Eine Unterschrift nach der anderen sammelte sich am Montagabend auf den Manifesten gegen die Limmattalbahn-Stopp-Initiative, über die das Volk des Kantons Zürich am 23. September abstimmt und die die Limmattalbahn-Etappe von Schlieren nach Killwangen-Spreitenbach verhindern will. Rund hundert Personen waren zum Schlieremer Flügeldach gekommen. Vor allem Politiker waren unter denen, die unterschrieben – vom Aescher Nationalrat und Limmattalbahn-Verwaltungsratspräsidenten Hans Egloff (SVP) über die Dietiker Kantonsrätin Rosmarie Joss (SP) bis zu zahlreichen Gemeinderäten aus allen betroffenen, aber auch aus vielen weiteren Gemeinden des linken und rechten Limmattals.

Auch die Wirtschaft war dabei, so etwa die Vereinigung Zentrum Dietikon mit Präsident Elio Frapolli und Geschäftsleiterin Sabine Billeter, der Industrie- und Handelsverein Dietikon mit Präsident und Kantonsrat Josef Wiederkehr (CVP) und Sekretär Edi Cincera und die Schlieremer Wirtschaftskammer mit ihrem Co-Präsidenten und Kantonsrat Andreas Geistlich (FDP). Doch genug der Namen.

Mit dem Manifest wollen die Befürworter der Limmattalbahn ein Signal senden. «Die Gegner arbeiten im ganzen Kanton mit dem Argument, dass das Limmattal die Limmattalbahn gar nicht will. Dabei steht die Politik geschlossen dahinter ebenso wie alle Parteien und Wirtschaftsverbände», sagt Jasmina Ritz, die die Kampagne des Komitees «Nein zur halben Limmattalbahn» leitet. «Es geht auch darum zu zeigen, dass die Limmattalbahn nicht nur eine kantonale Planung ist, sondern auch eine kommunale», so Ritz weiter. Denn verschiedene Gemeinden und Städte haben ihre Entwicklungskonzepte auf die Limmattalbahn ausgerichtet – insbesondere auch Schlieren mit seinem Stadtplatz, auf dem am Montag das Manifest unterschrieben wurde.

«Moralisch verwerflich»

Auch die Gegner der Limmattalbahn, die den Abschnitt von Schlieren nach Killwangen-Spreitenbach verhindern wollen, gingen am Montag an die Öffentlichkeit. Bernhard Schmidt (parteilos), Präsident des Komitees «Stoppt die Limmattalbahn ab Schlieren», verschickte am Montag eine Pressemitteilung, in der er Bezug nimmt auf den damaligen Bericht der Limmattaler Zeitung über die Generalversammlung der Standortförderung Limmattal (SFL), die am 13. März stattgefunden hatte. Damals wurde bekannt, dass die Standortförderung, die mitunter auch von Steuergeldern finanziert wird, die Kampagne für die Limmattalbahn und gegen die Stopp-Initiative unterstützt. Es müsse davon ausgegangen werden, so Schmidt, dass Steuergelder indirekt in den Abstimmungskampf fliessen würden. Aus Sicht der Stopp-Initianten sei das moralisch verwerflich.

Toni Brühlmann-Jecklin (SP), alt Stadtpräsident von Schlieren und Co-Präsident des Komitees gegen die Stopp-Initiative, nimmt Stellung: «Es gibt bei der Standortförderung private Mitglieder und es gibt die Gemeinden. Beide zahlen Beiträge an die Standortförderung. Wenn wir einen Beitrag für die Kampagne bewilligt haben, dann stammen diese Mittel aus der Kasse der Standortförderung.»

20 000 Franken für den Standort

Konkret seien 20 000 Franken geflossen. «Dieser Betrag ist im Budget speziell ausgewiesen und es wurde an der Generalversammlung speziell erwähnt. Der Beitrag ist nicht unter irgendeinem anderen Posten versteckt», so Brühlmann. Überhaupt sieht er kein Problem in der ganzen Sache. «Es gibt keine bessere Standortförderung als das Lösen von Verkehrsproblemen. Das ist Standortförderung pur», so Brühlmann. Zudem sei Standortförderung immer ein Gemisch von Politik und Wirtschaft. «Der Standort Limmattal wird schon lange mit öffentlichen Geldern gefördert. Denn eine funktionsfähige Wirtschaft ist notwendig für die gute Entwicklung einer Region.»

Weiter kritisiert Schmidt, dass Brühlmann und der Dietiker alt Stadtpräsident – und ebenfalls Komitee-Co-Präsident – Otto Müller (FDP) bereits während ihrer Amtszeit im Stadtrat in das Komitee eingetreten waren. Auch hier sieht Brühlmann kein Problem. «Es ist mein gutes Recht als stimmberechtigtes Mitglied dieser Gesellschaft, eine solche Funktion wahrzunehmen», sagt er. Und er fügt an: «Während meinen ganzen 16 Jahren im Stadtrat und bei der Zürcher Planungsgruppe Limmattal habe ich mich für die Limmattalbahn eingesetzt, auf die auch der regionale Richtplan ausgerichtet ist. Als ich die Gelegenheit hatte, der Bahn bei der entscheidenden Abstimmung meinen Dienst zu erweisen, nahm ich das gerne wahr.»

SVP Dietikon ist neu mit im Boot

Für die Mitglieder der SVP-Sektion Dietikon – so etwa Kantonsrat Rochus Burtscher und Stadtpräsident Roger Bachmann – ging es am Montag nach der Manifest-Unterzeichnung weiter zum nächsten Limmattalbahn-Termin. Die Dietiker SVP hatte nämlich auch noch ihre Parole zu fassen, nachdem die Kantonalpartei bereits letzte Woche beschloss, die Limmattalbahn zu befürworten und die Stopp-Initiative abzulehnen. Kurz vor Redaktionsschluss stand der Entscheid fest: Die Dietiker SVP beschloss die Nein-Parole zur Stopp-Initiative mit 19 zu 8 Stimmen bei einer Enthaltung.

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