Gefängnisausbruch Limmattal

«Gömmer?» Wie Hassan Kiko seine Bewacherin zur Flucht überredete – Protokoll der Einvernahme

Hassan Kiko und Angela Magdici waren zwei Monate auf der Flucht.

Hassan Kiko und Angela Magdici waren zwei Monate auf der Flucht.

In der Einvernahme durch die Staatsanwältin vom 6. Juli erklärte Angela Magdici, sie habe sich von Kiko nicht unter Druck gesetzt gefühlt. Der «Blick» hat Auszüge veröffentlicht.

Im Fall des Ausbrecherpärchens Angela Magdici und Hassan Kiko steht eine Frage im Zentrum: Haben sie sich mit ihrer Flucht aus dem Gefängnis Limmattal im Februar strafbar gemacht? Die Staatsanwaltschaft bejaht dies und fordert für beide eine Haftstrafe. 

In der Einvernahme durch die Staatsanwältin vom 6. Juli erklärte Magdici, sie habe sich von Kiko nicht unter Druck gesetzt gefühlt. Der «Blick» hat Auszüge veröffentlicht. Demnach kam das Thema erstmals im Dezember 2015 während der Gerichtsverhandlung auf, in der Kiko wegen Vergewaltigung verurteilt wurde. Hier die wichtigsten Passagen:

S: Von wem kam die Idee?
M: Die Idee war von ihm.
S: Was hatte er gesagt?
M: Gömmer?
S: Wie haben Sie reagiert?
M: Ich sagte: Nein.

S: Hat Hassan Kiko Druck auf sie ausgeübt?
M: Ich machte mir selber Druck.
S: Was hatte Sie schlussendlich bewogen, Hassan Kiko zur Flucht zu verhelfen?
M: Ich wollte es, ich hatte die Entscheidung getroffen.
S: Hätten Sie den Gedanken auch gehabt, wenn Hassan Kiko Sie nicht darauf angesprochen hätte?
M: Vielleicht schon, ja.  

Hassan Kiko wurde bei der Einvernahme ebenfalls befragt:

S: Wer hatte die Idee zur Flucht?
K: Das war ich.
S: Mit welchen Worten hatten Sie die Idee unterbreitet?
K: Ich weiss es nicht, ich habe einfach gefragt.
S: Wie hat Angela Magdici darauf reagiert?
K: Sie hat direkt Nein gesagt.
S: Wer brachte das Thema erneut auf?
K: Ich glaube, ich habe dann noch einmal gefragt.
S: Und sie?
K: Immer: Nein.
S: Hätte Frau Magdici Ihnen auch zur Flucht verholfen, wenn Sie sie nicht danach gefragt hätten?
K: Das müssen Sie sie fragen.  

Kikos Anwalt Valentin Landmann stellte Ergänzungsfragen:

L: Konnte Herr Kiko wissen, ob Sie organisatorisch in der Lage wären, ihn rauszulassen?
M: Nein.
L: Meinten Sie, Frau Magdici könnte Sie tatsächlich rauslassen?
K: Ich wusste nicht, ob sie das kann oder nicht. Ich frage ja auch Sie, Frau Staatsanwältin, ob Sie mich rauslassen können.
L: Haben Sie sich im Gefängnis in Frau Magdici verliebt?
K: Ja. Ich weiss nicht, wann die Gefühle aufgekommen sind. Aber jetzt ist sie alles für mich.  

Die Staatsanwaltschaft verlangt für die Ex-Aufseherin eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 27 Monaten wegen Begünstigung und Entweichenlassens eines Gefangenen. Hassan Kiko soll wegen Anstiftung sechs Monate erhalten.

Sein Anwalt Valentin Landmann wird gemäss «Blick» auf Freispruch plädieren: «Eine blosse Frage kann niemals eine Anstiftung sein. Zumal mein Mandant Frau Magdici in keiner Weise unter Druck gesetzt oder durch ein Versprechen oder eine Zuwendung beeinflusst hat. Ein Beamter muss selber wissen, was er darf oder nicht.»

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