Die Zufriedenheit beim städtischen Personal müsse erhöht werden, hält die Dietiker SP-Gemeinderätin Kerstin Camenisch in einem Postulat fest. Ihren Vorstoss haben sechs SP-, drei Grünen- und ein AL-Politiker mitunterzeichnet.

Anzeichen dafür, dass das städtische Personal mit den Anstellungsbedingungen nicht restlos glücklich ist, sehen die Postulanten einige: Es gebe in der Verwaltung viele Abgänge, zudem blieben verschiedene Stellen lange vakant.

Und sie weisen darauf hin, dass die Unzufriedenheit auch Kosten verursache: Wegen der hohen Krankentaggeldbezüge der letzten Jahre habe sich die neuabgeschlossene Versicherungsprämie für das Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht, heisst es im Postulat. Der Aufwand habe sich um rund 400 000 Franken erhöht.

Deshalb soll der Stadtrat Massnahmen ergreifen, um die Anstellungsbedingungen zu verbessern, fordern die Unterzeichner. Er soll dabei insbesondere prüfen, ob dem Personal – auch als Zeichen der Wertschätzung – eine fünfte Ferienwoche gewährt werden könne.

Ausgetrockneter Arbeitsmarkt

Der Stadtrat hat zum kürzlich eingegangenen Vorstoss inhaltlich noch nicht Stellung genommen. Für Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) ist es aber eine Selbstverständlichkeit, dass «wir zufriedene, motivierte Angestellte wollen».

Die im Postulat aufgeführten Wechsel und Vakanzen führt er unter anderem auf den ausgetrockneten Arbeitsmarkt im Verwaltungsbereich zurück. «Die Rekrutierung ist derzeit schwierig – nicht nur für uns, sondern generell im Kanton.»

Zudem müsse sich Dietikon – wiederum wie andere Gemeinden – gegen die Konkurrenz der «grossen Zwei» behaupten: Es sei ein Fakt, dass die Grossstädte Winterthur und Zürich andere Voraussetzungen haben und andere Löhne bezahlen können als Gemeinden in der Agglomeration und auf dem Land, so Bachmann.

Allerdings sei die Personalsituation in Dietikon insgesamt alles andere als dramatisch oder aussergewöhnlich. So hätten im vergangenen Jahr beispielsweise vier Kaderstellen mit sehr gut ausgebildeten Bewerbern besetzt werden können.

Arbeitsgruppen werden eingesetzt

Dennoch beabsichtigt der Stadtrat, die Anstellungsbedingungen unter die Lupe zu nehmen. Damit kommt er auch seinem Regierungsprogramm 2018–2022 nach, das er im Dezember präsentiert hatte. Ein Ziel darin lautet: «Die Stadt Dietikon ist eine attraktive Arbeitgeberin.»

Als Massnahme, um dies zu erreichen, ist im Programm das Erarbeiten einer Personalstrategie vorgesehen. Noch in diesem Monat werden die entsprechenden Arbeiten aufgenommen, wie Bachmann erklärt. Danach sollen zwei Arbeitsgruppen eingesetzt werden. Eine wird sich dabei um die rechtliche Seite – wie etwa die Personalverordnung – kümmern. Die andere Gruppe wird konkrete Anliegen prüfen. Welche dies sein werden, ist laut Bachmann noch offen und auch von der ausstehenden Personalstrategie abhängig. Zudem werden sie im Dialog mit den Angestellten entwickelt.

Eine fünfte Ferienwoche für die städtischen Arbeitnehmer, wie sie im hängigen Postulat angeregt wurde, dürfte damit zumindest diskutiert werden. Bei einer früheren Personalbefragung war diese zusätzliche freie Woche die Topantwort, wie sich die Arbeitszufriedenheit erhöhen liesse.

Und auch Stadtpräsident Bachmann meint, dass im heutigen Arbeitsumfeld eine solche Forderung «keine exotische Sache mehr» sei.

Ob die Arbeitsgruppen und in der Folge Stadt- und Gemeinderat dieses Thema aber wirklich aufgreifen und weiterverfolgen, wird sich erst im Verlaufe der weiteren Arbeiten zeigen.