Schlieren
Gottesdienst zwischen Schaustellern und Zirkustieren

Seelsorgerin Katharina Hoby braucht weder Kirche noch Kanzel für ihre Predigten. Auch welche Konfession ein Mensch, spielt für die 49-Jährige Pfarrerin keine Rolle.

Daniel Andrés Egli
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Die freischaffende Pfarrerin Katharina Hoby. Daniel Andrés Egli

Die freischaffende Pfarrerin Katharina Hoby. Daniel Andrés Egli

Limmattaler Zeitung

Die Sonne warf die letzten strahlen des Tages durch die Fenster des Josefhus in Schlieren, auf den nahen Bahngleisen rauschten die Züge vorbei und hinter einem kleinen Tischchen stand eine Frau, der man den Beruf der Pfarrerin mehr als nicht ansah. In einem weissen Sommerkleid stand Katharina Hoby mit vollem, blondem Haar da und lächelte ins Publikum. Die selbst ernannte Chilbi-Pfarrerin hatte das Publikum mit ihrer offenen und natürlichen Art nach wenigen Minuten für sich gewonnen. Bei den Menschen

Katharina Hoby predigt reformiert. «Für mich spielt es aber überhaupt keine Rolle welche Konfession ein Mensch hat», sagte die 49-Jährige. Sie wolle den Menschen helfen, ihres Menschseins wegen. Interessanterweise seien die Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen trotz sinkender Besucherzahlen in den Kirchen nach wie vor die gleichen, schilderte die fünffache Mutter nachdenklich. Und diese so menschlichen Probleme und Bedürfnisse versucht Hoby dort zu befriedigen, wo sie sich finden.

Bei den Menschen selber und nicht in einer grossen Kirche von der Kanzel herab. So wurde aus der aufgeweckten Vikarin im Zürcher Grossmünster eine freischaffende Pfarrerin und Organisatorin der Chilbi-Gottesdienste auf den Auto-Scooter-Anlagen der Schaustellerplätze dieses Landes.

Es war das Jahr 1998, als Hoby eine schwierige und aufreibende Erfahrung mit der grossen Kirche der Schweiz machen musste. Sie bewarb sich um eine 50 Prozent Stelle als Pfarrerin im Zürcherischen Grossmünster. Und das, ohne dass sie sich vorher ihre theologischen Spuren in den kleinen Landgemeinden des Kantons Zürich abverdient hätte. Ein Aufschrei der Empörung lief durch die ehren Kammern der alt-ehrwürdigen, reformierten Zürcher Kleriker. Die Tore des Grossmünsters blieben für Hoby fortan verschlossen.

Freischaffende Pfarrerin mit Erfolg

So entstand die Idee als freischaffende Pfarrerin zu arbeiten. Viele Menschen aus der Gemeinde des Grossmünsters kamen auch nach ihrem Rauswurf aus dem Grossmünster noch zu Hoby. Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, geleitet von Katharina Hoby, waren äusserst begehrt. Also arbeitete Hoby weiter. Ging zu den Menschen nach Hause. Machte Taufen und Hochzeiten dort, wo sie die Menschen haben wollten.

Heute ist Hoby mit ihrem Leben zufrieden. Sie übt die Seiten ihres Berufes aus, welche am schönsten sind. Sie predigt ihre Überzeugung, erreicht damit die Menschen und hat Erfolg. Ob bei einer Freilichthochzeit in Südfrankreich, einer Taufe bei einem wilden Bergbach oder ihren Gottesdiensten auf den Chilbiplätzen der Schweiz. Die Wanderpfarrerin aus dem Zürcherischen Niederdorf ist beliebt.