Birmensdorf/Aesch
Gewerbeverein vor dem Ende: Wird das 40. Jahr das letzte sein?

Ausgerechnet im Jahr seines vierzigjährigen Bestehens droht dem Gewerbeverein das Aus. Grund dafür sind fehlende Nachfolger für die fünf Sitze der Vereinsleitung.

Florian Niedermann
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Der Gemeindeverein Birmensdorf/Aesch steht vor dem Aus.

Der Gemeindeverein Birmensdorf/Aesch steht vor dem Aus.

cvp-birmensdorf.ch

Karl Besier, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Gewerbevereins Birmensdorf/Aesch, kann es nicht verstehen: Seit Jahren lassen sich keine Nachfolger für die fünf Sitze der Vereinsleitung finden. Und dies, obwohl der Gewerbeverein immer um die 100 Mitglieder zählte.

Die Kollegen im bereits unterbesetzten Vorstand seien schon seit über zehn Jahren in ihren Ämtern, sagt Besier. Der 70-Jährige kündigte vergangenen Dezember an, den Vorstand nach der nächsten Generalversammlung vom 20. März zu verlassen.

Da auch Präsident Peter Rasi wegen der schweren Erkrankung seiner Ehefrau sein Amt aufgeben wird und die verbleibenden Vorstandsmitglieder Roger Schuler und Esther Meister ihre Ämter ebenfalls zur Verfügung stellen, steht der Verein vor dem Aus.

Wenn sich bis zur Versammlung nicht doch noch fünf Gewerbler bereit erklären, den Verein zu führen, bleibt dieser im Jahr seines 40-Jahr-Jubiläums ohne Leitung. «Kommt es tatsächlich dazu, so müssen wir den Gewerbeverein wohl 2016 auflösen», sagt Besier.

Statt Vorstandssitzung gabs Znüni

Wenn der Mitbegründer sich an die Anfänge der Vereinigung zurückerinnert, gerät er ins Schwelgen. «Wir taten uns 1975 zusammen, um beim Gemeinderat dagegen zu lobbyieren, dass beim Bau des Gemeindezentrums Brüelmatt auswärtige Firmen engagiert werden. Und das schafften wir auch», sagt Besier.

Natürlich sei die Vorstandsarbeit damals noch eine andere gewesen als heute, erklärt er. So seien etwa kaum Vorstandssitzungen nötig gewesen. «Wir trafen uns jeweils zum Znüni und besprachen die Belange des Gewerbes in einer Arbeitspause», sagt er. Dass dies heute nicht mehr zeitgemäss wäre, ist ihm bewusst. Dennoch wäre es für Besier ein «trauriges Ende» einer vierzigjährigen Institution, wenn der Verein tatsächlich aufgelöst würde, wie er sagt.

Der scheidende Vorstand teilte seinen Mitgliedern Ende letzter Woche in einem Schreiben mit, wie es um den Gewerbeverein steht. Die Vereinsleitung habe mehrfach versucht, «die Jungen» zu motivieren, sagt Besier: «Aber niemand hatte Zeit.

Alle geeigneten Mitglieder sind schon in anderen Vereinen tätig oder wollten neben der Arbeit keine zusätzliche Verantwortung übernehmen.» Dabei halte sich die zeitliche Belastung durch die Vorstandstätigkeit in Grenzen, betont er. Doch selbst an den Vereinsanlässen hätten die Jüngeren in den letzten Jahren kaum mehr teilgenommen.

Umso mehr enttäuschte es den Vorstand, als ihm zugetragen wurde, dass einige Gewerbler der Meinung seien, dass junge Mitglieder nicht im Vorstand arbeiten wollten, solange die «alten Säcke» noch darin sitzen.

Besier und seine Kollegen waren nie darauf erpicht, ihre Ämter so lange zu behalten, wie er sagt: «Im Gegenteil. Wir wären froh, wenn endlich einige Junge den Vorstand übernehmen.» Als Pensionär sei er ohnehin weit weg von den Sorgen der Gewerbler.

Roger Schuler und Esther Meister hätten angeboten, eine verjüngte Leitung in der ersten Zeit in die Vereinsarbeit einzuführen, so Besier: «Ein neuer Vorstand müsste sich also nur ins gemachte Nest setzen.»

Damit der Gewerbeverein nicht aufgelöst werden muss, appellierte der Vorstand nun an die Mitglieder, sich bis zum 20. März zu melden, um eine gemeinsame Lösung zu suchen – bisher gingen noch keine Rückmeldungen ein.