2,5-Millionen-Orgel

«Grösster Auftrag unserer Geschichte»: Dietiker Firma Metzler baut Orgel in Basel

Die neue Orgel im Stadtcasino Basel wird gleich aussehen wie die alte. Gebaut wird sie von der Dietiker Firma Metzler.

Die neue Orgel im Stadtcasino Basel wird gleich aussehen wie die alte. Gebaut wird sie von der Dietiker Firma Metzler.

Die Firma Metzler existiert seit 1890 und wird bereits von der vierten Generation geführt. Nun fertigt die Orgelbaufirma für 2,5 Millionen Franken die Orgel des Stadtcasinos in Basel an.

Andreas Metzler hat im Orgelbau schon fast alles gesehen. Er und sein Bruder Matthias führen eine der renommiertesten Orgelbaufirmen der Welt: die Firma Metzler in Dietikon an der
Zürcherstrasse. Die Metzlers haben letzte Woche einen weiteren Meilenstein erreicht. Sie dürfen die neue Orgel des denkmalgeschützten Musiksaals des Stadtcasinos Basel bauen. Für einen Betrag von 2,5 Millionen Franken. Andreas Metzler sagt: «Das ist finanziell gesehen der grösste Auftrag, den wir je hatten.»

Zur Ehre kommen die Metzlers, weil das Basler Stadtcasino zurzeit saniert und erweitert wird. Das Stadtcasino ist ein historisch bedeutsames Konzerthaus. Wegen des Denkmalschutzes muss die neue Orgel in das Gehäuse der alten passen. Deshalb wird sie rein vom Volumen her nicht sonderlich gross. Dafür hat sie es in sich: «Die Orgel wird sehr komplex und mit viel Elektronik versehen sein. Das macht sie so teuer», sagt Metzler.

«Unglaublich viele Klänge»

Ausserdem wird sie nach einem Instrument in Biel, das ebenfalls Metzler gebaut hat, die erste Orgel auf der Welt sein, die den Klang eines Pfeifentons verändern kann. Dies dank eines sogenannten winddynamischen Orgelwerkes. Metzler sagt: «Das ermöglicht unglaublich viele Klänge. Von einem schwachen Gesäusel bis zu einem unfassbaren Gekreische ist alles möglich.» Für diese Idee wurden die Metzlers von Orgelbaukollegen immer wieder belächelt. Jetzt zahlt sie sich aus. Thilo Muster, Vorsitzender der Fachkommission, die die Orgel ausgewählt hat, sagt: «Die Firma Metzler reichte die mit Abstand beste Offerte ein. Das winddynamische Orgelwerk ist natürlich ein Teil davon.»

Wie die meisten der heutigen Konzertsaal-Orgeln wird auch die Orgel im Basler Stadtcasino computergesteuert sein. Doch es sei wichtig, die Balance zu finden, sagt Metzler. «Komplizierte Elektronik ist anfällig für Fehler.» Der Kompromiss zwischen fortgeschrittener Technik und Zuverlässigkeit ist wichtig. Metzler: «Gerade an einem solchen Ort darf man natürlich keine Experimente machen.»

2020 sollen die ersten Pfeifenklänge der Dietiker Orgel in Basel ertönen. Metzler: «Ein sehr ehrgeiziger, aber schon machbarer Fahrplan.» Zuerst wird in diesem Jahr der Detailplan ausgearbeitet. Im Jahr 2019 ist die Firma Metzler dann mit dem Bau der Orgel für Basel beschäftigt. Und zwar nur mit diesem. «Ein solcher Auftrag nimmt einen ein. Man hat keine Zeit mehr für andere Orgeln», sagt Metzler. «2019 wird sehr intensiv.»

Die 15 Mitarbeiter am Standort in Dietikon und 4 Mitarbeiter einer Tochterfirma in Ungarn werden an der Orgel wohl insgesamt etwa 20'000 Stunden arbeiten. Die Metzlers und ihre Angestellten machen alles bis auf die Elektronik selbst. Beschäftigt werden in Dietikon unter anderem Schreiner, Pfeifenmacher und Orgelbauer. Sie werden die Orgel Ende 2019 in Dietikon zusammenbauen, dann wieder auseinandernehmen und nach Basel transportieren. «Das mutet für Laien immer etwas speziell an», sagt Metzler. «Aber wir müssen das machen.» Denn jede Orgel ist ein Unikat. Erst beim Montieren merkt man, ob die Orgelteile wirklich passen.

Neuland für Metzler

Die Metzler-Brüder führen die Firma in der vierten Generation. Gegründet wurde sie 1890. Seit 1934 ist das Unternehmen in Dietikon ansässig. Trotzdem ist die neue Orgel in Basel ein Abstecher in ein neues Feld. Bisher baute Metzler ausschliesslich Orgeln in Kirchen. Jetzt kommt das Unternehmen erstmals in einem Konzertsaal zum Zug. Fachkommissions-Vorsitzender Thilo Muster sagt: «Irgendwann muss jeder das erste Mal eine Konzertsaal-Orgel bauen. Und die Firma Metzler hat so viel Erfahrung, dass wir gar keine Sorgen haben.»

Nicht nur der Installationsort wird für die Dietiker Orgelbauer neu sein, sondern in gewisser Weise auch das Material: Laut Thilo Muster sollen die Metallpfeifen der Orgel aus gesichert konfliktfreiem Zinn gefertigt werden. Das ist Zinn, aus dessen Verkauf keine Bürgerkriege finanziert werden.

Von den 2,5 Millionen Franken gehen laut Muster rund 2,2 Millionen an die Firma Metzler. Finanziert wird die Orgel durch private Spender. Aktuell steht das Spendenbarometer auf 2,14 Millionen.

Wer an der Dietiker Orgel für Basel mitarbeiten will, kann sich bewerben. Die Firma Metzler sucht einen Orgelbauer. «Wir haben es wie alle Handwerker nicht einfach, Nachwuchs zu finden. Der akademische Weg steht heute einfach im Vordergrund», sagt Metzler. Ein guter Orgelbauer müsse «intellektuell dabei sein», wie Metzler es beschreibt, und gleichzeitig handwerklich begabt. «Diese Mischung zu finden, ist schwierig.» Ausserdem hätten Orgelbauer oft einen Hang dazu, plötzlich den Job zu wechseln, weil sie Individualisten seien. Metzler fasst es so zusammen: «Orgelbauer sind manchmal ein bisschen komische Vögel.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1