Beinahe wäre es zum vorzeitigen Infarkt gekommen. Als pünktlich um 08.30 Uhr die Aufzeichnung der grossen Presse-TV-Sendung «Gesundheit heute» zum Thema Herz beginnen soll, fehlen Kamerastative und Lichtpult. Einbrecher haben sich bei Nacht und Nebel in den Studios der Firma Content Park in Schlieren bedient. Um 10 Uhr kommt die Entwarnung: Das Equipment kann anderweitig beschafft werden.

Jeanne Fürst, die seit 2012 für die Fernsehsendung «Gesundheit heute» verantwortlich zeichnet, ist sichtlich erleichtert. Sie hat die Zeit genutzt und mit der Gourmetköchin Meta Hiltebrand letzte Details besprochen. Die Köchin ist der erste Gast in dieser Gesundheitssendung, die weit über das Medizinische hinausgeht. «Wir wollen das Herz von verschiedenen Seiten beleuchten, nicht nur medizinisch», sagt Fürst. Sie hat deshalb den Herzpatienten Hanspeter Müller-Drossaart und einen Herzmediziner vor die Kamera geladen, diskutiert mit einem Liebesbriefschreiber und einer Bloggerin über die Liebe gestern und heute, und sie geht zusammen mit dem Philosophen Georg Kohler existenziellen Fragen nach.

Verführerische Düfte im Studio

Mitten im Studio steht eine Kochinsel, von der Normalbürger nur träumen können. Kabel werden ausgerollt, Stative ausgerichtet. «Am Scheinwerfer 13 bitte 10 Prozent weniger Licht! Ihr könnt aufzeichnen!» Gekonnt bereitet Meta Hiltebrand vor laufender Kamera ein Apfel-Lachstartar zu, brät Lammracks und dämpft Gemüse. Das Dessert – Orangensalat mit Nüssen und Honig – hat Jeanne Fürst selber zubereitet. Mediterran muss alles sein, denn das sei das Zauberwort einer gesunden Ernährung, sagt sie. Im Studio breiten sich verführerische Düfte aus.

Die Kochinsel wird vom Set gefahren, eine wunderbar altmodische Jukebox nimmt ihren Platz ein, und Jeanne Fürst sagt in die Kamera: «Liebe ohne Musik ist unvorstellbar.» Hinter der Türe mit der Aufschrift «Maske» pudert Claudia Kälin inzwischen die Nasen von Christian Roth und Kafi Freitag. Roth hat vor 52 Jahren seine Frau mit einem Liebesbrief erobert und sein Talent während Jahren zum Beruf gemacht. Ob er heute auch für die Jungen noch Liebesbriefe schreiben könnte, bezweifelt er. «Wir sprechen nicht mehr die gleiche Sprache.» Und doch hat er einen Rat: «Einfach schreiben, was man spürt.» Die Bloggerin und Coachin Kafi Freitag erzählt, dass sie einmal nur aufgrund eines Liebesbriefes nach Tiflis gereist sei. «Schreiben Sie statt SMS wieder einmal einen Brief, auch wenn Sie ihn am Ende doch nicht abschicken.»

Seit 40 Jahren Kameramann

Jeanne Fürst hat mehr Ideen, als ihr Sendezeit zur Verfügung steht. «Ich habe das grosse Privileg, dass ich in persönliche Krankengeschichten hineinschauen darf und so den Patienten sehr nahe komme. Gesundheit ist zentral in unserem Leben. Dabei geht es nicht nur um die reine Medizin, sondern um den Menschen. Das fasziniert mich.» Carlos Romero, seit 40 Jahren Kameramann und Lichtgestalter aus Leidenschaft, hat das Licht nach seinen Plänen aufgebaut. «Jeder Scheinwerfer wird in Handarbeit ausgerichtet. Die Gesichter sollen trotz starkem Licht immer natürlich aussehen», sagt er.

33 Takes, wie die einzelnen Aufnahmesituationen im Fachjargon heissen, werden an diesem Tag eingespielt und zu einer einstündigen Sendung zusammengeschnitten. Dabei arbeiten die Regie und der Produzent, Redaktoren, Kameramänner und Tontechniker mit der Moderatorin Jeanne Fürst Hand in Hand. Diese ist auch während der letzten Aufnahme mit Georg Kohler noch so präsent und fokussiert wie in der ersten Stunde. Die beiden sitzen in roten Designerstühlen, die Studiofenster geben den Blick frei auf den Greifensee – eine Illusion, die am Bildschirm zur Realität wird. Vorangegangen ist ein Gespräch mit der 84-jährigen Ida Herzig, die mit dem Kardiologen Thomas Pilgrim aus Bern angereist ist. Mittels minimal invasivem Eingriff wurde ihre Aortaklappe ersetzt. «Es geht mir tipptopp», sagt sie in die Kamera. Pilgrim kämpft um schlichte Worte für eine schwierige Materie. «Es ist für mich einfacher, einen Eingriff vorzunehmen, als am Fernsehen darüber zu sprechen», gesteht er. Dennoch ist er von der Notwendigkeit solcher Sendungen überzeugt. «Es ist wichtig, die Öffentlichkeit über neue Behandlungsmethoden zu informieren.»

Aus der Regie kommt die Anweisung, die Zeit im Auge zu behalten. Eine Regieassistentin richtet das Mikrofon von Georg Kohler. Ein Stäubchen wird entfernt, denn HD-TV ist gnadenlos. Am Ende bleiben die grossen philosophischen Fragen. Die Medizin macht grosse Fortschritte, unsterblich sind wir nicht. Wie gehen wir mit unserer Endlichkeit um? Die Antwort des emeritierten Philosophieprofessors ist so einfach wie bestechend: «Ich persönlich überlasse mich einigermassen gut schwimmend der Strömung. Das Leben rundet sich.»

Am 11. Februar um 18.10 Uhr strahlt SRF 1 die Sondersendung «Gesundheit heute» aus.