Das Weininger Gewerbehaus beim Gubristtunnel muss dem Ausbau der Nordumfahrung weichen. Darum wird es zu einem Teil rückgebaut werden – voraussichtlich noch im laufenden Jahr. Viele Gewerbler haben den massiven Betonbau schon länger verlassen. Doch es gab auch solche, die ausharrten. Bis zum bitteren Ende – bis sie aus der Liegenschaft vertrieben wurden, weil sie mehrere Fristen missachteten.

Der Hintergrund: Nachdem klar war, dass das Gewerbehaus Gubrist wegen des Teilrückbaus eine Zeit lang leer stehen wird, löste sich die Genossenschaft Gewerbehaus Gubrist im August 2015 auf. Für die Gebäude-Eigentümerin, das Bundesamt für Strassen (Astra), agiert schon länger die Gassmann und Partner AG aus Opfikon als Liegenschaftenverwalterin – dies aufgrund der beschränkten personellen Ressourcen beim Astra für Aufgaben ausserhalb des Kerngeschäfts, wie das Bundesamt auf Anfrage erklärt. Den Mietern wurde klargemacht, dass sie das Gebäude bis 31. Dezember 2016 verlassen müssen. Auf dann wurden die Verträge gekündigt.

Richterlicher Ausweisungsbefehl

Doch nicht alle Mieter fügten sich. Der Fall von Mieter Josip Karakas und dessen Untermieter Thomas Wegmann ist ein Beispiel. Das Bezirksgericht Dietikon erliess gegen die beiden Gewerbler-Kollegen einen Ausweisungsbefehl. Doch sie blieben im Gewerbehaus.

Die Liegenschaftenverwalterin, vertreten durch einen auf Mietrecht spezialisierten Zürcher Anwalt, musste die nächste Stufe zünden: Das Gemeindeammann- und Betreibungsamt Geroldswil-Oetwil-Weiningen wurde mit der Vollstreckung der Ausweisung beauftragt. Das Amt informierte die Mieter darüber. Das entsprechende Einschreiben vom 22. Mai liegt der Limmattaler Zeitung vor. «Sie werden aufgefordert, das Mietobjekt unverzüglich zu räumen und sofort zu verlassen», heisst es darin. Auch wird erklärt, was passiert, wenn dieser Aufforderung nicht Folge geleistet wird und die allerletzte Gnadenfrist ungenutzt verstreicht: Dann erfolge am 22. Juni ab 8 Uhr die zwangsweise Ausweisung. «Sollten die Räumlichkeiten nicht zugänglich sein, werden wir uns unter Beizug der Polizei Zutritt verschaffen», heisst es weiter.

Vor genau einer Woche war es dann so weit. Unter Anwesenheit des Gemeindeammann- und Betreibungsamts sowie der Polizei räumte eine Transportfirma ab Donnerstag die Räumlichkeiten von Karakas und Wegmann. Da in den betreffenden Räumen ziemlich viel Material gelagert wurde, konnte die Räumung am Donnerstag aber nicht vollständig zu Ende gebracht werden.

«Polizei verhielt sich bestimmt, aber freundlich»

Am Freitag wollten Karakas und Wegmann noch letzte Sachen aus ihren Räumen holen. Doch standen sie vor verschlossenen Türen: Die Schlösser wurden ausgewechselt. Die beiden haben grundsätzlich Verständnis für das Vorgehen, schliesslich hätten sie schon längst weg sein müssen. «Juristisch war alles korrekt. Und die Polizei verhielt sich bestimmt, aber freundlich», sagt Wegmann. Auch die Transporteure lobt er. Sie hätten nur ihren Job gemacht und auch Rücksicht genommen, indem sie auf Wunsch einige Sachen vor die Tür stellten, damit sie noch abgeholt werden können – so zum Beispiel den Kühlschrank von Karakas.

Andere Sachen wurden aber entsorgt. Der Grund: Wer dem Amt nicht innert Frist mitteilt, wo die zu räumenden Sachen hingebracht werden können, gibt ihm das Recht, diese zu versteigern. Ausnahme: Verderbliches und Wertloses dürfen entsorgt werden.

Obwohl Karakas und Wegmann viele Fristen verstreichen liessen und zuletzt auch die Mieten nicht mehr bezahlten, ist bei ihnen die Enttäuschung gross. Karakas hatte mit einem schlechten Geschäftsgang zu kämpfen, Wegmann mit einer schweren Krankheit. Darum seien sie nie dazugekommen, ihre Räume zu leeren. Einen eigenen Räumungsdienst hätten sie sich zudem nicht leisten können. Immerhin: Beide haben andere Lagerräume gefunden.

«Einen so starken Hanfgeruch hatte ich noch nie wahrgenommen»

Sie waren nicht die Einzigen, die länger als vorgesehen hier geschäfteten. Auch andere waren von Räumungen betroffen. Zudem hatten sich Kriminelle im Haus eingerichtet, das dem Bund gehört. Bereits im Mai war ein Türke vors Bezirksgericht Dietikon geladen worden, da er im Gubristhaus eine Hanfplantage betrieb. Die Gerichtsverhandlung fand aber nicht statt, da er nicht erschien. Vermutlich ist er ins Ausland verschwunden. Ein neuer Termin ist im Juli angesetzt. Erscheint er erneut nicht, dürfte er in Abwesenheit verurteilt werden.

Er war nicht der einzige Drogenproduzent hier: Sowohl Wegmann als auch Karakas sagen, dass die Polizei mehrmals vorbeigekommen sei, um Plantagen aufzuheben. «Einen so starken Hanfgeruch wie hier hatte ich noch nie wahrgenommen», sagt Karakas. Auch der hier patrouillierenden Wachfirma blieb der Geruch nicht verborgen.

Blick in die Nutzfahrzeughalle im Weininger Gewerbepark Chrummacher direkt an der Grenze zu Geroldswil.

Der Ersatz für das Gewerbehaus Gubrist:

Blick in die Nutzfahrzeughalle im Weininger Gewerbepark Chrummacher direkt an der Grenze zu Geroldswil.

Enttäuschung am Gubrist – feierliche Stimmung am Chrummacher

Während die letzten Gubrist-Gewerbler noch an der Räumung zu nagen haben, wird weiter westlich gefeiert – im Gewerbepark Chrummacher in Weiningen. Das Areal an der Grenze zu Geroldswil wurde von der Gemeindeversammlung 2009 eingezont, damit dort ein Ersatz für das Gewerbehaus Gubrist errichtet wird.

Später gab es Misstöne, da der Gewerbepark nun vor allem als Standort der Auto AG Limmattal bekannt ist, die aus der Stadt Zürich hierhin zügelte und rund 20 Millionen Franken investierte. Aber auch die Pape Werbe AG des Geroldswilers Andreas Pape, des ehemaligen Präsidenten der Genossenschaft hinter dem Gewerbehaus Gubrist, sowie die Saxer Holzbau Weiningen GmbH geschäften nun hier – sie waren vorher beide beim Gubrist zu Hause. Andere Firmen sind im Gewerbecampus Geroldswil untergekommen. Neben der Auto AG zogen auch andere grössere Firmen in den Chrummacher, etwa die Firma Pneu Egger.

Nachdem die Auto AG im Mai ihren Betrieb im Gewerbepark aufnahm, feiert sie diese Woche offizielle Eröffnung. Heute Donnerstag mit einem VIP-Abend, am Samstag, 1. Juli, mit einem Tag der offenen Tür. Für Interessierte gibt es von 9 bis 17 Uhr Rundgänge durch das auf Nutzfahrzeugcenter, eine Fahrzeug-Ausstellung, eine Festwirtschaft und mehr. Schliesslich waren es die Stimmbürger, die mit dem Ja zur Einzonung den Bau des Gewerbeparks ermöglichten.