Den Schulkollegen um ein Stück von seinem Pausenbrötchen bitten, nur mit einem Elternteil aufwachsen oder wegen einfacher Kleidung gehänselt werden: Das alles sind Situationen, mit denen sich Jugendliche, die in Armut in der Schweiz leben, abfinden müssen.

Wortwörtlich lautstark kamen solche Themen gestern Abend im «Jenseits» im Zürcher Viadukt zur Sprache. Anlässlich des Jugendwettbewerbs «Luutstarch» der Caritas Zürich wurden die besten Musik-, Foto- und Workshop-Beiträge zum Thema Armut in der Schweiz prämiert. Dabei kam auch das Limmattal zu einer Goldmedaille: Der Urdorfer Rapper Nadir Amir alias «Limmitt» und der Ustermer Raffaele De Pasquale alias «Ruff» wurden in der Kategorie Musik der 20- bis 26-Jährigen mit dem ersten Preis ausgezeichnet – ihr Song «Goldige Vorhang» stellte die Konkurrenz in den Schatten.

«Den passenden Text zu schreiben, fiel uns leicht», sagt «Limmitt»: «Wir sind definitiv in einem schwierigen Umfeld aufgewachsen. Wir wissen, wie das ist, und können sehr gut darüber reden.» Denn als Amir noch klein war, verliess sein Vater die Familie, er wuchs mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder auf. «Meine Mutter war sehr oft verzweifelt, das bekamen wir zu spüren», so der Urdorfer Musiker mit ägyptisch-schweizerischen Wurzeln.

Song aus Spontanität entstanden

Logisch, dass der 22-Jährige nicht lange zögerte, als ihn sein Produktionslabel Basement Music auf den Jugendwettbewerb «Luutstarch» aufmerksam machte. Innerhalb von wenigen Tagen realisierte er gemeinsam mit seinem langjährigen Rap-Kollegen «Ruff» den Song «Goldige Vorhang». «Das Ganze ist spontan entstanden. Einmal hat er die Melodie und den Beatsound gemacht und ich den Text geschrieben und einmal war es umgekehrt», sagt «Limmitt».

Aus der Zusammenarbeit ist ein tiefgründiger Hip-Hop-Song entstanden, der mit Sätzen wie «I de Schwiz isch nöd alles nume Schoggi» oder «D Schwiz isch nöd immer stark wie der Franke» auf die schwierige Situation von Familien in Armut aufmerksam macht.

«Unser Song gibt Erfahrungen wieder, die sowohl wir wie auch Bekannte in unserem Umfeld gemacht haben. Ein Kind hat beispielsweise wenig Freude, den Geburtstag zu feiern, wenn es in einem Heim aufwächst oder keine Familie hat», sagt de Pasquale, der als Sohn italienischer Eltern in Uster aufgewachsen ist und als Maler arbeitet.

Die beiden Künstler haben bereits mehrere gemeinsame Songs aufgenommen.

Ruff feat. Limmitt - Scheiss uf früehner

Album in Co-Produktion geplant

Nach dem gestrigen Erfolg am Jugendwettbewerb der Caritas Zürich werden die beiden Rapper die Arbeit an ihrem Album in Co-Produktion wieder fortsetzen. «Sieben Songs haben wir bereits aufgenommen. Im Herbst soll das Album fertig sein», sagt «Limmitt.» Bis dahin steht der Bauspengler gemeinsam mit Rap-Kollege «Ruff» auf der Bühne. Vorgesehen sind unter anderem Auftritte in Dietikon, Wetzikon, Urdorf und Affoltern.

Auch wenn beide Musiker im Alltag einem bodenständigen Beruf nachgehen, behalten sie den Traum, einmal von der Musik leben zu können, im Hinterkopf – «Ruff» fügt jedoch mit einem Lächeln an: «In der Schweiz gibt es mehr Rapper als Fans.»