Nachhaltigkeit
Grüner Strom: im Limmattal macht Solarenergie Fortschritte

In der Region werden immer mehr Solaranlagen gebaut – die Speicherung der Energie bereitet noch Mühe.

Florian Schmitz
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Die Ende 2011 montierte Solaranlage auf dem Coop Silbern in Dietikon ist eine der grössten im Kanton. zvg/ekz

Die Ende 2011 montierte Solaranlage auf dem Coop Silbern in Dietikon ist eine der grössten im Kanton. zvg/ekz

zvg / EKZ

Im Limmattal nimmt die Verbreitung von Solaranlagen stark zu. Im Netzgebiet der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) sind im Bezirk Dietikon derzeit insgesamt rund 110 Solaranlagen in Betrieb, wie die EKZ auf Anfrage mitteilen. Das sind fast drei Mal so viele wie 2012. Erwartungsgemäss stehen in Dietikon mit 35 am meisten Anlagen im Bezirk, gefolgt von Urdorf (31) und Schlieren (18). Besonders in Urdorf hat die Solarstromproduktion deutlich zugenommen, die Anzahl Anlagen hat sich in den letzten zweieinhalb Jahren versechsfacht. Mit rund drei Anlagen pro 1000 Einwohner liegt die Gemeinde im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte innerhalb des Bezirks an der Spitze.

Alle im Limmattal installierten Anlagen haben zusammengerechnet eine Gesamtleistung von 5300 Kilowatt – deutlich mehr als das Wasserkraftwerk Dietikon (1965 Kilowatt). Doch die Effizienz des Kraftwerks ist deutlich höher, es produziert jährlich genügend Strom für rund 3800 Haushalte. Im Gegensatz dazu liefern die Solaranlagen Strom für rund 600 Haushalte. Die Erklärung ist einfach: Während das Wasserkraftwerk praktisch rund um die Uhr im Einsatz ist, ist die Stromproduktion der Solaranlagen von vielen Faktoren wie der Anzahl Sonnentage, dem Sonnenstand und der -intensität sowie dem Aufstellwinkel der Kollektoren abhängig.

Jetzt könnte man meinen, dass Solaranlagen 2015 angesichts des sonnigen Wetters besonders profitieren. Dem ist aber nicht zwingend so. Obwohl mehr Sonneneinstrahlung zwar grundsätzlich die Stromproduktion erhöht, werden stromproduzierende Photovoltaikanlagen von länger anhaltender Hitze in ihrer Effizienz beeinträchtigt. Während in den ersten Tagen einer Hitzeperiode die Luft austrocknet, nimmt die Verdampfung in den folgenden Tagen eher zu, worauf der Dunst die Sonneneinstrahlung verringert. Deshalb geht die Stromproduktion während einer Hitzeperiode sogar leicht zurück im Vergleich zu Durchschnittswerten.

Die Auswertung der EKZ-Anlagen auf dem Dach der Gebäudeversicherung sowie auf dem Dach des Gewerbe- und Handelszentrums in Schlieren ist widersprüchlich. Beide Anlagen produzierten im Juli 2015 rund 30 Prozent mehr Strom als im Juli 2014. Der sonnige Monat Juli hat sich also insgesamt positiv auf die Solarstromproduktion ausgewirkt. Anders allerdings der Vergleich für den Juni: Trotz gutem Wetter in diesem Sommer fiel die Stromproduktion im vergangenen Juni in beiden Anlagen 15 Prozent höher aus.

Speicher als Herausforderung

Noch wichtiger als die Effizienz der Solaranlagen ist die Möglichkeit, die erzeugte Energie flexibel nutzen zu können. Weil Solaranlagen wegen ihrer Abhängigkeit von der Sonne nicht konstant gleich viel Strom produzieren, wird die Stromspeicherung immer relevanter. Doch Batterien mit hohen Speicherkapazitäten bleiben weiter eine Herausforderung. Gerade im Limmattal wird der Fortschritt in diesem Bereich aber deutlich sichtbar. Auf ihrem Gelände in Dietikon betreiben die EKZ den leistungsmässig grössten Batteriespeicher der Schweiz. Nach einer zweijährigen Testphase bietet der Speicher seit Juli 2014 offiziell Reserve-Energie am Schweizer Markt an, seit April 2015 gar für den schweizerisch-deutsch-österreichisch-holländischen Markt.

Doch auch für Endkunden wird das Speichern von Solarstrom zum Thema. Das 2013 gegründete Zürcher Start-up Batte.re etwa bietet seit kurzem einen Service mit ausleihbaren Handy-Ladegeräten an. In verschiedenen Zürcher Geschäften und Bars können Benutzer einen mit Solarstrom betriebenen Akku mieten und ihn dann nach Gebrauch wieder an einer der bisher insgesamt zehn Stationen zurückgeben. Daneben stattet das Start-up auch Firmen mit wiederverwendbaren, solarstrombetriebenen Batterien aus.

Auch erste Projekte mit grossen Speichern für Privathaushalte und Firmen werden konkreter. Damit lässt sich aus Solaranlagen überschüssig produzierte Energie zwischenspeichern, die dann unabhängig von der Sonne eingesetzt werden kann. Der US-Elektroautopionier Tesla präsentierte im Frühling 2015 eine solche Super-Batterie.

Klimaschonender Spass

Ohne Speicher kann Solarstrom direkt für klimaschonende Freude sorgen, wie Beispiele aus der Region zeigen. In der Badi Fondli in Dietikon bringt die Solaranlage auf dem Dach der benachbarten Turnhalle Spass für Gross und Klein. Denn sie liefert den nötigen Strom für Attraktionen wie den Strömungskanal, den Wasserpilz oder die Nackenduschen.

Ebenfalls sehr beliebt im Sommer ist Kino unter freiem Himmel. Doch die ganze Technik in der Natur zu betreiben, verschleisst viel Strom. Nicht so das klimaneutrale Cinema Sud: Es besteht aus zwei Solarpanels, einem kleinen Projektor und einer Leinwand. In vier Stunden generieren die Panels genügend Energie für zwei Filmvorführungen. Diesen Sommer macht das mobile Kino Anfang September auch in Zürich Halt. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch das Cinéma Solaire in Winterthur.