Urdorf

Grenzen zeigen und Nein sagen können: Durch dieses Ferien-Angebot lernen sie, sich zu verteidigen

In Urdorf ist das Ferienspass-Angebot der Gemeinde mit Erfolg angelaufen, wobei die Coronaschutzmassnahmen mit grosser Vorsicht umgesetzt werden müssen. Die Kinder sollen aber trotz der Pandemie an Ferienaktivitäten teilnehmen können. Ein Kurs davon richtet sich nur an Mädchen.

Unter Applaus zerschlägt eine Kursteilnehmerin ein massives Holzbrett. Die Mädchen, die den Selbstverteidigungskurs des Ferienspass-Angebots in der Turnhalle in Urdorf besuchen, sollen erkennen, wozu sie fähig sind. «Das ist richtiges Holz, das habt ihr selbst geschafft», bestärkt Silvia Bren von der Organisation Pallas die Mädchen. Jede der Gruppe der Zehn- und Elfjährigen schafft es, das Brett mit dem Fuss zu zerstossen. Danach bespricht Bren mit ihnen, wie sie sich dabei gefühlt haben. Der Veranstalter Pallas macht sich schon seit über 25 Jahren für die Prävention von Gewalt an Frauen und Mädchen stark und bietet verschiedene Kurse zur Selbstverteidigung an.

Im Kurs des Ferienspass-Programms der Gemeinde Urdorf setzen sich die Mädchen mit körperlicher und verbaler Selbstverteidigung auseinander. Nach einer Pause zeigt Bren den Mädchen Abwehrtechniken bei einem Angriff von hinten. Einige der Mädchen wenden dabei bereits Gelerntes vom Morgen an und kombinieren es. Bei Fragen der Kursleiterinnen melden sie sich ebenfalls fleissig. Es werden heikle Themen wie Gruppendruck und Unsicherheit besprochen. Dabei gehen die Kursleiterinnen gezielt auf die Mädchen, ihre Erfahrungen und Fragen ein.

Auch heikle Situationen werden gemeistert

Mit zwei Leiterinnen ist der Kurstag zur Selbstverteidigung sehr komfortabel unterwegs. Denn so können die Mädchen in zwei Alterskategorien aufgeteilt werden. Dadurch kann altersgerechter auf die verschiedenen Situationen eingegangen werden. Eine Gruppe übt sich zuerst bei Bren auf der körperlichen Ebene, die andere geht mit Rollenspielen an die Thematik heran. Bei der zweiten Leiterin, Zora Heinricht, können die Mädchen zusammen verschiedene Situationen durchspielen. So sollen sie lernen, in einer realen Situation richtig zu reagieren. Die jungen Teilnehmerinnen sprühen dabei vor Ideen und diskutieren Abwehrtechniken oder die Möglichkeit, sich in entsprechenden Situationen Hilfe zu holen.

Bren erklärt, dass sich einiges geändert hat, seit sie mit den Kursen begonnen hat. Während früher die Frauenrechtsbewegung noch sehr viel stärker war, beobachtet sie, dass heute wieder weniger für eine starke Rolle von Frauen und Mädchen gekämpft wird. Bern findet, dass sich die Familienstrukturen gewandelt haben. Wo sich verschiedene Kulturen durchmischen, stossen auch verschiedene Rollenbilder aufeinander. Gerade darum empfindet sie es als wichtig, dass die Mädchen ihre Grenzen klar zeigen und Nein sagen können. So will sie den Mädchen die eigene Stärke bewusst machen.

Andrea Köbeli findet das Angebot der Pallas sehr wichtig. Sie ist verantwortlich für die Jugendarbeit bei der Gemeinde Urdorf. «Oft sind die Mädchen noch scheu am Morgen, gehen dann aber am Abend gestärkt aus dem Kurs», so Köbeli. Gerne hätte sie dasselbe Angebot auch für Jungen eingeführt, aber die Anmeldungen blieben aus. Sonst kann man sich von Seiten der Gemeinde Urdorf nicht über fehlendes Interesse beklagen: Viele Kurse des Ferienspass-Angebots sind ausgebucht, es bestehen sogar Wartelisten. Die zahlreichen Anmeldungen führt Köbeli darauf zurück, dass viele Familien nicht in die Ferien reisen. «Dieses Jahr ist alles spezieller», betont sie. Gerade bei Sport und Selbstverteidigung mussten die Coronaschutzmassnahmen mit grosser Vorsicht umgesetzt werden. Die Kinder sollen aber trotz der aktuellen Lage an Ferienaktivitäten teilnehmen können.

Das Angebot wurde erfolgreich erweitert

Es ist bereits der 17. Sommer mit Ferienspass-Angebot. Viele sind schon lange dabei, so auch Pallas. Dieses Jahr bietet die Jugendarbeit der Gemeinde Urdorf aufgrund der aktuellen Situation sogar fünf statt drei Wochen lang Kurse an. Der Entscheid zur Verlängerung fiel erst am 27. Mai. Normalerweise würde das Programm bereits vor den Frühlingsferien feststehen und die Broschüren bereits dann an die Kinder verteilt. «Das zusätzliche Angebot ist gut zu Stande gekommen», sagt Köbeli. Viele teilnehmende Organisationen hätten sich kurzfristig zu einem weiteren Kurstag entschliessen können, sie selbst habe auch zusätzliche Kurse übernommen, so Köbeli. Der Einsatz lohnt sich: Bereits sind 17 Kurse ausgebucht, es haben sich total 171 Kinder angemeldet.

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