Rangierbahnhof Limmattal

Güterwagenzahl auf Tiefstwert – nun wurde in Bern die Streichung des Standorts beantragt

Rangierbahnhof Limmattal: Kann das weg? Das ist die grosse Frage, die nun mit Nachdruck gestellt wird.

Rangierbahnhof Limmattal: Kann das weg? Das ist die grosse Frage, die nun mit Nachdruck gestellt wird.

Der lärmige Rangierbahnhof soll weg, dafür lässt sich eine neue Stadt mit über 10'000 Einwohnern bauen. Diese Idee erhält zurzeit neuen Schub. Ein bürgerliches Limmattaler Komitee hat beim Bundesamt für Verkehr einen entsprechenden Antrag gestellt.

Weniger Lärm am Rangierbahnhof Limmattal: Dieses Ziel wurde mit dem 2016 eingeführten Taktfahrplan für Gütertransporte nicht erreicht, wie die Limmattaler Zeitung kürzlich öffentlich machte. In den Fokus gerät nun eine andere Idee, mit der der Lärm garantiert abnehmen würde: Der Rangierbahnhof soll weg aus dem Limmattal und Platz machen für rund 15 000 weitere Einwohner an der Stadtgrenze von Dietikon zu Spreitenbach.

Dafür stark macht sich das bürgerliche Limmattaler Komitee «Gateway: so nicht!». Es hat dem Bundesamt für Verkehr letzten Freitag ein Schreiben geschickt, in dem es den Antrag stellt, dass der Rangierbahnhof umzunutzen sei für eine Immobilien- oder Stadtentwicklung. Der entsprechenden Idee zu Gehör verholfen hatten die Kantonsräte Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) und Pierre Dalcher (SVP, Schlieren) schon in einer Anfrage an den Zürcher Regierungsrat Anfang 2014. Beide sind im Komitee vertreten, das vom Oetwiler Gemeinderat Thomas Bernegger (CVP) präsidiert wird. Mit Barbara Angelsberger aus Urdorf ist auch die FDP im Vorstand mit dabei.

Bundesamt gleist Zukunft auf

Dass die Idee nun neuen Schub erhält, kommt nicht von ungefähr: Das Eidgenössische Bundesamt für Verkehr (BAV) hat gerade ein neues Konzept für den Gütertransport auf der Schiene erarbeitet. Das Dokument dient als Grundlage für die Weiterentwicklung der Infrastruktur. Das BAV hat nun dazu eingeladen, Stellung zu nehmen zum Konzept. 44 Adressaten hat das BAV angeschrieben: die 26 Kantonsregierungen, drei Regierungskonferenzen sowie 15 Verbände, darunter zum Beispiel Economiesuisse, Bauernverband und Transportverbände.

«Auch wenn wir nicht direkt eingeladen wurden, an der Anhörung mitzuwirken, so möchten wir uns doch konstruktiv in den Prozess bringen», schreibt das Komitee «Gateway: so nicht!» nun in seinem Brief ans BAV. Grundsätzlich zeigt sich das Komitee mit dem neuen Konzept einverstanden.

Limmattal soll Däniken ersetzen

Das Konzept sieht vor, dass unproduktive und aufkommensschwache Standorte zu überprüfen sind. Ein solcher Standort ist aus Sicht des Komitees der Rangierbahnhof Limmattal. Die Anzahl dort rangierter Wagen nimmt laufend ab. Von 837 748 Wagen im besonders guten Jahr 2000 auf den tiefen Stand von 474 504 Wagen im abgelaufenen Jahr. Geteilt durch 365, ergibt das im Durchschnitt 1300 Wagen pro Tag. Ausgelegt war die Anlage bei der Eröffnung Ende der 1970er-Jahre auf 5200 Wagen täglich.

Das neue Gütertransport-Konzept des Bundes prognostiziert aber ein starkes Wachstum für den Güterverkehr bis in die Jahre 2030 bis 2040. Diese Erwartungen werden vom Komitee kritisiert – insbesondere mit Rücksicht auf den strukturellen Wandel des Gütertransports, der mitunter verantwortlich war für den grossen Rückgang auf dem Rangierbahnhof Limmattal.
Andere Anzeichen lassen aber vermuten, dass zumindest im Limmattal der Rangierverkehr zunehmen könnte. Denn er erhält Rangiervolumen, das bisher anderswo abgewickelt wurde.

Mit der Einführung des Güter-Taktfahrplans Ende 2016 wurde nämlich das schon 2004 angekündigte Ende des Rangierbahnhofs im solothurnischen Däniken zur Tatsache. «Im Rahmen des neuen Konzepts von SBB Cargo werden die Rangierungen ab dem Fahrplanwechsel insbesondere im Rangierbahnhof Limmattal ausgeführt», sagte eine SBB-Sprecherin damals zur Aargauer Zeitung.

Darauf angesprochen und gefragt, ob denn nun damit zu rechnen ist, dass der Rangierumschlag im Limmattal wieder zunimmt, erklärte ein SBB-Sprecher gestern: «Die Menge der rangierten Güterwagen ist vor allem von der Konjunktur abhängig. Deshalb können wir dazu keine verlässlichen Angaben machen.» Gleichzeitig mit Däniken wurde Ende 2016 auch dem Rangieren auf der Anlage in Zürich Mülligen ein Ende gesetzt.

Sich widersprechende Aufgaben

Das neue Gütertransport-Konzept des Bundes sieht vor, dass die Entwicklung der Schienengüter-Verkehrsanlagen im Einklang mit anderen Aufgaben des Bundes erfolgen solle, insbesondere den umweltpolitischen und raumplanerischen Zielen. Gerade diese Ziele würden eine Aufhebung des Rangierbahnhofs Limmattal verlangen, erklärt das Komitee sinngemäss, insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Dietiker Niderfeld im Zürcher Richtplan als Zentrumsgebiet von kantonaler Bedeutung eingetragen wurde und hier ein dicht bebautes Stadtquartier mit eigener Limmattalbahn-Haltestelle entstehen wird.

Sollte der Antrag des Komitees, den Rangierbahnhof Limmattal nicht weiter auszubauen und dereinst sogar umzunutzen, beim BAV nicht auf Gegenliebe stossen, hat das Komitee auch noch einen Eventualantrag gestellt. Nämlich, dass die vom Zürcher Richtplan seit 2016 vorgesehenen Einschränkungen des Rangierbahnhofs auch ins neue Konzept des Bundes aufgenommen werden. Sie lauten insbesondere: weniger Lärm und keine Erweiterung ausserhalb heutiger Flächen.

Im Konzept des BAV ist hingegen vorgesehen, dass der Rangierbahnhof Limmattal bleibt und Massnahmen zur Erhöhung von Kapazität und Produktivität anzustreben sind.

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