Oberengstringen
«Gospel führt und hält alle zusammen»

Es ist eine Erfolgsgeschichte: Vor fünf Jahren gründeten Jens Naske und Fritz Mader den Gospelchor, weil sie frischen Wind in die Kirche brignen wollten. Heute bereiten sich 60 Sängerinnen und Sänger auf das Jubiläumkonzert vor.

Katja Landolt
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Bei der Chorprobe feilen die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Fritz Mader an den letzten Unfeinheiten

Bei der Chorprobe feilen die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Fritz Mader an den letzten Unfeinheiten

Katja Landolt

Einsingen, aufstehen. Die Stuhlbeine scharren über die Bodenplatten. Schulterkreisen, Ausschütteln. Die Chormitglieder schlackern mit Armen und Beinen, als würden sie an den Fäden eines verrückt gewordenen Marionettenspielers tanzen.

Jubiläumskonzert

Vorkonzert am 11. April, 20 Uhr, Augustinerkirche Zürich/ Hauptkonzert am 13. April, 20 Uhr, reformierte Kirche Oberengstringen. Eintritt frei, Kollekte. www.ref-kirche-oe.ch

Das macht frei, den Körper bereit fürs Klingen. Ein Klingen, so durchdringend und intensiv, dass es «in den Nasenlöchern kribbelt». Das jedenfalls ruft Chorleiter Fritz Carmelo Mader in das Summen hinein.

Dann sind sie bereit. Wiegend und wippend singen die rund 60 Frauen und Männer dreistimmig vom Lächeln, das man sich auch in schweren Zeiten bewahren sollte.

Dann bricht Mader ab. «Der Dreier da, der will noch nicht so recht», sagt er und spielt die Abfolge auf dem Piano vor. Es ist schwierig, die Tonfolge exakt zu singen, ein paar Sängerinnen und Sänger schleifen die Noten.

Das will Mader nicht hören, wieder und wieder lässt er die verschiedenen Stimmen «den Dreier» singen. Es sind Feinheiten, aber vor so wichtigen Konzerten, wie sie jetzt anstehen, muss an jedem noch so kleinen Fehler gefeilt werden.

Schliesslich feiert der Gospelchor Oberengstringen sein 5-Jahr-Jubiläum.

Von 13 bis 83 Jahren ist alles dabei

Jens Naske, Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Oberengstringen, erinnert sich an die erste Probe. Damals hatte man mittels Inserat für einen Schnupperabend geworben, ohne Anmeldepflicht. «Wir haben mit allerhöchstens 20 Leuten gerechnet», sagt Naske und lacht.

«Als Fritz Mader und ich an diesem Abend zur Kirche kamen, standen 40 da. Wir waren überwältigt.» 40 Sängerinnen und Sänger – weniger zählte der Chor nie.

Inzwischen hat sich die Zahl bei 60 Mitgliedern eingependelt, wie Präsident Ueli Roth sagt. Rund die Hälfte sei seit Beginn dabei, zwei Drittel stammen aus Oberengstringen, von 13 bis 83 Jahren ist jedes Alter vertreten.

«Gospel mögen alle», sagt Naske als Erklärung. Die Texte der Lieder erzählen von Liebe, Hoffnung und von Vertrauen. Sie wollen Lebensmut machen, das sei allen Mitgliedern des Chors wichtig.

Aber es seien alle Einstellungen vertreten, von sehr fromm bis zu sehr liberal, so Naske. «Gospel führt und hält alle zusammen. Das war mein Ziel bei der Chorgründung.» «Mit Swing, bitte, nicht so platt», ruft Mader den Alt-Stimmen zu.

Die Frauen wiederholen die Passage, wieder und wieder, mit dem nötigen Schwung. Dann geht es weiter, ein Stück nach dem anderen wird geprobt. Ein paar Mal muss Mader noch mit den Stimmen an den Takten feilen, an den Einsätzen.

Wie oft wird die Strophe gesungen? Wann soll man mit Klatschen beginnen? Gesungen wird nicht nach Noten, sondern nach Gehör. Und alles auswendig. «Wenn man nach Noten singt, singt man mit den Augen.

Gospel aber muss man mit dem Körper singen», sagt Naske. Das ist anspruchsvoll, insbesondere weil viele der Sängerinnen und Sänger keine Chorerfahrung mitgebracht haben. Und mit ein Grund, weshalb der Gospelchor eher selten zu abendfüllenden Konzerten lädt.

«Wir singen moderne, schwierige Stücke und arbeiten rund ein halbes Jahr an einem Konzertprogramm», sagt Roth.

Naske ergänzt: «Wir wollen die Leute nicht überfordern. Nicht die Mitglieder, die viel Zeit in den Chor investieren, und nicht die Zuhörer, die irgendwann genug von dieser Musik haben könnten.» Man habe deshalb auch mehr Konzertanfragen als Auftritte.

«Aber wir wollen allen den Spass am Gospel bewahren», so Naske. Chor ist ein «Glücksfall» Naske und Roth bezeichnen den Chor als «Glücksfall». Bis vor fünf Jahren sei die Kirchgemeinde eher traditionell gewesen.

«Der Chor hat ganz neues Leben gebracht, hat vieles in Bewegung gesetzt», sagt Naske. Auch auf persönlicher Ebene: «Wir sehen uns seit fünf Jahren jede Woche. Es herrscht ein unglaublicher Zusammenhalt.» Das bestätigt auch Chorleiter Mader:

«Dieser Chor ist ein sehr herzlicher Chor mit einer irrsinnigen Kraft.» Verleidet sei ihm die Arbeit auch nach fünf Jahren noch längst nicht. «Die Leute sind sehr ambitioniert, sind hungrig nach mehr. Wir sind noch lange nicht müde.»