Glencore-Kommentar
Glencore-Spenden-Aktion: Wer ein Nein hört, soll andere fragen lassen

Die Urdorfer Mehreinnahmen sollen wegen des Glencore-Börsengangs als freiwillige Spenden weitergegeben werden. Bisher kam wenig zusammen. Es stellt sich die Frage nach Alternativen, mit denen die Bevölkerung zur Solidarität bewegt werden könnte.

Florian Niedermann
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Die Wohnsitznahme von Glencore-Chef Ivan Glasenberg hat der Gemeinde Rüschlikon 2011 einen einmaligen Geldsegen beschert.

Die Wohnsitznahme von Glencore-Chef Ivan Glasenberg hat der Gemeinde Rüschlikon 2011 einen einmaligen Geldsegen beschert.

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Spenden unter Zwang sind selten mehrheitsfähig. Der Börsengang des umstrittenen Rohstoffhändlers Glencore spülte via Finanzausgleich Millionen in die Kassen der Zürcher Gemeinden. Eine Handvoll sprach sich zwar mit demokratischen Entscheiden für die Spende eines Teils dieser Einnahmen aus. In noch mehr Gemeinden scheiterte ein solches Ansinnen jedoch.

Eine Alternative zum demokratischen Weg zeigte der Urdorfer Primarlehrer Toni Blaser auf. Weil er niemanden zu einer Spende verknurren will, basiert seine «Urdorfer Lösung» auf freiwilligen Beiträgen. Die Gemeinde profitierte zwar von 2,4 Millionen Franken Mehreinnahmen aus dem kantonalen Ausgleichstopf, bisher generierte Blaser mit seiner Aktion aber nur knapp 8000 Franken.

Florian Niedermann, Redaktor der Limmattaler Zeitung «Die Geschichte zeigt, dass es mit der freiwilligen Wohltätigkeit oft harzt, wenn es um Geld geht». 

Florian Niedermann, Redaktor der Limmattaler Zeitung «Die Geschichte zeigt, dass es mit der freiwilligen Wohltätigkeit oft harzt, wenn es um Geld geht». 

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Nur allzu leicht lässt sich das Gewissen mit der Annahme beruhigen, dass sicher der Nachbar oder die Fussballkollegen gespendet haben. Ein eigener Beitrag ist ergo nicht nötig. Bei solchen Spenden bleibt einem die Wahl zwischen Pest und Cholera: Freiwilligkeit bringt oft keinen durchschlagenden Erfolg, demokratischer Zwang löst oft gar Widerstand aus. Schliesslich schaffte es nur eine Minderheit der Gemeinden, die Weitergabe des Glencore-Geldes demokratisch zu legitimieren. Eine Lösung könnte aber die Frage nach dem Bittsteller bergen: Schweizer Hilfswerke, die von Gemeindespenden teilweise profitierten, sammeln regelmässig Millionen – auf freiwilliger Basis. Vielleicht liesse sich also die Bevölkerung von ihnen eher überzeugen, den Glencore-Segen anderen zuteilwerden zu lassen.