Priorin Irene Gassmann eilt vom Kloster ins ehemalige Schulgebäude, um eine Gruppe von Zügelmänner zu informieren, wohin sie ein in Plastik gehülltes Klavier tragen müssen. Dann zeigt sie einem Interessierten ein altes Notenbuch des Klosters, der einen Moment lang in diesem alten Werk blättert. Auch Sr. Beatrice, die «Gartenschwester», packt überall hilfreich mit an und gibt Anweisungen, in welche Räume die vielen gepackten Schachteln getragen werden müssen. Sr. Fidelis, ehemalige Priorin, und Sr. Franziska versuchen im oberen Stock die Nähmaschinen für den Umzug zu rüsten, während Sr. Ruth mit Bürostühlen den langen Klostergang entlang eilt. Auch die andern Schwestern tragen das grosse Umzugsprojekt mit. 

Klosterfrauen ins Schulgebäude

Kein Zweifel: Es ist kein Pappenstiel, wenn eine ganze Klostergemeinschaft mit vorwiegend betagten Nonnen wegen der bereits in Angriff genommenen Sanierung ihres Klosters umziehen muss. Im denkmalgeschützten Kloster müssen sämtliche Elektroanlagen erneuert, viele Böden und Decken sanft renoviert und auch alle Fenster mit einem guten Wärmeschutz versehen werden. Zwar wurden der Propstei- und der Pfortenflügel bereits zwischen Februar 2013 und August 2014 saniert. Auch der Klosterladen erstrahlt bereits in neuem Glanz.

Damit die weiteren Renovationsarbeiten aber in Angriff genommen werden können, müssen die 23 Fahrer Schwestern nun umziehen. Priorin Irene Gassmann sagt dazu: «Das ist für unsere Gemeinschaft ein grosses Unterfangen: Wir müssen sämtliche Zellen samt Möbeln, Nähstube, Küche, Bibliothek, Lesezimmer, Gesangszimmer, Noviziat, Refektorium allein schon wegen des Baustaubs total leeren und dann ins Schulgebäude umziehen.» Dort im Gebäude der ehemaligen Bäuerinnenschule werden sie ihr Exil verbringen.

Die Klostergemeinschaft durfte aber auf den Einsatz vieler Helferinnen und Helfer des Vereins Pro Kloster Fahr zählen, die bereits am Flohmarkt und auch jetzt beim Räumen und «Zügeln» tatkräftige Unterstützung anboten. Die Priorin ist dafür sehr dankbar: «Alleine könnten wir diesen Hoselupf nicht schaffen.» Zudem habe es sich «wunderbar gefügt», dass dem Kloster nun das leere Schulgebäude samt Internat zur Verfügung stehe. Priorin Irene präzisiert: «Es gibt 24 Zimmer und wir sind 23 Schwestern, so können wir im Dormitorium am neuen Ort noch ein Oratorium einrichten.»

Wie einst der Ordensgründer

Die Fahrer Nonnen erinnerten sich vor ihrem Umzug auch an ihren Ordensgründer, den Heiligen Benedikt. Die ersten drei Jahre lebte der Mönch in einer Höhle in Subiaco. Auch später zog er sich in einer Krise an diesen Ort etwa siebzig Kilometer nordöstlich von Rom zurück. Der Name Subiaco bedeutet: unten am Wasser. Auch das zwischenzeitliche Zuhause der Fahrer Schwestern steht unten am (Limmat-) Wasser. Priorin Irene: «Darum haben wir das Schulgebäude in Subiaco umgetauft.»

Wichtig ist für sie weiter, dass die Nonnen auch in der Zeit des Exils ein klösterliches Leben führen können. Darum wurde beispielsweise eine Klostermauer als Sichtschutz rund um das Gebäude gebaut.

Obwohl Priorin Irene die Anstrengung der Zügelei ins Gesicht geschrieben steht, freut sie sich über die bereits erfolgten Sanierungsarbeiten. Sie sagt: «Die Renovierung kostet Kräfte, aber es freut mich auch ungemein, dass die Malereien aus früheren Zeiten teilweise wieder sichtbar gemacht werden konnten.» Wenn sie die fertig erstellten Räume sieht, werde ihr bewusst, dass sich der Aufwand für das kulturelle Erbe im Fahr lohne.

An Weihnachten 2016 zurück

Für die gesamte Renovation der Klosteranlage und der rund zwanzig Nebengebäude wurde ein Betrag von zwanzig Millionen Franken veranschlagt. Bereits sind elf Millionen Franken vorhanden.

Für die Renovationsarbeiten im Kloster Fahr rechnen die Fachleute pro Flügel mit neun bis zwölf Monaten Bauzeit. Das bedeutet, dass der Konvent zirka zwei Jahre im provisorischen Kloster leben wird. Priorin Irene: «Wenn wir an Weihnachten 2016 wieder im sanierten Kloster sind, dann freue ich mich.»