Dietikon
Gesucht: «Teilzeitmönche»: Für Gläubige, die nicht ins Kloster wollen

Ein neues Angebot will die Suche nach christlicher Spiritualität vereinfachen.

Esther Laurencikova
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Die Pastoralassistentinnen Luzia Räber (links) und Pia Hirsiger wollen Raum für Begegnungen mit Gott schaffen.

Die Pastoralassistentinnen Luzia Räber (links) und Pia Hirsiger wollen Raum für Begegnungen mit Gott schaffen.

Esther Laurencikova

«Unser Ziel ist es, für Christinnen und Christen hier in Dietikon den Raum für eine Begegnung mit Gott zu schaffen», sagt Pia Hirsiger. Die Pastoralassistentin an der katholischen Pfarrei Dietikon ist überzeugt, dass die Suche nach Spiritualität für viele Christinnen und Christen ein aktuelles Thema ist. Oft stehe die Idee im Raum, den Jakobsweg zu gehen. Doch für so eine mehrwöchige Reise fehlen vielen Menschen Geld und Zeit. Genau für solche Menschen haben Hirsiger und Luzia Räber, ebenfalls Pastoralassistentin an der Pfarrei Dietikon, die Möglichkeit geschaffen, Teilzeitmönch oder Teilzeitnonne zu werden.

«Als Teilzeitmönch oder Teilzeitnonne widmet man sich im Alltag vermehrt der christlichen Spiritualität», sagt Räber. Es sei ein individueller Prozess. «Die Bezeichnung soll eher inspirieren, die Tiefendimension des Glaubens im Alltag vor Ort zu entdecken», sagt Hirsiger. Eine mögliche Einführung in diese Lebensweise sei die Veranstaltungsreihe «Pilgerweg nach Innen», welche sich verschiedenen Schwerpunkten des christlichen Glaubens widmet. Im Grunde gehe es darum, sich mit den Inhalten der christlichen Offenbarung auseinanderzusetzen und die Sprache Gottes zu lernen. «Heute haben viele Christinnen und Christen schon nur Mühe damit, die Heilige Dreifaltigkeit zu erklären und zu verstehen», sagt Hirsiger. Durch ein Studium der Heiligen Schrift könnten Christinnen und Christen das Gottesbild und das eigene Ich neu erschliessen. «Es geht also um viel mehr, als um christliche Werte», sagt Räber. «Wir wollen die Möglichkeit bieten, durch einen inneren Weg zu einem ganzheitlichen Menschsein zu kommen.»

Zusammen schweigen

Die Idee, ein Leben als Teilzeitmönch oder Teilzeitnonne zu führen, ist nicht neu. «Die Ursprünge dieser Lebensweise gehen auf den Heiligen Franziskus im 13. Jahrhundert zurück», sagt Hirsiger. Menschen, die nicht in ein Kloster eintreten wollten oder konnten, widmeten sich als Teilzeitmönch oder Teilzeitnonne in ihrem Alltag einem intensiven christlichen Leben.

Gleichzeitig gingen sie aber ihren Berufen nach und kümmerten sich um die Verpflichtungen ihrer gesellschaftlichen Position. Diesen Ansatz wollen Hirsiger und Räber in die heutige Zeit übersetzen. Die Lebensweise als Teilzeitmönch oder Teilzeitnonne könne mit reduzierter Arbeitszeit sehr kontemplativ sein oder ein intensives gesellschaftliches und berufliches Engagement mit sich bringen. Im Blick haben Hirsiger und Räber mit ihren Angeboten vor allem 30- bis 60-Jährige, die mit existenziellen Fragen konfrontiert sind und nach passenden Formen für ihren Glauben suchen. Teilzeitmönche oder Teilzeitnonnen können sich in der Pfarrei Dietikon auf verschiedene Art und Weise einbringen. Beispielsweise im Mittagsgebet, welches mehrmals pro Woche stattfindet oder jeden Donnerstag im Angebot «Stille», in welchem zusammen geschwiegen oder gesungen wird.