Dietikon
Grösster Handlungsbedarf besteht im Schulwesen – Pavillon soll Abhilfe schaffen

In zwei Wochen entscheidet das Volk über den Kredit von fünf Millionen Franken für das Steinmürli-Projekt.

Gabriele Heigl
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Steinmürli
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Der Holz-Pavillon bietet Platz für sechs Klassenzimmer sowie ein multifunktionales Zimmer und einen Hort.
Der Holzbau erweitert mit den bestehenden Gebäuden den Pausenhof
Steinmürli Pavillon
Markant - drei mit Solarpanels ausgestattete Deckenfenster bringen Licht ins innere

Steinmürli

Alex Rudolf

Bei der Abstimmung vom 25. September kommt auch eine brisante kommunale Vorlage vors Volk. Nachdem der Gemeinderat im Mai grünes Licht für das Projekt gegeben hat, sollen nun auch die Dietiker Wähler ihre Daumen heben. Es geht um einen Baukredit in Höhe von gut fünf Millionen Franken für den Bau eines Holzpavillons auf dem Gelände der Steinmürli-Schule. Viel Geld für ein Provisorium, denn bei dem Bau handelt es sich um eine Übergangslösung, bis der Neubau eines Schulhauses im Gebiet Limmatfeld realisiert sein wird.

Das Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende Anstieg der Schülerzahlen setzt die Dietiker Politiker und die Verwaltung seit langem unter Zugzwang. Die Schulen stellen nicht nur den grössten Posten im Haushalt – im nächsten Jahr werden die 50 Millionen erreicht werden – es besteht hier auch der grösste Handlungsbedarf. Die anstehenden Sanierungen in den Schulen Wolfsmatt, Luberzen und Fondli und die erforderlichen Neubauten zunächst im Limmat- und später im Niderfeld werden die Stadt noch viele Jahre gut beschäftigen.

Baukosten von Schulanlagen: Provisorium schneidet im Vergleich gut ab

Eine Studie aus dem Jahr 2012 für die Stadt Zürich für Schulen mit dem Titel «Kostenklarheit 2011» liefert Orientierungswerte für die Kosten von neuem Schulraum. Die Studie errechnet einen Basiswert von 1,1 Millionen Franken pro Klasse. Je nachdem, wie sich der Bau bezüglich der Flächeneffizienz, dem Energielabel und der Umsetzung der Schulbaurichtlinien verhält, erhöht sich dieser Kennwert auf bis zu 1,5 Millionen Franken. Der Pavillon Steinmürli weist im Vergleich dazu einen Wert von 520 000 Franken auf. Ausgehend von den vergleichenden Analyse-Kennwerten der Stadt Zürich läge die zu erwartende Gesamtsumme für den Neubau des Pavillons Steinmürli, also kein Provisorium, zwischen 8,8 und 12 Millionen Franken und damit deutlich höher als die projektierten Baukosten des Provisoriums.
Im Vergleich dazu belaufen sich die durchschnittlichen Bruttokosten für einen temporären Schulraumpavillon vom Typ «Züri Modular» der Stadt Zürich auf 2,7 Millionen Franken für vier Klassenzimmer, zwei Gruppenräume und zwei WC-Anlagen. Verdoppelt man dieses Raumangebot, so entspricht es annäherungsweise dem Steinmürli-Projekt und die Kosten würden sich entsprechend auf rund 5,4 Millionen Franken erhöhen. Im Antrag des Stadtrates vom Februar 2016 heisst es: «Im Gegensatz zu diesem (Züri Modular) erreicht er (der Steinmürli-Pavillon) aber einen höheren energetischen Standard (Minergie P-ECO), wird behindertengerecht ausgeführt, (...) beherbergt zusätzlich ein Kleinklassenzimmer, ein Lehrervorbereitungszimmer, eine Hortküche sowie einen Windfang, ist auf eine Nutzungsdauer von mindestens zwanzig Jahren ausgelegt und hat den Vorteil, dass er architektonisch, räumlich und gestalterisch sensibel auf die bestehende Situation reagiert.» (GAH)

Provisorium für 20 Jahre

Der Provisoriumsbau in der Steinmürli-Schule soll in der Schulraumplanung also etwas Luft verschaffen. Anders als beim Containerbau «WolfsmAttika» der Schule Wolfsmatt, der mit Beginn des Schuljahres bezogen werden konnte, soll der Pavillon aber länger im Einsatz sein. Statt wie dort fünf Jahre wird der Bau an der Steinmürlistrasse immerhin mindestens 20 Jahre bestehen bleiben. Mit der langen Zeitspanne geht die Stadt auf Nummer Sicher, denn bei der künftigen Limmatfeld-Schule geht es schon länger nicht recht voran. Erst musste das Volks-Nein zu einem Mietschulhaus auf dem Eckgrundstück an der Limmatfeld- / Heimstrasse verdaut werden. Jetzt bremst eine noch nicht vorliegende Moorschutzverordnung für das einzige infrage kommende Baugrundstück im Gebiet Stierenmatt die Planungen aus. Die Entscheidung, das Provisorium am Standort Steinmürli zu verwirklichen, fiel, weil diese Schule zentral liegt und daher für viele Kinder gut erreichbar ist.

Die Höhe des Baukredits hat in der Geschäftsprüfungskommission wie im Gemeinderat Gesprächsstoff gegeben. Am Ende wurde der Antrag vom Parlament aber dennoch mit grosser Mehrheit von 26 Ja- zu einer Nein-Stimme gutgeheissen. Bei den Gesamtkosten für das Projekt entfällt der grösste Betrag mit 4,1 Millionen Franken auf das Gebäude selbst. Bei der internationalen Ausschreibung war das Zürcher Architekturbüro AGPS Architecture ltd. als Sieger hervorgegangen. Dessen Honorar in Höhe von 1,1 Millionen Franken ist in die Gesamtkosten von fünf Millionen Franken einberechnet.

Der zweistöckige Bau wird sieben Klassenzimmer umfassen, ein Multifunktionszimmer, Horträume, eine Hortküche, sieben kleine Gruppenräume, einen Lehrerraum, pro Geschoss eine geschlechtergetrennte WC-Anlage sowie je ein behindertengerechtes WC, ausserdem Technikräume und Garderobenbereiche. Das erstellte Raumprogramm orientiert sich an den kantonalen Richtlinien für die Erstellung von Schulraum vom 1. Januar 2012. Darüber hinaus erfüllt der Bau die energetischen Standards, die die Stadt für Neubauten vorschreibt.

Der Pavillon soll 2017 stehen

Wenn das Volk ja sagt, soll der Pavillon bis zum Beginn des Schuljahres 2017/2018 bezugsfertig sein. «Erstellung und Bezug des neuen Pavillons per Beginn des Schuljahres 2017/2018 sind ambitioniert, aber realistisch», schrieb der Stadtrat in seinem Antrag vom Februar 2016. Das Architekturbüro erläutert auf der Internetseite seinen Entwurf: «Aufgrund der kurzen Erstellungszeit wird ein Maximum an Vorfabrikation angestrebt. Mit Ausnahme der Erdarbeiten, der Fundierung und den Bedachungsarbeiten erfolgt die Konstruktion in Holz-Elementbauweise. Die Fassadenverkleidung wird paneelweise in der Werkstatt vorfabriziert und zur einfachen Austauschbarkeit mit einem Clipsystem montiert.» Sprechen die Dietiker den Kredit, wäre im März Baubeginn, im Mai würde der Holzbau aufgestellt, im Juli könnte möbliert werden. Mit dem Bezug am 2. August 2017 gäbe es dann erst mal eine Sorge weniger in der Dietiker Schulraumplanung.