Dietikon
Grüne fordern: Gastbäume vor dem Zentralschulhaus sollen nicht den Exoten weichen

Auf dem Pausenplatz des Dietiker Zentralschulhauses stehen zwei Roteichen den anstehenden Sanierungsarbeiten im Weg.

Gabriele Heigl
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Beat Hess vor der grösseren der beiden im Jahr 2000 gepflanzten Roteichen.

Beat Hess vor der grösseren der beiden im Jahr 2000 gepflanzten Roteichen.

Gabriele Heigl

Ferienzeit: Die Schüler gehen – die Baumaschinen kommen. Ein Kran und ein Gerüst vor dem Dietiker Zentralschulhaus zeugen davon, dass die Sanierungs- und Umbauarbeiten auf dem Pausenplatz kurz bevorstehen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Im Zuge dieser Arbeiten sollen die zwei vor dem alten Trakt A stehenden Roteichen gefällt werden.

Weit und breit sind sie auf dem Platz die einzigen Schattenspender. Für die Fällung gibt es denkmalpflegerische und räumliche Gründe. Die historische Fassade des alten Trakts soll nach dem Willen des kantonalen Denkmalschutzes besser sichtbar werden, ausserdem stehen sie einem geplanten Pausendach im Weg. Statt der Roteichen sollen später vor dem südlich gelegenen Trakt B drei Lederhülsenbäume gepflanzt werden.

Auch wenn die Planungsarbeiten weit vorangeschritten sind, versuchen nun die Dietiker Grünen mit einer Petition, den Erhalt der Bäume, die im Jahr 2000 gepflanzt wurden, noch zu erreichen. In der letzten Parlamentssitzung hat Gemeinderat Beat Hess, der für die Petition verantwortlich zeichnet, bei der Stadt für das Anliegen geweibelt.

Zwar sei die Roteiche ebenso wie der Lederhülsenbaum keine heimische Art, jene sei aber mit der heimischen Eiche nahe verwandt und gelte in der Forstwirtschaft als sogenannter Gastbaum, wohingegen Lederhülsenbäume als echte, «wenig wertvolle» Exoten gelten. Die Petition verweist darauf, dass im städtischen Leitfaden «Natur im Siedlungsraum» festgelegt wurde, dass nur einheimische, standortgerechte Bäume gepflanzt werden sollen sowie der Bestand der Bäume «möglichst» zu erhalten ist.

Sei eine Fällung unumgänglich, müssten «gerade auf einem Schulhausplatz» einheimische Bäume gepflanzt werden, am besten die «historisch passende» Linde. Alte Stadtansichten belegten, dass vor dem alten Trakt seit dem Bau im Jahr 1909 fast immer Bäume gestanden hätten; es seien Linden gewesen, wie sie auch heute noch im Bereich der Velos-Stellplätze stehen.

Die Fassade «freispielen»

Der Landschaftsarchitekt des Projektes, Rolf Bütikofer, hatte aber seine Gründe für die Wahl des aus Nordamerika stammenden Exoten. Er erfülle alle Ansprüche des Standorts: hitze- und trockenheitsverträglich, stadtklimaresistent, ohne Absonderungen von Honigtau und mit lockerkronigem Wuchs, der die Fassade des historischen Trakts «freispielt».

Die Petition dagegen bemängelt die denkmalpflegerische Argumentation als zu einseitig. Die Fassade könne auf Kinder auch «bedrohlich» wirken, wohingegen «Bäume Schutz bieten und identitätsstiftend wirken können».

In ihrer Antwort auf eine Anfrage von Hess schrieb Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) Mitte Juni, die Formulierung der Baueingabe sei in Absprache mit der Denkmalpflege erarbeitet worden; deren Einverständnis für die Erteilung der Baubewilligung sei unerlässlich gewesen. Eine aktuelle Stellungnahme der Stadt war gestern nicht zu bekommen, weil der Stadtrat demnächst die Petitionsantwort verabschieden wird.