Erica Brühlmann-Jecklin strahlt. Am Freitag im Bühnensaal des Spitals Schlieren, durfte die Schriftstellerin, Liedermacherin und Interpretin anlässlich einer stimmungsvollen Feier von Stadträtin Beatrice Krebs die Goldene Lilie der Stadt Schlieren entgegennehmen. Alle drei Jahre ehrt die Stadt mit diesem Kulturpreis eine Person oder Gruppe, die über längere Zeit Leistungen zur Aufwertung des Schlieremer Kulturlebens erbracht hat.

Einen Höhenflug nach dem andern

Franz Hohler, der Schriftsteller, Kabarettist, Liedermacher und langjähriger Wegbegleiter von Erika Brühlmann-Jecklin erinnert sich in seiner Laudatio an die vielen Begegnungen und Erlebnisse mit diesem «cheibe Maitli», wie er sie mit einem schelmischen Augenzwinkern nennt. Einmal hätte sie am liebsten gar den bosnischen Serbenführer Karadzic bei seiner Ankunft am Flughafen Genf verhaften lassen wollen, lacht Hohler. Sie habe sich den Teufel um die UNO geschert und hätte dem Kriegsverbrecher am liebsten «hunderttuusig Öpfelschnitz a Grind grüert».

Er wünscht ihr für die Zukunft einen Höhenflug nach dem andern, mit der ausdrücklichen Bitte, von jedem wieder herunterzukommen. Und dann singt er ein Lied der Preisträgerin, das auf den Punkt bringt, was sie zeitlebens angetrieben hat: der Kampf gegen Ungerechtigkeit und der Einsatz für alle jene, die in den Augen der Gesellschaft «ganz bestimmt nid normal» sind.

Zusammen mit Susanne Schütz sorgen die geistig behinderten Männer von Noi insieme – die ander Bänd für den musikalischen Rahmen der Feier. Sandro Martalo, Urs Diggelmann und Urs Dienstleder sind mit Einsatz und Konzentration bei der Sache und an ihren Instrumenten. «My bonnie is over the ocean» und «Gang rüef der Brune», erklingt es von der Bühne. Noi insieme ist eines der vielen Engagements von Erica Brühlmann-Jecklin, die sich auch an diesem Abend nicht nur feiern lassen will, sondern selber mitspielt mit der Violine, mit dem Triangel oder mit der Mundharmonika.

Preisgeld wird in Pizza investiert

«Fragt mich jemand, warum ich zu schreiben begonnen habe, weiss ich keine klügere Antwort, als dass es die Freude am Formulieren und am Festhalten von Szenen und Geschichten ist, die mich bewegen», erklärt Erica Brühlmann-Jecklin in ihrer Dankesrede. «Ich war schon etwas aufgeregt», gesteht sie freimütig. «Aber jetzt spüre ich eine grosse Erleichterung und zuinnerst bin ich auch stolz.»

Eigentlich habe sie die Auszeichnung wohl weniger für ihr kreatives Schaffen verdient, als vielmehr für ihren jahrzehntelangen Einsatz für Gerechtigkeit, sinniert sie. «So viel ist auf dieser Welt ungerecht. Es ist ein grosses Glück, wenn man die kreativen Mittel hat, um für Gerechtigkeit kämpfen zu können – mit Musik, mit Liedern oder mit Texten.» Dann ist genug gefeiert. Flugs schlüpft Erica Brühlmann-Jecklin ins Shirt ihrer Band und lässt sich inmitten ihrer Schützlinge fotografieren. «Mit dem Preisgeld», verspricht sie den Musikern, «gehen wir dann alle miteinander Pizza essen.»