Konkret wollten die Fragesteller vom Stadtrat wissen, ob ein Umstieg von Microsoft Office auf Freeware wie Open Office machbar wäre und ob dadurch Einsparungen möglich würden.

Beides sei nicht der Fall, schrieb der Stadtrat nun in seiner Antwort vom 10. September. Die Zusammenarbeit mit dem Verwaltungsrechenzentrum St. Gallen (VRSG) setze die Verwendung der Microsoft-Programme voraus. Ein Umrüsten sei unnötige und würde zu erheblichen Mehrkosten führen.

Ausschliesslich Microsoft Office

Seit 1997 nutzt die Dietiker Stadtverwaltung insgesamt 33 Programme und über 100 Fachanwendungen des VRSG. Es rüstet schweizweit öffentliche Verwaltungen auch mit Softwarelösungen zur Administration unterschiedlicher Bereiche wie Einwohnerkontrolle oder Steuerverwaltung aus.

Die Nutzung der VRSG-Anwendungen setzen einige Bedingungen voraus. So unterstützen die Programme einzig Windows-Betriebssysteme und das Office-Paket von Microsoft, wie der Stadtrat in seiner Antwort schreibt. Das VRSG bestätigt auf Nachfrage, dass die Textverarbeitung in ihren Softwarelösungen für öffentliche Verwaltungen ausschliesslich Microsoft Office nutzt.

Stadtrat zufrieden

Aus der Antwort wird deutlich: Der Stadtrat ist zufrieden mit dem Status Quo und der Zusammenarbeit mit dem nicht gewinnorientierten Rechenzentrum. Und: Er setzt auch weiterhin auf die Microsoft-basierten Softwarelösungen aus St. Gallen.

Seine Absicht unterfüttert das Gremium mit weiteren Argumenten. So fehle in den von Joss vorgeschlagenen Gratispaketen Open Office und Libre Office etwa ein Pendant zum E-Mail Programm Outlook von Microsoft.

Zudem unterstütze die Gratissoftware keine automatischen Software-Updates. Es könne also nachweislich gesagt werden, dass die Verwendung von Freeware in einer grösseren Arbeitsumgebung wie der Stadtverwaltung nur teilweise funktionieren würde, schreibt der Stadtrat zusammenfassend.

Mehrkosten statt Einsparungen

In jedem Fall wäre ein Umstieg auf nicht Microsoft Produkte wäre kostspielig, heisst es weiter in der Antwort. Wie das VRSG setzten alle vergleichbaren Anbieter von Softwarelösungen Microsoft Betriebssysteme voraus.

Es gäbe daher in der Schweiz keine öffentliche Verwaltung, die ein alternatives Betriebssystem oder freie Office-Software anwendet.

Um gar das Betriebssystem zu wechseln, müsste die Programmierung einer komplett neuen Softwarelösung in Auftrag gegeben werden. Über hundert Anwendungen müssten dann ersetzt werden, für bis zu 10000 Franken pro Stück.

Das führte die Dietiker Stadtverwaltung zu einer «kostspieligen Insellösung», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf die Interpellation.

Joss will nachhaken

Gemeinderat Ernst Joss zeigte sich auf Nachfrage mit der Antwort des Stadtrates nicht zufrieden. Joss empfiehlt, beim Verwaltungsrechenzentrum nachzufragen und genauer abzuklären, warum es ausschliesslich Microsoft-Software unterstützt.

Gleichzeitig schlägt Joss Gespräche zwischen verschiedenen Gemeinden vor. Darin sollen Kosten und Nutzen einer alternativen Lösung der Software-Frage gemeindeübergreifend beraten werden.

Es sei schliesslich keine Lösung, «einem Monopolisten wie Microsoft ad infinitum Geld zuzuschaufeln», findet Joss.