Schlieren
Gut gelandet: Der Wagi-Speisewagen ist jetzt Teil der Sommerbeiz

Um 10.47 Uhr landete gestern das 18-Tonnen-Bijou der Schlieremer Industriegeschichte auf seinem Gleis.

David Egger
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Der Schwertransporter hat den Wagi-Speisewagen WR.8952 an der Brunngasse aufgeladen.
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Doppeltes Spektakel: Bevor der Schwertransporter losfahren konnte, musste er aber noch schnell warten, bis der städtische Müllwagen den Unterflur-Müllcontainer geleert hatte.
Hier biegt der Schwertransporter auf die alte Badenerstrasse ein. Jeder Zentimeter zählte, denn der Platz war knapp bemessen.
Für Schwertransporter-Chauffeur Emil Nef war die Sache aber kein Problem.
Denn für Chauffeur Emil Nef ist der Transport von Bahnwagen Alltag.
So kam der Schwertransport gut an seinem Bestimmungsort an.
Schnell montierte der Verein Historic Schlieren auch das Haltestellenschild "Wagonsfabrik", das fortan auf die Speisewagen-Beiz hinweist.
Nun galt es, den Speisewagen vom Schwertransporter auf das Sommerbeiz-Gleis zu hieven.
Darum kümmerten sich die Pneukran-Profis von der Weininger Firma Richi.
Die Richi-Pneukranen hat wohl fast jeder Limmattaler schon mal gesehen.
Sachte ging es zu Werke.
Schliesslich handelt es sich beim Speisewagen um ein ganz besonderes Stück: Er wurde 1912 in der Schlieremer Wagi hergestellt.
Nun war alles bereit, um den Wagen emporzuhieven ...
Auch hier zählte jeder Zentimeter.
Schliesslich soll der Wagen keinen einzigen Kratzer abbekommen.
Aber mit vereinten Kräften warr das zu schaffen.
Immer tiefer senkte sich der Wagen.
Bis schliesslich nur noch ein kleines Stück fehlte.
Ganz genau beobachteten die Wagianer zusammen mit den Richi-Mitarbeitern jede Bewegung.
Und so war es dann geschafft ...
... der Wagen war sicher auf dem Gleis gelandet.
Nun galt es nur noch, die Halteseile mit dem Moch zu demontieren.
Auch das ging schnell.
Und schon war der Spuk vorüber.
Der Schwertransporter konnte wieder wegfahren.
Der Speisewagen WR.8952 macht eine gute Figur auf dem Sommerbeiz-Gleis.
Er wertet zudem die sonst eher triste alte Badenerstrasse auf.
Kaum war der Wagen auf dem Sommerbeiz-Gleis parat, wuselten die Angestellten des Restaurant Corona durch den Speisewagen.
Schnell deckten sie die Tische für die ersten Gäste im Sommerbeiz-Speisewagen.
Übrigens: Ebenfalls am Mittwoch begann die Demontage der Aussenbegrenzung des Limmattalbahn-Installationsplatzes im Schlieremer Zentrum.

Der Schwertransporter hat den Wagi-Speisewagen WR.8952 an der Brunngasse aufgeladen.

Limmattaler Zeitung/deg

Schlieren ist um eine Attraktion reicher: Bei der Sommerbeiz steht jetzt der Speisewagen WR.8952 auf seinem Gleis. Er war bis Anfang August restauriert worden und stand dann am Schlierefäscht an der Brunngasse als Wagenbeiz im Einsatz, zusammen mit dem Filisurer-Stübli-Wagen des Bündner Clubs 1889 (die Limmattaler Zeitung berichte). Gestern erfolgte nun – ohne Verzögerungen oder Komplikationen – der Transport zu seinem neuen Bestimmungsort, wo er bis mindestens 2022 bleibt. Beteiligt waren der Verein Historic Schlieren, die Pneukran-Profis der Weininger Firma Richi und die St. Galler Transportfirma Emil Egger.

Kurz nachdem der Wagen aufs Gleis gehievt worden war, wuselten bereits die Angestellten des Restaurants Corona – dieses führt die Sommerbeiz – durch den Wagen und deckten die Tische. Als Erste assen gestern 22 Abwarte der Stadt Schlieren ihren Zmittag im Wagen. Ihnen werden wohl noch viele weitere Gäste folgen.

Für Emil Nef von der Transportfirma Emil Egger, der den Wagen mit dem Schwertransporter an die alte Badenerstrasse zur Sommerbeiz fuhr, sind Transporte von Bahnwagen Alltag, wie er sagte. So holt er zum Beispiel oft neue Bahnwagen von der Stadler-Rail-Fabrik ab, die auch in der Ostschweiz zuhause ist. Aber Bahnwagen wie den WR.8952 – er wurde 1912 in der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik Schlieren (SWS) hergestellt – lädt auch Nef nicht oft auf. «So alten Wagen muss man beim Transport speziell gut schauen», sagte Nef, ehe er das Filisurer Stübli auflud und damit zurück ins Bündnerland fuhr.

In Schlieren zurück bleiben Erinnerungen an feine Bündner Plättli oder Hausfrauen-Röteli, die es am Schlierefäscht im Stübli gab. Und an der ansonsten tristen alten Badenerstrasse steht mit dem WR.8952 ein Speisewagen, wo man noch viele gemütliche Stunden wird verbringen können und wo einmal mehr klar wird, dass in Schlieren nicht nur die Industrie- sondern auch die Gastro-Kultur sehr lebendig ist.