Wahlen
GLP versucht erstmals den Sprung in die Exekutive

Das Stadtpräsidium ist unumstritten – kann Pierre Dalcher (SVP) den Sitz von Parteikollege Perrin erben?

Florian Niedermann
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Mit Nikolaus Wyss will die GLP erstmals einen Sitz in einer Limmattaler Exekutive besetzen können.

Mit Nikolaus Wyss will die GLP erstmals einen Sitz in einer Limmattaler Exekutive besetzen können.

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Zunächst zeichneten sich in Schlieren langweilige Stadtratswahlen ab, bei denen sich um die sieben Sitze je ein Kandidat oder eine Kandidatin bewarben. Doch dann brachte die Grünliberale Partei (GLP) mit ihrem Kandidaten Nikolaus Wyss Spannung in die Geschichte.

Der ehemalige Rektor der Fachhochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern führt als Aussenseiter einen kreativen und inspirierten Wahlkampf – so brachte er sich etwa als Kandidat für eine Mars-Besiedlung ins Gespräch und machte in einem Artikel des «Tages-Anzeigers» Werbung für die Stadt Schlieren als Wohnort. Ihm könnte zum Handicap erwachsen, dass er der breiten Bevölkerungsschicht noch unbekannt ist. Mit Wyss bewirbt sich erstmals ein GLP-Mitglied um einen Sitz in einer Limmattaler Exekutive.

Mit Wyss’ Kandidatur stellt sich die Frage, wem er einen Sitz in der Exekutive streitig machen könnte. Dabei geraten die beiden SVP-Kandidaten Christian Meier (bisher) und Pierre Dalcher (neu) in den Fokus: Dalcher, der die Nachfolge des nach 16 Amtsjahren zurücktretenden Jean-Claude Perrin antreten möchte, ist selbst in bürgerlichen Kreisen nicht unumstritten.

Toni Brühlmann-Jecklin (SP, bisher) 66 Jahre alt, Psychotherapeut, selbstständig, tätig in eigener Praxis, seit 1978 in Schlieren wohnhaft, seit vier Jahren Stadtpräsident, von 2002 bis 2010 Stadtrat (Finanzen und Liegenschaften), von 1998 bis 2002 im Gemeindeparlament, von 1990 bis 1998 Mitglied der Vormundschaftsbehörde.
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Markus Bärtschiger (SP, bisher) 51 Jahre alt, Volkswirtschafter (lic.oec. publ.), Dozent, lebt seit Geburt in Schlieren, seit vier Jahren Stadtrat (Sicherheit und Gesundheit), 20 Jahre im Stadtparlament, dabei zweimal Gemeinderatspräsident, Mitglied der Rechnungsprüfungs- sowie Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission.
Bea Krebs (FDP, bisher) 47 Jahre alt, Chemikerin, lebt seit 1966 in Schlieren, seit 12 Jahren Stadträtin (zunächst Sicherheit und Gesundheit, zuletzt Bildung und Jugend), von 1990 bis 2002 Stadtparlamentarierin, Mitglied der Geschäftsprüfungskommission, Mitglieder der Kulturkommission.
Manuela Stiefel (FDP, bisher) 53 Jahre alt, Primarlehrerin, wohnt seit 24 Jahren in Schlieren, von 2006 bis 2010 Stadtparlamentarierin, Mitglied und Präsidentin der Geschäftsprüfungskommission, 2010 bis 2014 Stadträtin (Finanzen und Liegenschaften).
Christian Meier (SVP, bisher) 51 Jahre alt, selbstständiger Obstbauer, lebt seit 1962 in Schlieren, Stadtrat (Werke und Versorgung), davor Stadtparlamentarier und Parlamentspräsident.
Pierre Dalcher (SVP, neu) 53 Jahre alt, Augenoptiker, Kundendienstleiter bei einem Brillenglashersteller, wohnt in Schlieren seit 1964, seit 2004 Präsident der SVP Bezirk Dietikon, von 1998 bis 2010 im Stadtparlament, seit 2011 Kantonsrat, seit März 2013 Präsident der Kommission Planung und Bau vom Kantonsrat.
Stefano Kunz (CVP, neu) 50 Jahre alt, Primarlehrer, Sänger, Gesangslehrer und Geschäftsführer, wohnt seit 2001 in Schlieren, von 2007 bis 2010 Mitglied der Schulpflege, seit vier Jahren Mitglied des Parlaments.
Nikolaus Wyss (GLP, neu) 64 Jahre alt, lic. phil. 1 Universität Zürich (Ethnologie, Volkskunde, Soziologie), ehemaliger Hochschulrektor, Kommunikationsberater, lebt seit 2010 in Schlieren.

Toni Brühlmann-Jecklin (SP, bisher) 66 Jahre alt, Psychotherapeut, selbstständig, tätig in eigener Praxis, seit 1978 in Schlieren wohnhaft, seit vier Jahren Stadtpräsident, von 2002 bis 2010 Stadtrat (Finanzen und Liegenschaften), von 1998 bis 2002 im Gemeindeparlament, von 1990 bis 1998 Mitglied der Vormundschaftsbehörde.

ZVG

Meier stand 2013 in der Kritik

Meier stand seinerseits zuletzt wegen des stark überzogenen Baukredits für die Bio-Badi «im Moos» und des vom Scheitern bedrohten Projekts Skatepark Zelgli in der Kritik. Vor vier Jahren erhielt Meier von allen gewählten Kandidaten am wenigsten Stimmen und scheiterte im Ringen um das Stadtpräsidium an SP-Kandidat Toni Brühlmann-Jecklin. Sein Erfolg bei den bevorstehenden Wahlen wird stark davon abhängen, wie viel Kredit er bei den Bürgerlichen heute hat.

Nach dem Rücktritt ihres Kandidaten Robert Welti erhebt die EVP keinen Anspruch mehr auf einen Stadtratssitz und überlässt stattdessen der CVP das Feld. In Folge der Abwahl von Peter Schnüriger (CVP) 1998 wechselten sich die beiden Schwesterparteien im Exekutiv-Amt bereits einmal ab. Damit dürfte der CVP-Kandidat Stefano Kunz auch auf die Unterstützung der EVP zählen können.

Eine gute Ausgangslage für eine Wiederwahl bietet sich den beiden FDP-Stadträtinnen Manuela Stiefel (Finanzen und Liegenschaften) und Bea Krebs (Bildung und Jugend): Erstere feierte Ende November einen Erfolg an der Urne mit dem 75-Millionen-Kredit für das geplante Schulhaus Schlieren West und konnte sich vom Stadtparlament schliesslich gar eine Steuerfusssenkung um fünf Prozent genehmigen lassen.

Krebs 2010 klar bestätigt

Krebs wurde ihrerseits vor vier Jahren mit dem zweitbesten Resultat hinter Brühlmann als Stadträtin bestätigt. Sie fiel seither weder durch negative noch durch positive Schlagzeilen auf. Diese unauffällige und von ausserhalb der Schule kaum wahrnehmbare Arbeitsweise ist denn auch ein Punkt, der sie Wählerstimmen kosten könnte.

Kaum absehbar ist, wie Sicherheitsvorstand Markus Bärtschiger (SP) abschneiden wird: Bei den letzten Wahlen erzielte er von allen Gewählten das viertbeste Resultat. Und auch als Verwaltungsrat des Spitals Limmattal machte Bärtschiger in der Vergangenheit eine gute Figur. Im vergangenen Jahr sah er sich allerdings wegen der Ablehnung der neuen Friedhofs- und Bestattungsverordnung, die auch die Schaffung eines Grabfelds für Muslime vorsah, und der Verurteilung zweier prügelnder Stadtpolizisten abermals in der Defensive.

Unumstritten ist das Stadtpräsidium: Während sich 2010 die SVP und die SP um das Amt bewarben, stellt sich der amtierende Toni Brühlmann dieses Jahr als Einziger zur Kandidatur. Wie bereits vor vier Jahren wird er bei den bevorstehenden Wahlen auf Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager zählen dürfen. Dies wohl auch, weil er sich als sehr gemässigter Sozialdemokrat erwies, der einzelnen Parteigenossen gar zu liberal politisiert.

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