«Man schaut mich blöd an, aber das hindert mich nicht daran», sagt Soraya Duvnjak entschlossen. «Egal, wo ich bin, im Wald oder am Bahnhof: Ich sammle groben herumliegenden Abfall auf.» Das Bewusstsein für die Umwelt war im Leben der Dietikerin schon immer präsent. Wenn auch zunächst in unbewusster Weise: «Meine Mutter bekochte uns Kinder oft», so Duvnjak. «Weil immer Frisches aufgetischt wurde, hatten wir auch zu Hause seit eh und je Grünabfuhr. Das war bei uns ein ungeschriebenes Gesetz.»

Im Herbst 2018 eröffnete Duvnjak mit 27 Jahren ein Take-away-Lokal in Dietikon. Dieses soll möglichst nachhaltig sein. Der grösste Teil aller Verpackungen im Laden ist rezyklier- oder kompostierbar.

Wie ist es dazu gekommen, dass eine junge Frau zu einer ökologisch geprägten Unternehmerin wird? Duvnjak geht ihren Interessen kompromisslos nach. Mit 20 Jahren schloss sie eine Fachmatura mit Schwerpunkt Gestaltung in ihrem Heimatkanton St. Gallen ab, versuchte sich in der Mode- und Hotelleriebranche, bis sie in der Gastronomie landete. «Ich schätze den Kundenkontakt», sagt Duvnjak, die jahrelang als Kellnerin arbeitete. Doch langfristig habe sich der Job nicht mehr gelohnt. «Ich hatte kaum Zeit für mich, die Arbeitsbelastung nahm vermehrt zu, und die hierarchischen Strukturen in der Gastro-Branche machten mir zu schaffen», so Duvnjak. Ähnlich ging es ihrem Freund, der als Koch in einem Sushi-Restaurant arbeitete. «Er merkte bei seiner Arbeit, dass er rohen Fisch zu erschwinglicheren Preisen als gewohnt anbieten könnte», sagt Duvnjak. Also wagten sie den Sprung in die Selbstständigkeit.

In Eigenregie nachhaltiger

Nach einem gelungenen Experiment mit einem Pop-up-Restaurant in Zürich folgte das Take-away-Lokal in der Nähe des Rapidplatzes. Dort bietet das vor zwei und einhalb Jahren nach Dietikon gezogene Paar eine asiatisch-geprägte Küche an. Dort können Kunden etwa Lachs-Teriyaki-Bowls oder vegane Suppen bestellen.

Duvnjak liess hier ihre Sorge für die Umwelt einfliessen. Auf der Theke des kleinen Betriebs finden Kunden das Holzbesteck in einem Papierbecher und das Essen in einer Kartonschale mit einem Biokunststoffdeckel aus Milchsäure. Aber: «Wir verkaufen unsere hausgemachten Säfte noch in PET-Flaschen, was nicht so optimal ist. Vor allem, wenn sie nicht korrekt entsorgt werden. Am besten wären die Flaschen wiederverwendbar», sagt Duvnjak.

Nicht frei von Widersprüchen

Gegen Foodwaste wendet sie eine einfache Taktik an. «Ich frage den Kunden genau, was er will. Falls jemand nicht gern Spinat isst, dann bekommt er stattdessen Kohl als Salatzutat.» Falls Essensreste dennoch übrig bleiben, nimmt sie Duvnjak mit nach Hause, um sie zu kompostieren. Und sie sagt stolz: «Mein Freund benutzt den ganzen Fisch statt nur den Bauch. So lohnt es sich auch aus ökonomischer Sicht für uns, Sushi etwas günstiger zu verkaufen.»
Duvnjak will ihren Betrieb nach und nach verbessern. «Wir stehen mit unserem Geschäft noch in den Anfängen, ich sehe noch einige Aspekte, die meinen Moralvorstellungen nicht entsprechen», sagt sie. «Mir ist es bewusst, dass die Überfischung ein reales Problem ist. Dennoch servieren wir hier Sushi. In Zukunft will ich das Menu lokaler und saisonaler gestalten.» Eins ist schon jetzt sicher: An Zielen mangelt es Soraya Duvnjak nicht.