Wer sich durch mächtiges Gestein arbeitet, zählt oft auf Hilfe von oben, auf die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute. Irdische Vertreterin der heiligen Barbara ist am Gubrist die Tunnelpatin Maya Grossmann. Seit etwas über einem Jahr hat sie das Amt inne. Es beschert ihr viele schöne Begegnungen. So auch am vergangenen 4. Dezember, dem Barbara-Tag: Grossmann brachte Nussgipfel auf die Baustelle. «Sie hätten nichts mitbringen müssen, Ihr Besuch ist schon das grösste Geschenk», sagte damals ein grosser und kräftiger Bauarbeiter zu Grossmann, wie sie erzählt. «So herzig, er hatte fast Tränen in den Augen. Es ist sehr ergreifend, wie die Arbeiter bei meinen Besuchen reagieren», sagt Grossmann. Manche Bauarbeiter haben es noch nie erlebt, dass eine Tunnelpatin derart engen Kontakt mit den Bauarbeitern gepflegt hat. Aber für Grossmann ist klar, dass das Amt als Tunnelpatin «kein alter Zopf» ist, sondern Glück in den Berg bringt. Grossmann geht mindestens alle zwei bis drei Monate auf die Baustelle. Und ist dort ein richtiger Promi.

Die von Grossmann investierte Zeit ist wertvoll. Spätestens seit sie 2014 das Restaurant Linde im Weininger Dorfkern übernommen hat, hat sie schliesslich beide Hände voll zu tun, um ihren Gästen schöne Momente zu bescheren.

Viele davon finden im Gubrist-Stübli statt. Genau gestern vor einem Jahr hatte sie das damalige Metzgerstübli feierlich in Gubrist-Stübli umbenannt. Und leistet so ihren Beitrag dazu, dass der Gubrist nicht mehr nur als Nadelöhr der Nation wahrgenommen, sondern auch mit vielen positiven Erlebnissen und Genuss verbunden wird. Ihre Bilanz? «Das Gubrist-Stübli ist sehr beliebt, ich musste selber staunen. Denn normalerweise dauert es immer mehrere Monate, bis es sich herumspricht, dass ich ein neues Angebot eingeführt habe», sagt die Gastronomin. Diesen Donnerstag war das Gubrist-Stübli zum Beispiel bis auf den letzten Platz besetzt, da viele Paare ihr Valentinstag-Essen darin buchten.

Astra-Direktor ass im Stübli

Auch Jürg Röthlisberger, der Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra), hat das Gubrist-Stübli mittlerweile besucht, mit seiner Familie. Bei der Eröffnungsfeier vor einem Jahr musste er noch passen, weil er in der Genfersee-Region ein Autobahnausbauprojekt vorstellen musste (die Limmattaler Zeitung berichtete). Regelmässig kommen auch die Leiter der Baustelle in der «Linde» essen.

Grossmann ist zufrieden damit, wie ihr Restaurant läuft. «Es steckt viel Arbeit dahinter. Es freut mich, dass mein Weg funktioniert und dass ich die ‹Linde› auch als Kulturstätte etablieren konnte», sagt sie und spricht damit die Zauber-Shows, Konzerte, Theater und Comedy-Abende an. Um die Gäste auf dem Laufenden zu halten, gibt sie seit 2018 ein zweimal jährlich erscheinendes «Linde-Blatt» heraus, in dem alle Anlässe auf einen Blick zu sehen sind. Und spannende Fakten zur «Linde»: Pro Jahr werden 45 Tonnen Spätzli produziert im Restaurant, das neun Festangestellte und über ein Dutzend Aushilfen beschäftigt.
Seit Grossmann Tunnelpatin ist, erlebt sie die Fahrt durch den Gubrist anders, wenn sie etwa ihre Schwägerin in der Ostschweiz besucht. «Ich weiss jetzt, was alles dahintersteckt. Es kommen Emotionen, wenn ich durch den Tunnel fahre», sagt sie. Emotional wird auch die Feier des Durchstichs sein. Bereits zuvor soll im kleinen Rahmen der Moment gefeiert werden, wenn die Bauarbeiter im Berg von der Regensdorfer Seite her die Weininger Gemeindegrenze erreichen – mitten im Maya-Tunnel. Auf diesen Namen wurde die dritte Röhre am 21. November 2017 bei der ersten Sprengung getauft.