Dietikon

Gewerbler fühlen sich durch die Stadt schikaniert

Jürgen Baldensperger vor seinem Geschäft mit dem provisorischen Werbebanner, das er bis an Ostern entfernt haben will.  BHI

Jürgen Baldensperger vor seinem Geschäft mit dem provisorischen Werbebanner, das er bis an Ostern entfernt haben will. BHI

Die Stadt Dietikon verbietet Gewerbler Präsentationen im Schaufenster sowie Werbeschilder. Sie beruft sich dabei auf das sogenannte «Gesamtkonzept Aussenwerbung».

Bis an Ostern wir die Krankenschwester verschwunden sein. «Sie haben mir noch eine Galgenfrist bis Ende Monat gegeben», sagt Jürgen Baldensperger und lacht. Er steht im Ladenlokal seiner «Computer Klinik» am Kronenplatz 5, welches er seit Mitte Januar mietet. Doch eigentlich findet er die ganze Sache nicht besonders lustig. «Dass ich die Plache herunternehmen muss, kann ich ja noch verstehen», sagt er. Denn diese sei sowieso nur temporär montiert gewesen. «Aber dass ich in meinem eigenen Schaufenster nicht ausstellen darf, was ich will, das macht mir Mühe.» Er fühle sich «sehr eingeschränkt» durch die Vorschriften der Stadt.

Bevor Baldensperger in das ehemalige Ladenlokal des legendären Velo Hedinger-Geschäfts einzog – Walter und Elisabeth Hedinger, die sich Ende letztes Jahr zur Ruhe setzten, besitzen das Haus noch immer – war die «Computer Klinik» bloss 50 Meter weiter an der Unteren Reppischstrasse zu Hause. Das auffällige Banner mit der spritzenbewehrten Krankenschwester habe damals auch niemanden gestört, sagt Baldensperger.

«Empfindliche Zone»

Am Kronenplatz, direkt gegenüber der Taverne, sieht dies jedoch anders aus: Im März bekam Baldensperger einen Brief der städtischen Hochbauabteilung, die ihn bat, die Reklame herunterzunehmen, da die Anforderungen an Aussenwerbung in «dieser empfindlichen Zone» besonders hoch seien. Schriftzüge müssten aufgemalt oder mit Einzelbuchstaben an der Fassade angebracht werden.

Dies könne er akzeptieren, sagt der Geschäftsinhaber. Was ihn hingegen störe, sei, dass ihm im darauffolgenden Gespräch noch einiges mehr untersagt worden sei: So sei auch ein Schild mit Schriftzug aber ohne Krankenschwestermotiv nicht zulässig. Ausserdem dürfe er weder eine Laufschrift noch einen Bildschirm mit einer Produktepräsentation im Schaufenster platzieren und nicht einmal eine schlichte Schrift hinterleuchten. «Ich will mein Geschäft doch präsentieren», sagt er: «Doch hier darf ich gar nichts machen.» Dies sei speziell schwierig, da er sich in einer Branche befinde, in der viele Konkurrenten «massiv und aggressiv» Werbung machten.

Konzept erst intern einsehbar

Empört ist auch der Präsident des Dietiker Gewerbevereins, Martin Müller. «Die Regierung lässt zu, dass die Gewerbetreibenden mit solch kleinlicher Auslegung der Regelungen schikaniert werden», sagt Müller. Und dies, obwohl man sich bei Wahlen gerne gewerbefreundlich präsentiere und eine liberale Bewilligungspraxis verspreche. Er fordere den Stadtrat auf, dafür zu sorgen, dass keine «Willkür» in der Handhabung der Regelungen Einzug nehme.

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Thomas Jung, Leiter der städtischen Hochbauabteilung. Es gäbe klar definierte Vorgaben in einem «Gesamtkonzept Aussenwerbung» der Stadt Dietikon, welches seit letztem Jahr bestehe. Das bisher noch nicht veröffentlichte Konzept werde noch auf der Webseite der Stadt publiziert.

Jung betont, dass sich Baldenspergers Geschäft in der «Kernzone» der Stadt befindet, welche bezüglich Aussenwerbung strengeren Regelungen unterliege. Auch das ehemalige Ladenlokal der «Computer Klinik» habe sich in der Kernzone befunden. Doch: «Man hat die Werbung damals geduldet», sagt Jung. Dies unter anderem, da man wusste, dass die Liegenschaft dereinst der Überbauung des Kronenareals werde weichen müssen und das Banner deshalb temporär sei. «Am neuen Ort mussten wir jedoch intervenieren.»

Die Baukommission habe ein zonenkonformes Gesuch für die Aussenwerbung der «Computer Klinik» soeben bewilligt, sagt Jung. Die geplante Beschriftung in den Schaufenstern sei nun «ganz diskret» und entspreche den Vorstellungen der Stadt: «Das ist für uns in Ordnung.»

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