Dietikon
Grund für Schliessung: Oberstadt-Bäckerei schrieb rote Zahlen

Die Gastro-Gruppe ZFV nimmt doch noch Stellung zur Bäckerei-Schliessung – und gesteht Fehler ein.

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
23 Jahre arbeitete die Familie Faes mit ihrem Team in der Oberstadt-Bäckerei, ehe sie den Betrieb 2013 verkaufte. Archiv/ Katja Schlegel

23 Jahre arbeitete die Familie Faes mit ihrem Team in der Oberstadt-Bäckerei, ehe sie den Betrieb 2013 verkaufte. Archiv/ Katja Schlegel

Seit letzter Woche ist die zur Gastro-Gruppe ZFV gehörende Bäckerei Kleiner an der Oberdorfstrasse geschlossen (die Limmattaler Zeitung berichtete). Nun ist definitiv klar, warum: Der ganze Bäckerei-Bereich der ZFV schrieb rote Zahlen, insbesondere auch die Filiale in Dietikon. Das bestätigt auf Anfrage der Leiter Marketing des ZFV, Peter Waltenspühl. Der Bäckerei Kleiner bleiben jetzt nur noch die Filialen in der Stadt Zürich und in Uster übrig. Warum Kleiner ausgerechnet in der grossen Stadt noch Chancen sieht, erklärt Waltenspühl so: «Dort ist die Kaufkraft grösser und die Konkurrenz kleiner.» Das habe man in einer Marktanalyse klar feststellen können.

Zwar gibt es auch in Zürich hunderte Geschäfte, die Brotprodukte verkaufen. «Allerdings ist die Dichte an klassischen Bäckereien in der Stadt Zürich kleiner als in anderen Schweizer Städten», so Waltenspühl weiter. Das leuchtet ein.

Aber warum übernahm Kleiner überhaupt die Oberstadt-Bäckerei vom Ehepaar Faes? Schliesslich ist das keine drei Jahre her. «Diese Bäckerei hatte viele beliebte Produkte, die wir übernommen haben und auch heute noch im Sortiment führen. Wir erhofften uns, die Oberstadt-Bäckerei schneller in die Gewinnzone zurückzubringen», sagt Waltenspühl. «Diese Einschätzung hat sich als fehlerhaft erwiesen.» Mit solchen Fehlern ist Kleiner nicht alleine. Zu
wenig Marketing, zu grosse Sortimente, zu wenig Individualität – all das führe verschiedene Bäckereien in die roten Zahlen.

Limmat-Beck: keine Schliessung

Aber nicht alle. Dem 2014 eröffneten Limmat-Beck beim Kino Capitol in Dietikon läuft es offenbar besser. «Wir planen keine Schliessung», sagt der Geschäftsinhaber und diplomierte Bäckermeister, Patrick Binder, auf Anfrage. Kunden, die unter dem Ehepaar Faes noch regelmässig bei der Oberstadt-Bäckerei eingekauft haben, holen ihr Brot bei Binder, im Limmat-Beck. «Ich kann bestätigen, dass wir solche Kunden gewonnen haben», sagt Binder. Dietikon ist zwar eine Stadt, habe aber in gewissen Beziehungen einen dörflichen Charakter. «Der Kunde schätzt es, vom Verkaufspersonal erkannt zu werden und wenn dieses seine Vorlieben kennt.» Ein familiärer Betrieb eben. Ist es das, was bei der Bäckerei Kleiner gefehlt hat?

Zu einem gewissen Teil schon, bestätigt ZFV-Sprecher Peter Waltenspühl. «Trotzdem darf man nicht vergessen: Auch die Bäckerei Kleiner bietet ihren Kunden einen persönlichen Umgang, den man beim anonymen Brotkauf im Grossverteiler nicht hat. In der Stadt Zürich werden wir damit punkten können», so Waltenspühl. «Aber mit familiären Betrieben mit lokaler Verankerung können wir diesbezüglich nicht mithalten.»

Jedes Geschäft hat seine Kundengruppe. In Zürich beweist zum Beispiel die Firma Seri Backhandwerk, dass man auch als Neueinsteiger Erfolg haben kann. Unter der Woche verkauft diese Bäckerei nur Baguettes und sonst nichts. Dank des kleinen Sortiments explodieren die Fixkosten nicht. «An solchen Firmen sieht man, dass die Leute weiterhin bereit sind, Brot in der Bäckerei zu kaufen und dafür etwas mehr zu zahlen.» Darum glaube die ZFV auch daran, dass die Bäckerei Kleiner mit der neuen Strategie, für die Peter Waltenspühl verantwortlich ist, wieder in die Gewinnzone zurückkehren kann. Ertrag wird die ZFV in Dietikon trotz der geschlossenen Oberstadt-Bäckerei weiterhin erwirtschaften. Ihr gehört nämlich die ganze Liegenschaft an der Oberdorfstrasse.

Treue Kundschaft ist das A und O

Der Limmat-Beck konzentriert sich hingegen auf das Geschäft mit Brot und Gipfeli in Spreitenbach, Neuenhof und Dietikon. In der Dietiker Filiale sei er «mindestens fünfmal pro Woche», sagt Binder. Und fügt an: «Neue Kunden zu gewinnen, ist heutzutage bei dem vielfältigen Angebot keine leichte Aufgabe, umso mehr freuen wir uns über treue Kundschaft.»

Beck Plüss gewinnt langsam Kunden

Im Artikel über die Schliessung der Oberstadt-Bäckerei (Limmattaler Zeitung vom 2. 6.) ist uns ein Fehler unterlaufen. Nach der Schliessung der Oberstadt-Bäckerei ist der Limmat-Beck an der Bremgartnerstrasse nicht die einzige verbleibende Bäckerei in Dietikon, sondern nur der einzige Dietiker Beck links der Bahngleise. Rechts der Gleise hat es einen weiteren Beck: Die Bäckerei Plüss an der Heimstrasse 14 im Limmatfeld, eröffnet im Februar 2014.

Auch dort hat man zu kämpfen. «In Dietikon herrschen schwierige Bedingungen für Bäckereien. Aber es geht bei uns stetig bergauf, wenn auch langsam», sagt der Geschäftsinhaber Roger Plüss. «Es braucht viel Zeit, um Stammkundschaft aufzubauen.» Plüss spricht auch den Zeitgeist an: Die grosse Schweizer Brotkultur sei auf dem Rückmarsch. «Viele Menschen wollen nur noch ihre Mägen füllen und wissen gutes Brot nicht mehr zu schätzen.» Vielleicht, weil es beim Beck zu teuer ist? Plüss widerspricht vehement: «Das stimmt nicht. Ein Laib Brot kostet gleich viel wie ein Café Crème, ernährt aber eine ganze Familie. Zudem zahlen wir anständige Löhne.»

Das Brot von Plüss, insbesondere seine Spezialbrote, haben einen guten Ruf: Mehrere traditionelle Fünfstern-Hotels in der Stadt Zürich lassen sich von ihm beliefern. Der Familienbetrieb ist bald 50 Jahre alt: 1971 wurde die Spezialbrotbäckerei Plüss in Zürichm Höngg gegründet. 1990 zügelte das Unternehmen nach Weiningen und Roger Plüss wurde Geschäftspartner von seinem Vater Ernst, der im Jahr 2009 pensioniert wurde.

Total beschäftigt Plüss 20 Personen, drei davon arbeiten in der Filiale im Dietiker Limmatfeld. Mit Brot alleine könnte der Laden nicht überleben. «Der meiste Umsatz stammt aus dem Verkauf von Sandwiches und Wähen zur Znüni- und zur Zmittagszeit», sagt Plüss. (deg)