Gemeinderating
Globales Engagement: Dietikon und Schlieren handeln wenig solidarisch

Auf der Liste der Gemeinden, die sich solidarisch gegenüber Schwellen- und Entwicklungsländern zeigen, befinden sich die Limmattaler Städte im untersten Drittel.

Flurina Dünki
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MICHAEL REYNOLDS Keystone

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Geringes globales Verantwortungsbewusstsein. So lautet das Urteil des diesjährigen Gemeinderatings von Solidar Suisse für die Städte Schlieren und Dietikon.

Die 2016 zum dritten Mal von der Entwicklungshilfe-Organisation durchgeführten Befragungen untersuchen den Stand des entwicklungspolitischen Engagements sowie die Frage, ob die Beschaffungspraxis beim Kauf von Produkten im Ausland wie Natursteinen, Textilien, Möbeln und Computern faire Produktionsbedingungen berücksichtigt.

Dazu wurden Fragebögen von 88 angefragten Gemeinden der Deutsch- und Westschweiz ausgewertet. Diejenigen, die mindestens 76 von 100 möglichen Punkten erhalten, werden mit je 5 Solidar-Globen ausgezeichnet. Kantonssieger ist die Stadt Zürich, die hinter Genf, Carouge und Lausanne schweizweit den vierten Platz belegt.

Mit 23,7 beziehungsweise 11 Punkten haben sich Dietikon und Schlieren je 2 Globen ergattert, die jedoch weniger als Auszeichnung denn als Schmach zu verstehen sind. Bedeuten diese doch gemäss Solidar Suisse, dass die Städte sich kaum um Schritte in Richtung sozialer Nachhaltigkeit bemühen.

Dietikon, das sich seit dem ersten Rating 2011 um 3,7 Punkte verbessern konnte, bemühe sich zwar um nachhaltige Beschaffung, habe sich aber noch nicht zu verbindlichen fairen Richtlinien durchringen können, steht in der Auswertung.

Gemäss dem Solidar-Suisse-Merkblatt sind Gemeinde-Richtlinien für die Beschaffung fair produzierter Produkte ein wirksamer Appell an Produzenten, ihre Angestellten unter würdigen Bedingungen zu gerechten Löhnen zu beschäftigen. Die Organisation empfiehlt daher den Gemeinden, Waren wie Natursteine für Gemeindeplätze oder Textilien für Spitäler nur von Produzenten zu beziehen, die nachweislich die Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) erfüllen.

«Die Stadt Dietikon ist bestrebt, nur Waren einzukaufen, die unter menschenwürdigen Bedingungen produziert wurden», kommentiert der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller die Bewertung. Im letzten Jahr sei der Bündner Partnergemeinde Braggio kein finanzieller Beitrag entrichtet worden, was sich im aktuellen Gemeinderanking widerspiegle. Grundsätzlich seien Gemeindevergleiche immer nur Momentaufnahmen, so Müller.

Noch schlechter schneidet Schlieren im Gemeindevergleich ab. Die Anstrengungen für eine faire Beschaffung würden sich nach wie vor in Grenzen halten, so die Begründung von Solidar Suisse. Schlieren nimmt das zweite Mal an der Auswertung teil. Seit 2013 ist die Stadt gar von 16,7 auf 11 Bewertungspunkte gefallen. Von der Stadt Schlieren konnte gestern niemand zum Ergebnis des Gemeinderankings Auskunft geben.