Ein paar letzte russschwarze Blechstücke liegen noch da, das Dach einer kleineren Werkstatt ist verlöchert. Daneben steht noch ein einzelnes ausgebranntes Auto. Ansonsten deutete am Dienstag auf dem Schlieremer Autohandelsareal an der Badenerstrasse nicht mehr viel darauf hin, dass am Donnerstag Hunderte von Autos und eine grosse Lagerhalle in einem Flammeninferno aufgingen. Auf dem vorderen Teil des Platzes herrschte bereits wieder etwas Betrieb, rund um den Kebabstand standen mehrere Männer, schwatzend und essend.

Doch auch nachdem die verkohlten Autogerippe weggeräumt worden sind, wird der Grossbrand noch lange präsent bleiben. Nicht zuletzt bringt er die Planung für die Entwicklung des Areals durcheinander.

Geplant sind Mietwohnungen

Seit August 2012 ist der Gestaltungsplan rechtsgültig, der die baulichen Vorgaben für den Stadtteil Schlieren West definiert, auf dem auch das vom Brand betroffene Areal liegt. Ganze 186 000 Quadratmeter gross ist der Spickel zwischen Bahngeleisen und Badenerstrasse, der von der Bernstrasse bis zum Bahnhof reicht. Rund 3000 Einwohner sollen auf dem ehemaligen Industrieareal dereinst leben, etwa drei Viertel des Gebiets sind bereits gemäss Gestaltungsplan entwickelt worden.

Das Areal an der Badenerstrasse 90 gehört noch nicht dazu. Im Juli dieses Jahres wurde es von der Immobilien-Anlagestiftung Turidomus gekauft, mit der Absicht, es mit Mietwohnungen zu bebauen. Man habe immer damit gerechnet, dass es zwei bis drei Jahre dauern werde, bis man eine Baubewilligung dafür habe, sagt Michel Schneider, Portfoliomanager bei Turidomus. «Jetzt planen wir natürlich unter anderen Vorzeichen als ursprünglich vorgesehen.»

Unmittelbar stehen jetzt aber andere Themen im Fokus. Die Entsorgung des verbrannten Materials hat stattgefunden, auch das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) war schon vor Ort. «Nun stehen die Gespräche mit der Gebäudeversicherung an», sagt Schneider.

Es gibt wohl keine Halle mehr

Mittelfristig muss beschlossen werden, was mit dem Areal geschieht, bis es entwickelt wird. Für Schneider ist klar: «Wir wollen keine Brache.» Die Idee sei gewesen, den Betrieb weiterlaufen zu lassen, bis die Bagger auffahren. Eine Halle wird es jedoch «mit grösster Wahrscheinlichkeit» nicht mehr geben, sagt Schneider.

Um die Details zu klären, sei man im Gespräch mit dem Mieter Kurt Brunner, dessen Firma Araco AG das ganze Areal mietet und den grössten Teil davon untervermietet - an rund 30 Händler und Garagisten. Auch Brunner will keine Brache. Dies hat er bereits am Tag nach dem Brand gegenüber der Limmattaler Zeitung signalisiert: «Ich will den Betrieb auf jeden Fall weiterführen.»

Wie der Brand die längerfristigen Pläne für das Areal beeinflussen wird, ist noch nicht klar. Laut Schneider muss der Zeitplan wahrscheinlich angepasst werden. Klar ist auch: «Die Planung wird nicht sistiert.»

Auch der Schlieremer Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin sagt: «Der Brand wirbelt den Zeitplan natürlich etwas durcheinander.» Man müsse sich nun Gedanken machen, wie die Planung dadurch beeinflusst werde. Er gehe davon aus, dass man dazu mit dem Grundeigentümer zusammensitzen werde.

Zuerst ist das Schulhaus dran

Auch René Schaffner, Bausekretär der Stadt Schlieren, kann sich vorstellen, dass das Areal nun etwas schneller entwickelt wird als ursprünglich vorgesehen. Für die Stadt stehen im Gebiet Schlieren West aber zuerst noch andere Baufelder im Fokus: Bald fertig ist die Überbauung Ecofaubourg, drei Baufelder weiter stadteinwärts. Auf dem nächsten Baufeld Richtung Dietikon ist das Schulhaus geplant, über das die Schlieremer Bevölkerung im November abstimmen wird.

Das Areal zwischen Schulhaus und Autohandelsareal wird wohl etwa gleichzeitig mit dem Schulhaus entwickelt. Realistisch sei eine Fertigstellung des Stadtteils Schlieren West zwischen 2018 und 2020, sagt Schaffner.