Die Kaskade von Gewässerverschmutzungen im Limmattal reisst nicht ab: Nun hat es den Schäflibach in Urdorf getroffen. Das hat der Revierobmann und Pächter René Briner der Limmattaler Zeitung gemeldet. Passiert ist es am Dienstag: Briner ging wie üblich nach seinem Feierabend dem Schäflibach entlang. Und entdeckte das Unheil: Mindestens 15 tote Forellen hat er gefunden. «Zudem sah ich diverse noch lebendige Forellen, deren Verhalten ungewohnt apathisch war», so Briner. Dies war wohl ein Anzeichen, das ihr Immunsystem gegen das Gift ankämpfen konnte, da sie nicht zu viel davon abbekommen hatten.

«Die verbleibenden Forellen schwimmen jetzt wieder quickfidel im Bach. Wir hatten Glück im Unglück», erklärt Briner. Denn es hätten weitaus mehr Forellen sterben können. So wie im Länggenbach in Weiningen, wo die ganze Population ausgelöscht wurde.

Zum Glück schnell verdünnt

Offenbar hat sich die Todessubstanz im Schäflibach aber schnell verdünnt. Womöglich war auch die Giftmenge kleiner als noch im Länggenbach.

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich auch im Schäflibach um ein vermeidbares und schlimmes Übel handelt. Auch ein prächtiger Edelkrebs ist im Bach verendet. Diese einheimische Krebsart ist sowieso gefährdet, weshalb ihren Lebensräumen besondere Sorge getragen werden sollte.

Doch welche Substanz stand am Ursprung? War es ein Reinigungsmittel? Ein Insektizid? Man wird es nie wissen. «Ich hatte Rücksprache genommen mit dem kantonalen Fischereiaufseher. Da sich das Gift schnell verdünnte und nur ein kleiner Abschnitt betroffen war, wurde die Polizei nicht aufgeboten», so Briner. Tote Fische hat er genau vom Muulaffeplatz bis runter zum Bibliotheksgebäude gefunden.

Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass jemand ein Gift direkt in den Bach geleert hat, dort wo der Schäflibach aus der Muulaffeplatz-Unterführung wieder ans Tageslicht tritt, da genau ab dort die toten Forellen gefunden wurden. Dass das Gift durch einen Wasserschacht in den Bach geleitet wurde, ist eher unwahrscheinlich: Zwar führen unter dem Muulaffeplatz mehrere Schächte Regenwasser in den Bach, doch waren am Dienstagabend alle ausser einer trocken. Zudem hat es am Dienstag den Tag durch nicht geregnet.

Auch der Kreis möglicher Täterschaften ist gross, ist doch der Muulaffeplatz mit Spar-Laden, Zürcher Kantonalbank, Tankstelle und weiterem Gewerbe ein besonders publikumswirksamer Platz. Am Dienstag zieht er besonders viele Leute an, zumal dann auch ein Heissi-Güggeli-Stand dort steht.

Briner zieht Bilanz: «Ich bin froh, dass es im Vergleich zum Länggenbach nur so wenige Fische getroffen hat. Aber gleich 15 tote Fische in einem so kurzen Abschnitt ist für den Bach schon ein schmerzlicher Verlust.» Ihn persönlich schmerze jeder Fisch, den er tot auffinde, so Briner weiter.

Grösstes Opfer war 23 Zentimeter

Kommt hinzu: Die kleinste Forelle, die er gefunden hat, war zehn Zentimeter klein, die grösste 23 Zentimeter. Sie dürfte bereits über zwei Jahre alt gewesen sein. Nun hofft Briner, dass sich die Bevölkerung wieder mehr bewusst wird, welchen Schaden solche Gewässerverschmutzungen anrichten können und entsprechend wieder mehr Vorsicht walten lässt.

Für Briner ist es die erste solche Gewässerverschmutzung, die er erlebt. Er ist erst seit Anfang 2017 Pächter des Schäflibachs in Urdorf. Und schon muss er ein solches Unheil vermelden, obwohl doch gerade erst die Giftkatastrophe, die im Länggenbach in Weiningen jedes Leben auslöschte, zur Vorsicht im Gewässerbereich hätte mahnen sollen.