«Nice car», sagt die Tschechin Miroslava Newman zum selbstumgebauten Wagen ihres Landsmannes Jaromir Vegr. Sein Elektroauto kann in zwei Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen – und dies ganz ohne Motorenlärm. Newman selbst fährt mit Ehemann Jerry ein Elektroauto des Modells S von Tesla, das über eine Reichweite von 300 Kilometern verfügt. Dies entspricht in etwa der Durchschnittsreichweite aktueller Elektroautos. Die Newmans und Vegrs sind Teil der 34 von insgesamt 86 Rennteams, die an der grössten Elektromobil-Rallye der Welt, der Wave (World Advanced Vehicle Expedition), teilnehmen. Diese hat am Samstag beim Schlieremer Werkhof einen Zwischenstopp gemacht.

Die Rallye findet bereits zum achten Mal statt. Sie hatte bereits 2012 in Schlieren einen Zwischenhalt eingelegt. Dieses Jahr begann die Fahrt am Freitag in Winterthur. Das Ziel ist, in acht Tagen die Umweltarena in Spreitenbach zu erreichen. Zuvor werden die Fahrer eine Tour durch die Schweiz machen, die Alpen überqueren und insgesamt eine Höhendifferenz von 8000 Metern überwinden. «Mit der Wave wollen wir zeigen, dass die Elektromobilität alltagstauglich ist und für eine lebenswerte Zukunft kein Weg daran vorbeiführt», sagt Initiator und Organisator Louis Palmer, der vor zehn Jahren als erster Mensch die Welt mit einem Solarauto umrundete.

Die Wave fand vor acht Jahren erstmals mit 25 Fahrzeugen statt, die mehrheitlich Eigenbauten waren. Heute hat es, neben vielen Serienautos, immer noch selbstumgebaute Wagen, futuristische Bikes und Motorräder. Halt macht die Elektromobil-Rallye bei Schulen, Unternehmen und in Energiestädten.

«Schlieren als Energiestadt versteht sich in der Elektromobilität als Vermittlerin zwischen Bevölkerung, Politik und Gewerbe», sagt Roger Gerber, Abteilungsleiter Werke, Versorgung und Anlagen. Unkompliziert habe die Stadt Bewilligungen für die Realisierung von Zapfstellen für Elektroautos erteilt. So gibt es in Zusammenarbeit mit den Elektrizitätswerken des Kantons Zürich (EKZ) in Schlieren beim Färbiplatz eine öffentliche Gratis-Ladestation

Auch Stadtrat Pierre Dalcher begrüsst die Rallye-Teilnehmer. Er zeichnet die Entwicklung Schlierens von der Arbeiter- zur heutigen High-Tech-Stadt nach, bei der die Autoindustrie schon immer eine wichtige Rolle spielte. Seit einem Jahr gibt es in Schlieren auch eine Tesla-Zweigstelle. Der ganzen Euphorie zum Trotz äusserte Dalcher auch Bedenken. «Es gibt noch einige offene Fragen, wie es mit der Elektromobilität weitergehen soll», sagt der Stadtrat. Er freue sich aber auf den regen Wissensaustausch, den dieser Zwischenstopp möglich mache.
Viele Fahrer nutzten die Wave, um Werbung für ihre Unternehmen und Sponsoren zu machen, die im Geschäft mit nachhaltiger Energie tätig sind, wie etwa Toni Paganini für Cleanpower St. Moritz oder Martin Waldau für die Centralschweizerischen Kraftwerke. Man sei wie eine Community, sagt Paganini, der das zweite Mal teilnimmt.

Auch um die Bedürfnisse von Elektrofahrern zu erfahren, nehme er an der Rallye teil, sagt Christoph Fahrni von der Firma Ledwerkstatt, die Ladesäulen für Elektroautos anbieten möchte. So erfährt Fahrni von Waldau, dass dessen Renault Zoe mit einem schnellen Auflade-Adapter und einem fünfpoligen Industriestecker in vier Stunden aufgeladen ist. Der Spass bleibt aber nicht auf der Strecke. «Mein Tesla SP85 ist schneller als die meisten herkömmlichen Sportwagen», schwärmt Fahrni.

Leistungsfähige Batterie

«Unseren Familienbus, einen VW T6, hat das Schweizer Start-Up Durot Electric umgebaut. Wir lernten es nur kennen, weil wir letztes Jahr bei der Wave mitmachten», sagt Jean Oppliger. Zum Test sei er mit dem Familienbus und einem Anhänger mit über einer Tonne bergaufwärts gefahren und dies problemlos. «Man braucht beim Elektroauto nur Gas zu geben und zu bremsen, schalten ist nicht nötig», sagt Oppliger. Seine Frau Esther ergänzt: «Man will nie mehr etwas anderes fahren.» Das Auto mit der grössten Reichweite an der Wave ist der Metron 7 des Ehepaars Pecjak aus Slowenien mit 826 Kilometern. «Dass Elektroautos erschwinglicher geworden sind, ist ein gutes Zeichen für ihre Kommerzialisierung», sagt Jasna Pecjak.

Die Gelegenheit, sich beim Zwischenstopp in Schlieren über all die Möglichkeiten der Elektromobilität zu informieren, nehmen einige Schlieremer wahr. «Es interessiert mich, was es für Neuerungen und Modelle gibt», sagt die 79-jährige Esther Loosli, die seit einem Jahr ein Elektroauto fährt.

André Gerber, Key Account Manager von Toyota in Schlieren, ist auch daran interessiert, was die Mitbewerber anbieten. Im Moment seien jedoch Hybrid-Autos, also solche die mit Elektrizität und mit Benzin fahren, markttauglicher: «Über 60 Prozent unserer Verkäufe in der Schweiz sind Hybridautos», sagt Gerber. Auch der desiginierte Schlieremer Stadtrat Andreas Kriesi lässt sich von der Elektromobilität inspirieren: «Ich sehe viel Potenzial in der Elektromobilität. Kombiniert mit der Sharing-Economy kann man mit weniger Autos mehr Mobilität bewerkstelligen und damit ökologischer fahren», sagt Kriesi.