Als «stark übertrieben» beurteilt die Schlieremer GLP die Kosten für einen Mietkindergarten im Rietbach-Quartier. Dieser Wortwahl bediente sich der grünliberale Gemeinderat Lukas Speck in seinem Vorstoss, den er kürzlich einreichte. In seinem Postulat schlägt er eine Alternative zu den Plänen der Stadt vor. Ob sich dafür eine Mehrheit im Gemeindeparlament finden lässt, ist jedoch noch völlig offen.

Einig sind sich alle Beteiligten in einem Punkt: Die Stadt Schlieren braucht mehr Kindergarten-Plätze. Besonders im noch jungen Rietbach-Quartier nördlich der Bahngleise ist der Druck besonders gross. Denn es zogen mehr Familien mit schulpflichtigen Kindern hierher, als man ursprünglich angenommen hatte, wie der Stadtrat in einem Beschluss von Ende Juni bekannt gab. Darin verweist er auch darauf, dass es dort einen Doppelkindergarten brauche. Obwohl unweit auf der anderen Seite der Bahngleise, im Schulhaus Reitmen, jüngst drei Kindergarten-Einheiten eröffnet wurden. Der neue Rietbach-Doppelkindergarten soll in der Überbauung von Geistlich Immobilia einziehen, die derzeit erstellt wird. Sie umfasst gesamthaft eine Fläche von knapp 12'000 Quadratmetern und soll bis 2020 fertiggestellt sein. Ab dann können die 137 Mietwohnungen und 78 Alterswohnungen bezogen werden. Eine rund 500 Quadratmeter grosse Fläche im Erdgeschoss kann ab dann von der Stadt bezogen und zum Doppelkindergarten ausgebaut werden. Die vereinbarte Mietdauer beträgt 10 Jahre, wobei die Möglichkeit auf eine zweimalige je fünfjährige Verlängerung besteht. Zudem dürfen die Kindergärtler den gesamten Rietpark benutzen. Dafür muss die Stadt tief in die Tasche greifen: Für den Ausbau fallen einmalige Kosten von 1,2 Millionen Franken an. Hinzu kommen jährliche Ausgaben für die Miete von gut 140'000 Franken.

3,7 Millionen über 10 Jahre

Speck konkretisiert in seinem Vorstoss das Zahlenspiel noch ein wenig. Er rechnet vor, dass zum Mietzins und zu den einmaligen Kosten noch betriebliche Folgekosten sowie Abschreibungen in der Höhe von rund 105 000 Franken kommen. Dies mache total einen Betrag von knapp 3,7 Millionen Franken für einen Doppelkindergarten und einen Mittagstisch über die Dauer von 10 Jahren. «Den Mietzins und die nötigen Investitionen zur Nutzbarmachung der Räumlichkeiten empfinden wir als stark übertrieben.» Damit spricht Speck etwa den Quadratmeterpreis an. Dieser beträgt nämlich 280 Franken pro Jahr. «Dieser Preis wäre für eine ausgebaute Fläche marktüblich und nicht für einen Rohbau, in den noch 1,2 Millionen Franken investiert werden müssen.» Bei der GLP sei man überzeugt, dass mit diesem Betrag ein Eigenbau finanziert werden kann. «Mit diesem kann die Stadt wirtschaftlicher und unabhängiger für die Zukunft planen. Zudem müsste der Kindergarten nicht auf nur 36 Kinder beschränkt sein», so Speck. Sein Postulat unterzeichneten seine GLP-Fraktionskollegen Marc Folini, Henry Jager und Fraktionschefin Songül Viridén.

Fraktionen beraten sich noch

Dass bei Mietlösungen für Schulbauten manchmal starker Widerstand erwächst, ist nichts Neues. Bereits der Dietiker Stadtrat musst dies schmerzlich erfahren. Ende 2012 lehnte nämlich das Stimmvolk mit einem überraschend hohen Anteil von 68 Prozent ein Schulhaus zur Miete im Quartier Limmatfeld ab. Federführend im Kampf gegen das Projekt waren die Dietiker SP, die Grünen, die AL und die DP. Dabei wären ein einmaliger Betrag von 2 Millionen Franken für den Innenausbau sowie jährlich wiederkehrende 1,3 Millionen Franken für die Mietkosten angefallen.

Vermögen es die Grünliberalen in Schlieren, Verbündete an Bord gegen einen Miet-Kindergarten zu holen? So braucht es eine Mehrheit der 36 Stadtparlamentarier, um das Postulat an den Stadtrat zu überweisen, wenn dieser nicht bereit ist, den Vorstoss entgegenzunehmen. SVP-Präsident Beat Kilchenmann lässt ausrichten, dass die Fraktionssitzung, an welcher dieses Geschäft diskutiert werde, noch anstehe. Auch Andreas Uhl, Präsident der CVP, wagt noch keine Prognose über die Haltung seiner Fraktion. SP-Präsident Walter Jucker sagt, dass bereits am kommenden Donnerstag die nächste Fraktionssitzung stattfinde und diese Vorlage dann besprochen werde. Auch die FDP habe den Vorstoss noch nicht besprochen, sagt deren Fraktionschef John Daniels auf Anfrage.