Bezirksgericht Zürich
«Gleichgültig, egoistisch und unverschämt»: Junger Tunesier verurteilt

Ein junger Tunesier aus Birmensdorf hat diverse Autos gestohlen, Betrüge organisiert und an einer Schlägerei teilgenommen. Nun muss er vier Jahre hinter Gitter.

Attila Szenogrady
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Das Bezirksgericht verurteilte den geständigen Tunesier zu vier Jahren Haft. (Archiv)

Das Bezirksgericht verurteilte den geständigen Tunesier zu vier Jahren Haft. (Archiv)

Keystone

Die Urteilseröffnung am letzten Dienstag wollte kein Ende nehmen: Der 23-jährige Beschuldigte aus Birmensdorf wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs und Diebstahls, mehrfachen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, Urkundenfälschung, Angriffs, mehrfachen Hausfriedensbruchs, mehrfacher Sachbeschädigung, falscher Anschuldigung, mehrfacher Entwendung zum Gebrauch, Missbrauchs von Ausweisen und Schildern, grober Verletzung von Verkehrsegeln, Vereitelung einer Blutprobe, Hinderung einer Amtshandlung, mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung oder Führerausweis sowie Drogendelikten zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt.

Der junge Tunesier legte vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er zwischen Frühling 2011 bis zu seiner letzten Verhaftung im September 2012 eine Vielzahl von Delikten verübt. Einerseits betätigte er sich als professioneller Einbrecher und Autodieb – wobei er alleine bei einem Diebeszug bei einer Firma in Sargans EDV-Artikel und Werkzeuge für über 100 000 Franken erbeutete. Er war auch verantwortlich für eine Betrugsserie zulasten der Autovermietungs-Genossenschaft Mobility. Dabei behauptete er jeweils, dass er die Kundenkarten verloren habe, und fuhr danach auf Kosten von Dritten kostenlos mit den Fahrzeugen herum. Der Schaden betrug mehr als 10 000 Franken.

Seine gewaltbereite Seite offenbarte der Beschuldigte, als er im August 2011 beim Zürcher Schiffbau an einer brutalen Massenschlägerei teilnahm und dabei mehrere Personen verletzte.

Im September 2012 sorgte er für Schlagzeilen in den Medien. So lieferte er der Polizei mitten im Zürich mit einem gestohlenen Fahrzeug eine wilde Verfolgungsjagd. Bis er vor der Autobahn in Richtung Bern/Basel bei einer Ausfahrt die Herrschaft über das Fahrzeug verlor, in einer Böschung landete und mit viel Glück überlebte.

Die Schweiz blieb ihm fremd

Vor Gericht kam heraus, dass der heute 23-jährige Gewohnheitskriminelle vor zehn Jahren im Rahmen eines Familiennachzugs in die Schweiz eingereist war. «Unser Land blieb ihm aber fremd», plädierte die Verteidigerin und benannte dennoch das Gegenteil als Tatmotiv. So habe es ihren Mandanten endgültig aus der Bahn geworfen, als das Migrationsamt im Mai 2012 entschied, er müsse die Schweiz verlassen. Er habe keine Zukunft mehr gesehen und sich mit Diebstählen über Wasser gehalten.

Anders sah es die Staatsanwältin, die den Beschuldigten als «gleichgültig», «egoistisch» und «unverschämt» bezeichnete. Zuletzt war nur noch das Strafmass umstritten. Allerdings auch nicht besonders fest. So fordert die Anklägerin 46 Monate, die Gegenseite 42 Monate Freiheitsentzug. Das Gericht setzte 48 Monate fest. Nach der Haft soll der junge Mann wieder in seiner Heimat leben. 664 Tage hat der junge Mann bereits abgesessen.