Birmensdorf
«Grosser Gewinn»: Kantonspolizei baut Standort im Reppischtal aus

Die Zürcher Kantonspolizei erhält ein neues Ausbildungszentrum auf dem Waffenplatz Reppischtal in Birmensdorf. Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) und Polizeikommandant Thomas Würgler gaben am Montag den Startschuss für die Bauarbeiten.

David Egger
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Auch Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP, vierter von rechts) war beim Spatenstich dabei.

Auch Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP, vierter von rechts) war beim Spatenstich dabei.

David Egger

Wenn ein Polizist die Waffe zieht, darf kein Fehler passieren. Denn dann geht es um Leben und Tod. Darum ist die Ausbildung an der Waffe das A und O. Gleich dreifach hat der Kanton nun in diese Ausbildung investiert: Zuerst ging im November der sanierte Schiessplatz Tobel in Hagenbuch im Bezirk Winterthur in Betrieb. Dann folgte im Februar die Eröffnung der neuen Ausbildungsanlage Trockenloo in Regensdorf. Und gestern begannen die Bauarbeiten für ein neues Ausbildungsgebäude auf dem Waffenplatz Reppischtal in Birmensdorf.

Die erste Idee für das Projekt liegt über zehn Jahre zurück. Seit 2007 bildet die Kantonspolizisten ihre Einsatzkräfte auf der Kurzdistanz-Schiessanlage auf dem Waffenplatz aus. Schon damals bestand die Idee, die Schiessanlage durch ein Ausbildungsgebäude zu ergänzen. Und jetzt geht es vorwärts.

Letzten Sommer hatte der Regierungsrat 1,47 Millionen Franken für den Bau des Ausbildungsgebäudes bewilligt. Am Montag fand nun der Spatenstich für das Projekt statt. Im April soll der Grundstein gelegt werden. Die Aufrichtefeier ist im Juni geplant. Und im September soll das neue Gebäude eingeweiht werden.

In diesem wird zwar nicht geschossen. Aber die Kantonspolizisten werden hier Fähigkeiten üben, die für den gekonnten Umgang mit der Waffe – bei der Kantonspolizei ist es standardmässig die Heckler & Koch P 30 – eminent wichtig sind. So etwa die Selbstverteidigung, die Eigensicherung, das taktische Verhalten oder die richtige Sprache, mit der sich eine Eskalation vermeiden lässt. Nur wer diese Fähigkeiten beherrscht, reagiert in brenzligen Momenten automatisch richtig. Und kann auch eher auf die Waffe verzichten.

Mit dem neuen Ausbildungsgebäude gibt es nun die richtige Infrastruktur, um die genannten Fähigkeiten im Reppischtal zu üben. Dies erhöhe die Effizienz in der Ausbildung, sagt Thomas Würgler, der Kommandant der Kantonspolizei. «Dass wir dieses Projekt so verwirklichen können, ist ein grosser Gewinn», so Würgler.

Entworfen wurde das Gebäude vom Stadtzürcher Architekten Christian Gautschi. Für ihn ist das Projekt eine Premiere. Denn er baut zum ersten Mal für den Kanton. Es handelt sich um einen zweckmässigen, eingeschossigen Holzbau mit zwei grossen Räumen: einer für die Theorie und einer für die Selbstverteidigung. Hinzu kommen ein Büro für die Instruktoren, Nassräume sowie ein Technikraum.

Es sei ein «Glücksfall», dass man das Projekt im Reppischtal bauen könne, sagte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP). Nicht nur weil die Kantonspolizei dort willkommen sei. Sondern auch weil man mit dem Projekt «für relativ wenig Geld viel Mehrwert» erschaffe.

Auch Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP, vierter von rechts) war beim Spatenstich dabei.

Auch Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP, vierter von rechts) war beim Spatenstich dabei.

David Egger

Polizisten greifen nur selten zur Waffe

In den letzten zwei Jahren ist es bei der Zürcher Kantonspolizei zu keinem Schusswaffeneinsatz gekommen. In anderen Ländern wäre das undenkbar. Dass die Kantonspolizei selten zur Pistole greife, liege an der Ausbildung der Polizisten, sagt Thomas Würgler, Kommandant der Kantonspolizei. Nicht nur im Kanton Zürich greift die Kantonspolizei selten zur Waffe: Auch im Aargau, in Luzern oder im Thurgau soll es in den letzten zwei Jahren keinen Schusswaffeneinsatz gegeben haben. Offizielle Zahlen gäbe es keine, jedoch erinnern sich die Kantonspolizei-Sprecher an keine Fälle, in denen Schusswaffen zum Einsatz kamen. In der ganzen Schweiz gab es vor drei Jahren noch 15 Schusswaffeneinsätze. 2017 griffen die kantonalen und kommunalen Polizeikorps total 7 Mal zur Waffe. Auch wenn die letzten Jahre mit einem oder gar keinem Einsatz verlaufen sind, gab es 2019 bereits Schusswaffeneinsätze. Die Stadtpolizei Bülach griff letzten Sonntag zur Waffe. Und die Stadtpolizei Zürich am 18. Februar im Aargauer Bözbergtunnel. Es handelte sich um einen gezielten Schuss auf einen Pneu eines Fluchtfahrzeugs, das eine Polizeisperre durchbrochen hatte. Verletzt wurde niemand. Bei der Kontrolle wurden eine grosse Menge Drogen sichergestellt und zwei Personen festgenommen. Hierbei handle es sich um einen Einzelfall, wie ein Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich sagt: «Glücklicherweise ist das der einzige Schusswaffeneinsatz, den wir in den letzten zwei Jahren hatten.» (dgo)