Weiningen
Grosse Gefühle am Kantonalen Nachwuchsschwingfest

Am Nachwuchsschwingfest in Weiningen kochten die Emotionen der jungen Teilnehmer hoch. Das hatte zum Teil auch mit der Hitze zu tun.

Michel Sutter
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Kantonales Nachwuchsschwingfest in Weiningen
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Der Brunnen diente auch der Abkühlung.
Der Glaceverkäufer hatte alle Hände voll zu tun.
Als der Regen einsetzte, füllte sich das Festzelt in Rekordzeit.
Zu den Gaben gehörten Kuhglocken.

Kantonales Nachwuchsschwingfest in Weiningen

michel sutter (msu)

«Es läuft einfach alles gegen mich!», schreit ein etwa zwölfjähriger Junge, der seinen Kampf soeben verloren hat, mit tränenerstickter Stimme. «Ich kann jetzt nicht reden!», herrscht ein anderer seine Mutter an, die ihm vor dem Kampf noch Tipps gibt. Und wenig später geraten beinahe zwei Jungschwinger aneinander: Der eine regt sich lautstark auf, weil sein Kontrahent immer wieder vom Sägemehl auf den rettenden Rasen flüchtet. Dieser wiederum zeigt seinem Widersacher wiederholt den Vogel.

Es geht hitzig zu und her an diesem heissen Samstag beim Schulhaus Schlüechti in Weiningen, wo das 75. Zürcher Kantonale Nachwuchsschwingfest ausgetragen wird. Es ist der zweite grosse Schwingeranlass auf diesem Gelände nach dem Jahr 2000, als der Zürcher Kantonale Schwingertag durchgeführt wurde. Rund 350 Jungschwinger haben sich angemeldet, die meisten von ihnen sind sehr ehrgeizig und offenbaren ihre Gefühlswelt – je nachdem mit Jubel oder mit Tränen der Enttäuschung.

«Die Schwinger zeigen Emotionen, das gehört auch zur Lernphase der Nachwuchsschwinger», sagt Adrian Gübeli, Technischer Leiter der Jungschwinger beim Schwingklub Glatt- und Limmattal, der das Nachwuchsschwingfest organisiert. Die emotionalen Ausbrüche haben für ihn vor allem mit der Hitze zu tun: «Es ist heute wirklich extrem warm.»

Resultate

Jahrgang 2007 bis 2009

1. Lars Büsser, Wattwil
(58.50 Punkte)

Bester vom Schwingklub Glatt- und Limmattal:
11. Jeremy van Altena, Geroldswil (55.50)

Jahrgang 2005 bis 2006

1. Florian Eisenring,
Aargau (58.75)

Bester vom Schwingklub Glatt- und Limmattal:
24. Manuel Guthauser,
Dietikon (52.25)

Jahrgang 2003 bis 2004

1. David Lieberherr,
Wattwil (57.75)

Bester vom Schwingklub Glatt- und Limmattal:
17. Oliver Bachmann,
Dietikon (54.25)

Jahrgang 2001 bis 2002

1. Philip Joho, Freiamt (58.75)

Bester vom Schwingklub Glatt- und Limmattal:
13. Stefan Zemp, Hüttikon (55.00)

Jahrgang 1999 bis 2000

1. Abraham Lötscher,
Prättigau (58.25)

Bester vom Schwingklub Glatt- und Limmattal:
13. Noel Boll,
Bergdietikon (53.50)

Heimvor- oder Heimnachteil?

Das findet auch Jeremy van Altena. «Man kann sich kaum konzentrieren», klagt der Geroldswiler. Trotzdem hat der Achtjährige zu diesem Zeitpunkt schon zwei Siege geholt. Ist es ein Vorteil für ihn, dass das Nachwuchsschwingfest im heimischen Limmattal stattfindet? «Eigentlich nicht», sagt er. Tatsächlich, bestätigt Gübeli, empfinden einige der neun Schwinger, die für den Schwingklub Glatt- und Limmattal in die Hosen steigen, den vermeintlichen Heimvorteil als Belastung: «Sie wollen natürlich möglichst oft gewinnen, weil ja auch mehr Bekannte als sonst dabei sind.» Daher hätten sich einige zu stark unter Druck gesetzt. «Ihnen ist es am Morgen gut gelaufen, dafür dann am Nachmittag nicht mehr so.»

Bei Cyrill Guthauser ist es genau umgekehrt: Mit zunehmender Wettkampfdauer kommt der Dietiker immer besser in Form. Nach zwei Gestellten und drei Niederlagen macht er in seinem sechsten Kampf gegen Nico Zumsteg kurzen Prozess und gewinnt klar. Am Schluss klassiert er sich auf dem 20. Rang. Druck habe er während des ganzen Tages keinen verspürt, sagt er, aber etwas nervöser als sonst sei er schon gewesen. «Man will ja hier nicht zu schlecht abschneiden», erklärt Guthauser.

Bei seinem Sieg im letzten Kampf profitiert der 13-Jährige, der seit drei Jahren schwingt, auch von den etwas besseren Bedingungen, da die aufgezogenen Wolken am Himmel die Sonne verdecken und es nicht mehr ganz so heiss ist. «Zuvor war es schon sehr anstrengend», gibt Guthauser zu. «Doch so ist es angenehm, zu schwingen.»

Unangenehm wird es kurze Zeit später, als ein plötzlicher Wolkenbruch für eine kalte Dusche sorgt. Die Besucherinnen und Besucher, die es sich am Rande der sieben Schwingplätze gemütlich gemacht haben, flüchten ins Festzelt. Währenddessen gehen die Kämpfe im Sägemehl weiter. Nur bei anhaltendem Starkregen käme es zu einem Unterbruch, erklärt Medienchef Bruno Auf der Maur.

Es gab keine Verletzten

Doch der Regen endet zum Glück so abrupt, wie er begonnen hat, und die Schlussgänge werden ausgetragen – ohne Limmattaler Beteiligung. Gelegenheit für Auf der Maur, Bilanz zu ziehen. «Wäre es etwas weniger heiss gewesen, hätten wir wahrscheinlich noch mehr Besucher gehabt», meint er. Aber er zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Schwingfestes: «Es gab keine Verletzten, und alles ist reibungslos verlaufen.»

Das sportliche Fazit aus Limmattaler Sicht fällt etwas weniger positiv aus. «Ich denke, es wäre mehr dringelegen», sagt Gübeli. «Die einen haben das gezeigt, was man von ihnen erwarten konnte, die anderen nicht.» Besonders überzeugt habe ihn Dario Cirone, der einen Sieg und drei Gestellte herausholte. «Und das an seinem ersten Schwingfest», betont Gübeli.

Erfolgreichster Schwinger aus dem Limmattal war aber nicht Cirone, sondern Jeremy van Altena, der in derselben Altersklasse wie Cirone kämpfte. Van Altena schaffte es am Schluss auf drei Siege und drei Gestellte und auf Platz 11. Damit holte er sich als einziger Limmattaler eine Auszeichnung.