Unterengstringen
Grosse Züglete der Verwaltung: «Ein langer Leidensweg geht zu Ende»

Fast 20 Jahre, nachdem der damalige Gemeindeschreiber klar machte, dass der Platz im alten Gemeindehaus nicht mehr ausreicht, zieht die Unterengstringer Gemeindeverwaltung nun ins neue Gemeindehaus. Zuvor haben uns Gemeindeschreiber Jürg Engeli und Bauvorstand Simon Wirth einen Rundgang durch den Altbau und den Neubau gewährt.

David Egger
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So sieht der Haupteingang des neuen Gemeindehauses aus, das Architektin Tilla Theus entworfen hat. Davor der Parkplatz.
25 Bilder
So präsentierte sich hingegen der Eingang des alten Gemeindehauses. Die Glyzinien am Balkon oben links sind das einzige am alten Gemeindehaus, das die Verwaltungsmitarbeiter vermissen werden.
Wer im alten Gemeindehaus zum Steueramt musste, konnte jeweils in diesem "Warteraum" Platz nehmen, mitten im Treppenhaus. Es ist eines der vielen Anzeichen der Platzknappheit.
Ganz anders dagegen der Eingangsbereich im neuen Gemeindehaus. Hier sind zum Beispiel Ausstellungen denkbar.
Das Gemeinderatszimmer im Dachstock des alten Schulhauses: Im Sommer wurde es hier oben ziemlich heiss.
Im neuen Gemeinderatszimmer sorgt hingegen wie im ganzen Neubau eine Komfortlüftung für gute Luft. Zudem steht jetzt ein grosser Monitor zur Verfügung. Hier haben Gemeindeschreiber Jürg Engeli und Bauvorstand Simon Wirth (FDP) am Sitzungstisch Platz genommen.
Das Sitzungszimmer des Gemeinderats bietet auch Überraschungen: Die Wand neben dem Monitor lässt sich zur Seite schieben. Dahinter kommt ein Kühlschrank zum Vorschein.
So präsentiert sich der Blick aus dem Fenster des Sitzungszimmers des Gemeinderats. Das Fenster ist viereckig. Die meisten anderen sind eiförmig...
...und sind von der äusseren Wappenfassade umhült. Pflugschar und Rebmesser stammen vom Gemeindewappen.
So sah bisher der Arbeitsplatz der Einwohnerkontrolle aus (im Bild die Mitarbeiterinnen Beatrice Dörig und Laura Nosdeo).
Dieses Büro der Einwohnerkontrolle ist hingegen im neuen Gemeindehaus zu finden.
So sah es beim bisherigen Schalter der Einwohnerkontrolle aus (im Bild die lernende Kauffrau Deborah Stucki). Das Münz muss künftig wohl nicht mehr direkt am Schalter sortiert werden. Denn im neuen Gemeindehaus hat es mehr Platz.
Im neuen Gemeindehaus sehen die Schalter so aus: hier zum Beispiel jener des Steueramts.
Der Aufenthaltsraum im neuen Gemeindehaus: Hier essen Mitarbeiter künftig so manchen Znüni oder Zmittag. In der Kochnische steht das Abwaschmittel schon bereit.
Das neue Gemeindehaus erfüllt zudem alle neuen Sicherheitsvorgaben. Hier zu sehen ist zum Beispiel der Überwachungsbildschirm beim Hintereingang, der der Dorfstrasse zugewandt ist.
Hans Roth, der Leiter der Finanzverwaltung, ist der dienstälteste Verwaltungsmitarbeiter. Er arbeitet schon seit 31 Jahren im alten Gemeindehaus.
Aber auch Gemeindeschreiber Jürg Engeli ist schon lange dabei: genauer seit 18 Jahren. Wenn er Gäste im Büro hatte, versuchte er jeweils die Aktenbeigen so zur Seite zu schieben, dass es eine Gattung macht. Doch der Platz war knapp.
Hier, in Engelis neuem Büro, werden hingegen all seine wichtigen Akten Unterschlupf finden.
Später kommen die Akten dann hierhin: ins Archiv im Keller des neuen Gemeindehauses.
Ebenfalls im Untergrund ist die Tiefgarage zu finden, wo auch ein Parkplatz für Menschen mit Behinderung zur Verfügung steht.
Das Symbol der bisherigen Platzknappheit: In diesem Container hinter dem alten Gemeindehaus war die Abteilung Zusatzleistungen zuhause. Das Personal nannte den Container liebevoll das "Chalet".
Nun dürfen auch die Mitarbeiter der Abteilung Zusatzleitungen im Gemeindehaus arbeiten. Für den Gang zur Toilette müssen sie nun nicht mehr durch Regen und Schnee gehen.
Gemeindehaus Unterengstringen
Gemeindeschreiber Jürg Engeli und Bauvorstand Simon Wirth (FDP) gewährten der Limmattaler Zeitung den Rundgang durchs alte und neue Gemeindehaus. Und nun zum Schluss noch eine wichtige Information...
Wer die Gemeindeverwaltung besucht, wird nicht abgezockt: Die ersten 30 Minuten Parkieren auf den Parkplätzen vor dem Haupteingang sind gratis.

So sieht der Haupteingang des neuen Gemeindehauses aus, das Architektin Tilla Theus entworfen hat. Davor der Parkplatz.

SEVERIN BIGLER

Man muss den Bauch einziehen, wenn man zu viert das alte Unterengstringer Gemeindehaus begeht. Überall ist es eng. Im Treppenhaus bedecken Teppiche die zerschlissenen Bodenfliesen. Bald schreiten hier keine Mitarbeiter mehr durch: Seit Donnerstag zügeln sie ins fertige neue Gemeindehaus. Ab Dienstag, 25. April, empfangen sie die Einwohner im Neubau, an den sich stolz die Wappenfassade mit den Rebmessern und Pflugscharen schmiegt (klicken Sie sich auch durch die Bildergalerie oben).

Zuerst heisst Zügeln Abschied nehmen. Hier ist der Abschied aber nicht mit Wehmut verbunden. «Ein langer Leidensweg geht zu Ende», sagt Gemeindeschreiber Jürg Engeli in seinem alten Büro, in dem er die letzten 18 Jahre verbrachte. Die Akten stapelten sich überall, wo es gerade Platz hatte.

Von keiner zu sehr viel Diskretion

Kam Besuch, versuchte Engeli die Papierbeigen irgendwie so zur Seite zu schieben, dass es eine Gattung machte. Da ein richtiges Sitzungszimmer fehlte, fanden in seinem Büro auch wichtige Sitzungen statt, bei denen niemand mithören sollte. Aber mit der Diskretion war es so eine Sache: Die Wände sind ringhörig. Und im Eingangs- und Wartebereich der Einwohnerkontrolle und der Sozialen Dienste konnte man sich nie sicher sein, wer alles die Details seiner Lebensumstände mitbekam.

Im neuen Gemeindehaus gibt es hingegen auch uneinsehbare Diskretionsschalter. Zudem bietet es mehrere Sitzungszimmer. Das schönste befindet sich im zweiten Obergeschoss. Entlang eines schwarzen Tischs auf komfortablen Lederstühlen überlegen sich die Gemeinderäte künftig, was das Beste für das Dorf ist.

Das Sitzungszimmer des Gemeinderats bietet eine Überraschung

Links vom riesigen Monitor lässt sich eine Wand zur Seite schieben, sodass eine Garderobe zum Vorschein kommt. Bauvorstand Simon Wirth (FDP) schaut geheimnisvoll und schiebt die Wand weiter. Es erscheint ein Kühlschrank.

Neben Wärmepumpenheizung, Komfortlüftung und Behindertengerechtigkeit können die 16 Verwaltungsmitarbeiter sowie die Lernenden künftig auch auf ein den heutigen Vorschriften entsprechendes Sicherheitsdispositiv zählen – etwa mit Überwachungskameras bei den Eingängen. Auch die Schlösser sind sehr verlässlich – wenn Simon Wirth beim Rundgang im neuen Gebäude die Türen öffnet, muss er hie und da etwas länger mit dem Schlüssel hantieren, bis es klappt.

Im alten Gemeindehaus hat es jeweils die Sicherung rausgehauen

Vor allem sind die Zeiten des Platzmangels vorbei, wegen dem der Gemeinderat sein Sitzungszimmer schon im Frühling 2004 vom Gemeindehaus ins alte Schulhaus verlegen musste. Und die Abteilung Zusatzleistungen hauste zuletzt im Container, den das Personal liebevoll «Chalet» nannte. Seit der ersten Gemeindehaus-Abstimmung 2003 ist das Dorf um über 1000 Einwohner gewachsen. Mit der Bevölkerung wächst auch die Verwaltung.

Auch die Zeiten der Improvisation sind nun vorbei: Im Altbau war es im Winter zeitweilig bitterkalt. «Maximal zwei Elektro-Öfeli konnten wir gleichzeitig laufen lassen. Sonst hat es jeweils die Sicherung rausgehauen», erzählt Engeli.

Danach gefragt, ob er etwas vom alten Gemeindehaus vermissen werde, kommt aus Engelis Mund ein zackiges «Nichts» zurück. Vor dem Eingang des Altbau blickt er zu den blühenden Glyzinien, die sich am Metallgeländer der Balkone entlangschlängeln. «Die sind wirklich schön. Es kann sein, dass ich sie ein wenig vermissen werde. Aber ansonsten war das alte Gemeindehaus wirklich eine schlechte Visitenkarte.»

Tag der offenen Tür findet am 1. Juli statt

Am 1. Juli ist Tag er offenen Tür im Neubau. Was mit dem Altbau passiert, ist zurzeit noch offen. Sozialwohnungen sind eine der Ideen, die zur Debatte stehen.