Limmattal
Grosskontrolle in Schlieren und Dietikon: Sogar der Linienbus wurde geblitzt

In der Nacht von Freitag auf Samstag führten die Stadtpolizeien von Schlieren und Dietikon eine gemeinsame Grosskontrolle durch – unter scharfer Beobachtung der Lokalpresse.

Michael Rüegg
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Oft werden sie auch durch Zufall fündig: Polizisten kontrollieren Autofahrer in Dietikon. Michael Rüegg

Oft werden sie auch durch Zufall fündig: Polizisten kontrollieren Autofahrer in Dietikon. Michael Rüegg

Es blitzt. «Audi, schwarz, 73!», funkt der Mann im Dunkeln seinen Kollegen zu. Einige Sekunden später schon winkt sein Kollege in der leuchtend orangen Jacke den Fahrer von der Strasse. 73 Kilometer pro Stunde fuhr er auf der Zürcherstrasse durch Dietikon. Abzüglich drei Stundenkilometer Sicherheitsmarge ergibt das zehn zu viel.

Es ist Freitagnacht und an orangefarbenen Jacken herrscht an der Tamoil-Tankstelle auf dem Weg von Glanzenberg ins Zentrum kein Mangel. Die Korps der Stadtpolizeien Dietikon und Schlieren haben sich für eine Grosskontrolle zusammengetan. Einige Male pro Jahr findet eine solche Kontrolle statt, das ist untereinander und mit der Kantonspolizei so vereinbart. 15 Uniformierte sind dafür im Einsatz. Blosse Präsenz markieren hingegen die beiden Sicherheitsvorsteher der Gemeinden, der Dietiker Stadtrat Heinz Illi und sein Schlieremer Kollege Pierre Dalcher sowie die Abteilungsleiter der beiden. Dalcher ist neu im Amt, er wurde erst im Februar gewählt. Nun will er wissen, wie seine Leute arbeiten.

Ein junger Ostschweizer sieht nicht gerade glücklich aus, wie er an der Tankstelle neben seinem Wagen steht. Zwei Polizisten durchsuchen sein Auto. Sie warten auf das Ergebnis eines Drogen-Speicheltests. Cannabis, Opiate, Kokain und Amphetamine zeigt dieser an – sofern es etwas anzuzeigen gibt. Und im Fall des Ostschweizers haben die Beamten zumindest Grund, ein positives Ergebnis zu erwarten: Im Auto fanden sie sechs Gramm Gras. Zudem gab der Fahrer an, nach der Arbeit zwei Bier getrunken zu haben, also muss auch ein Alkoholtest her.

«Wenn jemand von sich aus sagt, er habe getrunken, machen wir immer einen Test», erklärt der Dietiker Polizeichef Rolf Wohlgemuth. Selbstverständlich auch dann, wenn der Fahrer Alkoholkonsum abstreitet, die Beamten aber eine Fahne riechen. Ansonsten lebt eine Grosskontrolle auch von Zufallsfunden. Wie im Fall des dunklen BMW etwas später. Sein Fahrer war weder zu schnell unterwegs, noch fiel sein Wagen anderweitig auf. Er hatte bloss das Pech, im falschen Moment vorbei zu fahren. «Allgemeine Kontrolle» heisst das im Fachjargon lapidar. Die Beamten verlangen Führer- und Fahrzeugausweis, schauen sich den Fahrer und seinen Wagen etwas genauer an.

Das scheint sich in diesem Fall gelohnt zu haben. Denn im Innern des BMW entdecken die Polizisten zwei verdächtige Gegenstände, einer davon entspricht dem Schlagstock, den die Beamten selber auf sich tragen. «Abwehrstock, nicht Schlagstock», korrigiert Wohlgemuth später. Aber egal, wozu man das Gerät einsetzt, der Privatbesitz ist gemäss Waffengesetz verboten. Der Fahrer wird sich dafür mit den Strafverfolgungsbehörden herumschlagen müssen. Er wird an diesem Abend nicht der einzige Kontrollierte bleiben, gegen den die Staatsanwaltschaft tätig werden wird.

Im Fall des wartenden Ostschweizers ist das Resultat des Drogentests da: negativ. Will heissen, er stand am Steuer nicht unter Cannabis-Einfluss. Auch der Alkohol-Atemtest zeigte 0,0 Promille an, trotz der zwei Bierchen. Zweimal ins Röhrchen geblasen, beide Male 0,0. Wohl ein fleissiger Stoffwechsel. Der Mann hat Glück: 40 Franken Ordnungsbusse für eine leichte Geschwindigkeitsübertretung und 100 Franken fürs Marihuana-Säckli, das zudem aus seinem Besitz verschwindet und konfisziert bleibt. Ab zehn Gramm wäre der Ärger für ihn grösser ausgefallen.

Eine halbe Stunde vor Mitternacht packen die Beamten zusammen und dislozieren für eine Pause ins Stadthaus Schlieren. Eingeklemmte, Kafi, Konversation. Mit am Tisch sitzt neben den Dietikern und den Schlieremern auch ein Kollege der Kantonspolizei. Er verbleibt während der Kontrollen jeweils in seinem Fahrzeug und tippt Namen in den Computer.

Von dort hat er – wie die Stadtpolizeien auch – Zugriff aufs Schweizer Fahndungssystem Ripol und das polizeiliche Infosystem Polis. Zusätzlich kann der Kapo-Mann aber auch in der Schengen-Datenbank nachschlagen. Zuweilen geht es vor seinem Bus zu wie am Kiosk im Freibad: Die Kollegen stehen – Papiere der kontrollierten Automobilisten in der Hand – Schlange: «Einmal Ripol, Polis und Strassenverkehrsamt, bitte.»

Die zweite Hälfte des Abends verbringt der Tross in Schlieren, auf einem Parkplatz an der Engstringerstrasse. Die Einsatzleitung hat nun Schlierens Polizeichef Marco Weissenbrunner übernommen. Hier am Ortsrand gilt 50 innerorts. Die gerade Strecke lädt aber den einen oder andere geradezu ein, aufs Gas zu drücken. Es dauert nicht lange, schon tappt ein Kleinwagen mit 82 Stundenkilometer in die Falle. 29 Stundenkilometer zu viel sind kein Pappenstiel. Seinen Ausweis wird der Mann für eine Weile abgeben müssen. «Mindestens drei Monate», schätzt einer der Polizisten. Dabei hatte der Fehlbare durchaus Glück: zwei Stundenkilometer mehr, und er wäre den Führerausweis an Ort und Stelle los gewesen. Nun wird das Strassenverkehrsamt über die Dauer des administrativen Ausweisentzugs entscheiden, der Staatsanwalt über die zu verhängende Strafe.

Punkt zwei Uhr, die Chefs geben Befehl zum Abbruch. Innerhalb der vier Stunden (abzüglich Pause) haben sie 55 Fahrzeuge kontrolliert. Nur einen, der zu schnell fuhr, haben die Beamten nicht angehalten: Den Bus der Linie 311, drüben in Dietikon. «Nicht wenn Fahrgäste an Bord sind», sagt einer der Polizisten. Die Busse für die Geschwindigkeitsüberschreitung erhält der Chauffeur trotzdem, und zwar per Post. Gesetz ist schliesslich Gesetz.

Das Fazit der Chefs fällt positiv aus: Zwei Automobilisten waren deutlich zu schnell unterwegs, «aber keine Raser», wie Weissenbrunner sagt. Schlusswort, Dank an alle, allgemeines Händeschütteln. Die Arbeit ist getan, und die Amtspersonen verwandeln sich zurück in Mitbürger, die sich auf den Schlaf freuen.