Die Wanderer schreiten hinauf zum Wald bei Weiningen. Voran geht Gemeindepräsident Hanspeter Haug. Die zweite Etappe des Grenzumgangs stand auf dem Plan; ein Weg, der an den Grenzen von Dällikon, Oetwil und Geroldswil zu Fuss hinunter in die Fahrweid führte. Oder, wie es Haug zu nennen pflegte, die «westliche Route».

Bereits zwei Wochen zuvor leitete er rund 20 Personen die östliche Grenze entlang. An diesem Samstag jedoch versammelten sich lediglich ein halbes Dutzend Teilnehmer, um «den Kreis zu vollenden». Dies lag wohl an der Brücke nach der Auffahrt.

«Wir sind in einem Gebiet, das lebt», so Haug. Tatsächlich konnten die Teilnehmer gleich zu Beginn jene Stelle im Wald begutachten, die vor zwei Jahren den Hang hinunter stürzte. Heute kann man dort wieder sicher spazieren, dennoch ist ein Teil davon Sperrgebiet. Gleich zwei Grenzsteine säumen dort den Weg – auch jener zu Oetwil. Das war nicht immer so: «Die Grenzbereinigung von 1965 machte es erst möglich, dass Weiningen nun auch an Oetwil grenzt», so Haug.

Über Stock und Stein

Grenzen halten sich nicht immer an Wege und Strassen – oder umgekehrt. Damit der Grenzumgang dennoch seinem Namen gerecht wurde, führte Haug seine Gruppe teilweise mitten durch den Wald. «Das ist eine Herausforderung», hörte man ihn mehrmals sagen. In der Tat benötigte die Begehung auf den schmalen Pfaden passendes Schuhwerk und wachsame Augen. Es war ein kleines Abenteuer über Stock und Stein, das allen Anwesenden sichtlich Spass machte. So erfuhr man dabei auch, dass sich ein loses Rudel Wildschweine im Wald pudelwohl fühlt. Ihre Spuren waren deutlich zu sehen.

Gelangte man auf herkömmliche Wege, wusste Haug über diese ebenfalls Interessantes zu berichten. So erzählte er, dass ein Waldweg im Herbst vom Laub befreit werden muss, weil ansonsten die Natur ihr Territorium zurückfordert. Zudem dürfen Waldwege nicht mehr mit Betongranulat geebnet werden. Heute ist Kies gefragt, so will es das Bundesamt für Umwelt. Was laut Haug für viel Gesprächsstoff sorgt.

Gegensätze ziehen sich an

So ging es auf Kies ins idyllische Wiesentäli, das an diesem sonnigen Tag ganz Emmental in den Schatten stellte. Dann ging es weiter auf den Haslernberg und über dessen Grat. Ein verwunschenes Ungetüm konnte dort besichtigt werden: Die Antenne von Jean Haug, der damit in den 1960er-Jahren die Region mit Bild und Ton versorgte. «Damals gab es noch nicht so strenge Vorschriften, weswegen die Errichtung der Antenne möglich war», so Haug, der betonte, dass der Erbauer kein direkter Verwandter sei.

Nach rund zwei Stunden führte der Gemeindepräsident seine Wandergruppe aus dem Wald hinaus direkt durch Weinberge hinunter zur Limmattalstrasse. Wenn auch gewisser Fluglärm daran erinnerte, dass man sich stets nahe an einer Metropole befand, so wurden nun die landschaftlichen Gegensätze deutlich, welche die Gemeinde bietet. Auf dem Weg in die Fahrweid donnerten Autos auf der Autobahn 1 an Weiningen vorbei. Durch das Areal Richi hindurch spazierten die Wanderer in ein modernes Wohngebiet nahe der Limmat. Im Quartierzentrum Föhrewäldli, dem Ziel des Grenzumgangs, wurde der nun abgelaufene Kreis schliesslich mit kühlem Weisswein begossen – Weininger Riesling «vom Chef höchstpersönlich», wie ein Teilnehmer amüsiert sagte.

«Diese Grenzumwanderung war deswegen so besonders, weil sie viel Insider-Wissen bot», so Monika Staub, Präsidentin von Freiraum, der Kommission für Kultur und Freizeit in Weiningen, die den Grenzumgang organisierte und mit Haug den perfekten Begleiter fand.