, ich wollte einfach kein langweiliges Hobby.»

Vom Aussterben bedroht

Langeweile kam auch beim Publikum nicht auf. «Es war aufregend, einen Einsatz mitzuerleben», so Marc Egli aus Unterengstringen. Seine Enkelin Elin (5) fand die Darbietung «cool». Nur, als ein Opfer ohnmächtig wurde, habe sie etwas Angst gekriegt.

«Wir bieten eine Mischung aus Show und Realität», sagt Saxer. «Das ist auch Werbung für uns.» Ähnlich sieht dies Regula Lieberherr, Präsidentin des Samaritervereins: «Unser Verein ist vom Aussterben bedroht. An Anlässen wie diesem machen wir auf uns aufmerksam.»
Beim Apéro werden Zuschauer wie Einsatzkräfte mit Gebäck, Weisswein und Apfelsaft verköstigt. «Die Hauptübung ist immer ein Dorfanlass», meint Grit Barandun aus Weiningen, «hier treffe ich Leute, die ich lange nicht gesehen habe.»

Auch die Kinder schwatzen miteinander. Joel (5) beschäftigt eine Frage. Er zeigt auf die Baugrube: «Wie kamen die Autos da rein?» Die Antwort erhält er kurze Zeit später. Dann werden die Autos mit einem Kran aus der Grube gehoben – auf demselben Weg, wie sie reinkamen. Ganz ohne Knall.