Ob mit dem klassisch-knallroten Gummiboot oder dem zeitgenössischen Gummi-Flamingo: Die Gummiböötler, die bei der Dietiker Nötzliwiese die Limmat verlassen, bringen zusätzliche Farbe und Lebensfreude ins Altberg-Quartier. Den Wasser-Tourismus akzeptieren die Bewohner des Dreiecks zwischen SBB-Gleisen, Limmat und Überlandstrasse grundsätzlich. «Auch wenn viele Gummiböötler da sind, herrscht auf der Nötzliwiese eine friedliche, entspannte und gemütliche Stimmung», sagt Albert Isler – der Quartierbewohner engagiert sich im Quartierverein, der letzten Herbst gegründet wurde. «Ein Problem sind hingegen die Böötler, die ihre Autos im Quartier abstellen oder die sich am Abend von einem Auto abholen lassen. Dieser Fremdverkehr belastet das Quartier stark», sagt Isler, «dabei wäre die Anbindung an den öffentlichen Verkehr dank des Bahnhofs perfekt.»

Mit dem Schild bei der einzigen Quartierzufahrt wurde zwei Monate lang ein Fahrverbot getestet.

Mit dem Schild bei der einzigen Quartierzufahrt wurde zwei Monate lang ein Fahrverbot getestet.

Das Altberg-Quartier ist eine blaue Zone. Die vorhandenen Parkplätze bieten zu wenig Platz für die vielen Autos an Hitzewochenenden. Statt weiter weg zu parkieren oder den öffentlichen Verkehr zu nutzen, stellen die fehlbaren Böötlern ihre Autos wild in die engen Quartierstrassen, die an diversen Stellen über keine Trottoirs verfügen.

Dadurch wird die Verkehrssituation im Sommer noch gefährlicher. Schon lange monieren die Bewohner, dass ihr Quartier von Automobilisten genutzt wird, die jemanden an den Bahnhof bringen, jemanden abholen oder selber auf den Zug müssen und ihr Auto auf den Parkplätzen für die Quartierbewohner abstellen – statt auf der anderen Bahnhofseite, die je nach Wohnort weiter entfernt ist. Und das obwohl es bei der einzigen Zufahrt ins Quartier schwarz auf weiss signalisiert ist, dass sie nicht als Bahnhofzufahrt genutzt werden soll.

19 zu 2 Stimmen für Fahrverbot

Verbesserungen gab es zwar. Zum Beispiel als die Stadt vor über zehn Jahren Tempo 30 im Quartier einführte. Doch aus Sicht des Quartiervereins ist klar: Es braucht ein Fahrverbot, von dem Quartierbewohner und deren Besucher sowie das lokale Gewerbe und dessen Besucher ausgenommen sind. In einer vereinsinternen Umfrage sprachen sich 19 Mitglieder dafür und 2 dagegen aus.

Bei der Stadt wird ein solches Fahrverbot nicht grundsätzlich abgelehnt. Im Mai und im Juni führte die Stadtpolizei in Absprache mit dem Quartierverein und der Kantonspolizei einen Versuch durch. Der Quartierverein unterstützte diesen, indem er Automobilisten Flugblätter unter die Scheibenwischer klemmte, die auf das Fahrverbot hinwiesen. Der Verein ist überzeugt, dass der Versuch ein voller Erfolg war.

Die Stadt legt sich noch nicht derart fest. «Wir sind mitten in der Auswertung des Fahrverbot-Versuchs, mit dem wir zu eigenem Zahlenmaterial kamen. Die Auswertung wird demnächst fertig. Danach sitzen wir mit der Kantonspolizei zusammen und gehen an die Lösungsfindung», sagt Michael Weber, Leiter der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung der Stadt Dietikon.

Er betont, dass verschiedene Massnahmen möglich sind: «Jetzt haben wir eine davon ausprobiert.» Die Stadt will einen Schnellschuss vermeiden. «Der Verkehr ist nicht das einzige Problem. Auch Lärm und Littering, beides Begleiterscheinungen von Gummiböötlern und anderen Naherholungssuchenden, machen dem Quartier zu schaffen. Wir wollen eine gute Lösung, die möglichst viele Probleme auf einmal löst. Das ist nicht ganz einfach», sagt Weber. So stelle die Stadt immer wieder fest, dass manche Gummiböötler viel Abfall liegen lassen. Manche lassen sogar ihre Gummiboote einfach bei der Nötzliwiese liegen. «Die Abfallmengen, die sich daraus ergeben, sind gewaltig», sagt Weber.

Gummiböötli bleiben liegen

Immerhin kann Weber schon sagen, wie fehlbare Autofahrer reagierten, als sie von der Stadtpolizei darauf angesprochen wurden, dass sie das Verbot missachteten. «Die meisten zeigten Verständnis für die Anliegen des Quartiers.» Die Stadt hofft, dass sich die Probleme auf der Nötzliwiese insbesondere ab dem Sommer 2019 entschärfen, wenn flussaufwärts die neue Allmend Glanzenberg eröffnet wird. «Unabhängig davon bitten wir die Gummiböötler, den öffentlichen Verkehr zu benutzen und die Gummiboote nach der Fahrt in der Limmat wieder mitzunehmen», sagt Weber.

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Neben der Allmend Glanzenberg und damit wohl weniger Gummiböötlern auf der Nötzliwiese stehen weitere Änderungen bevor. Im September 2019 wird die Limmattalbahn AG auf der Nötzliwiese ihre Baustelleninstallation einrichten, weil es im Dietiker Zentrum sonst nirgends Platz hat. Insbesondere sollen Mannschaftsräume sowie das Material- und das Baumaschinendepot auf der Nötzliwiese, die den SBB gehört, zu liegen kommen. Auch ein Randbereich des Spielplatz-Areals, das im Besitz der Stadt ist, wird für die Baustelleninstallation benötigt. Diese wird im Quartier auch für Baustellenverkehr sorgen. «Wir bemühen uns, die Lärmemissionen und den Baustellenverkehr so gering wie möglich zu halten. Der Unternehmer wird dazu verpflichtet, die benutzten Strassen zu reinigen und die Staubentwicklung durch Bewässerung zu reduzieren», sagt Limmattalbahn-Sprecherin Julie Stucki.

Die erwarteten Lastwagen für den Materialtransport verstärken aber den Wunsch nach einem Fahrverbot für Auswärtige. Quartierbewohner Isler, der ein gutes Einvernehmen mit den Bahnplanern hat, sagt: «Da uns der Baustellenverkehr zusätzlich belasten wird, müssen der Fremdverkehr, die SBB-Zubringer und -Abholer und die Gummiböötler mit Autos erst recht gestoppt werden.»