Jetzt herrscht Klarheit: Am 23. November stimmt die Urdorfer Schulgemeindeversammlung zum zweiten Mal innert eines Jahres über eine Steuererhöhung ab. Es handelt sich um den gleichen Vorschlag, den die Finanzvorsteherin der Schulpflege, Irmgard Struchen (CVP), schon 2015 machte: Mit einer Erhöhung um drei Prozentpunkte soll der Steuerfuss der Schulgemeinde neu 62 Prozent betragen.

Für die Steuerzahler ist dies insofern eine gute Nachricht, als Anfang Woche noch das Gerücht von einer Erhöhung um vier Prozentpunkte kursierte. «Eigentlich wären wir auf eine Erhöhung um 7,5 Prozent angewiesen, um eine ausgeglichene Rechnung zu erzielen und die Verschuldung in den Griff zu kriegen», sagt Irmgard Struchen. Nun habe man sich für eine Soft-Variante entschieden, mit der zwar vorerst keine Tilgung der Schulden möglich ist, aber mit der die Schulden weniger stark wachsen.

Eine zu starke Steuererhöhung würde hingegen das Ziel verfehlen, lässt sich argumentieren: Die zahlreichen Unternehmen, die sich bei der Gemeinde nach offenen Standorten erkundigt haben, zum Beispiel im Wirtschaftsraum Nord, würden ihre Perspektiven wohl nochmals überdenken; reiche Einwohner würden mit einem Wegzug liebäugeln. Die Gefahr wäre, dass die Steuereinnahmen trotz Steuererhöhung noch stärker sinken würden, als sie es bereits tun (siehe Grafik). Basierend auf dieser Annahme, fordert die Schulpflege deshalb eine Erhöhung um bloss drei Prozent. Und aus dem gleichen Grund hält die politische Gemeinde an ihrem Steuerfuss von 59 Prozent fest. Unternehmen sind für die Urdorfer Steuerkasse besonders wichtig, da der Anteil juristischer Personen am Steuerertrag zuletzt mit 32 Prozent doppelt so hoch war wie noch 2005.

Infogram: Urdorf Steuern

Darum ist der Ertrag 2017 tiefer

Trotz allem werden die Steuereinnahmen auch 2017 sinken. «Das steht im Zusammenhang mit einer Vorjahressteuer-Korrektur», sagt Finanzvorstand Thomas Hächler (FDP). Konkret musste kurz nach Erstellung der Jahresrechnung 2015 die Steuerrechnung einer juristischen Person für das Jahr 2015 nach unten korrigiert werden. Diese tieferen Zahlen wirken sich auch auf den Steuerertrag im laufendenTr Jahr und das Budget 2017 aus.

Dieses Budget sieht bei der Schulgemeinde einen Verlust von 1,2 Millionen Franken vor. Entsprechend wird das Eigenkapital der Schulgemeinde weiter schrumpfen, auf voraussichtlich noch 4,4 Millionen Franken.

Schule spart beim IT-Support

Wie schon in den Vorjahren setzt Schulpflegerin Irmgard Struchen an verschiedenen Orten den Rotstift an. Den grössten Brocken machen die Kosten für den Informatiksupport aus: Sie sinken gegenüber der Jahresrechnung 2015 um über 130 000 Franken. Struchen erklärt: «Wir haben Unterhalt und Support neu an Externe vergeben, dies kommt günstiger.»
Auch die politische Gemeinde hat den Rotstift hervorgeholt. «Wir haben sehr viele kleinere Sachen eingespart», sagt Finanzvorstand Hächler. Ein Beispiel: Die Honorare für externe Beratung des Gemeinderats sind zuletzt auf 30 000 Franken gestiegen. Nun wurden sie mit 15 000 Franken veranschlagt, dank Eigenleistungen der Verwaltung.

Die grösste Sparmassnahme ist der Verzicht auf den Kauf eines neuen Traktors für die Regiebetriebe der Gemeinde, der mit gut 65 000 Franken zu Buche schlagen würde. Nun muss der Traktor mindestens ein Jahr länger durchhalten. Total resultiert für die politische Gemeinde ein Verlust von 950 000 Franken. So sinkt das Eigenkapital auf 20,7 Millionen Franken.

Ein Lichtblick für Urdorf ist die für 2019 geplante kantonsweite Einführung neuer Buchhaltungsregeln, des sogenannten Rechnungsmodells HRM2. «Damit werden beide Güter wieder über mehr Eigenkapital verfügen, da die Liegenschaften dann realitätsnaher und somit höher bewertet werden», so Hächler.

Auch die Investitionen beschäftigen beide Güter: Die Schulgemeinde verfügt über einen Fünfjahresplan, die politische Gemeinde über einen Zehnjahresplan. Künftig sollen die Investitionen beider Güter besser aufeinander abgestimmt werden, versicherten Hächler und Struchen gestern bei der Präsentation des Budgets. «Wir müssen vor einer Steuererhöhung gemeinsam nach Lösungen suchen und den Schwung aus den letzten beiden Jahren mitnehmen, in denen wir für das Einheitsgemeinde-Projekt eine gute Zusammenarbeit hatten», so Hächler.