Oberengstringen will im digitalen Zeitalter innovativ werden: Deshalb weihte die Gemeinde letzte Woche einen neuen Dorfplatz ein – jedoch nicht innerhalb der Gemeindegrenzen, sondern im Internet.

Mit der Online-Plattform «Digitaler Dorfplatz Oberengstringen» der Firma Crossiety will die Gemeinde einen Ort für den digitalen Bürgeraustausch schaffen. Man soll sich auf dem Laufenden halten können. Kinderflohmarkt, Nachhilfestunden oder neue Vereinsangebote: Auf dem digitalen Dorfplatz können Leute mit Bezug zu Oberengstringen Verschiedenes suchen oder anbieten, auf Gruppen treffen und Diskussionen starten.

Für die Einführung des für Desktop, Tablet und Smartphone verfügbaren Netzwerks genehmigte die Gemeinde einen Kredit in Höhe von 16 600 Franken. Doch weshalb braucht Oberengstringen im Zeitalter von Facebook eine solche Plattform? «Mit dem digitalen Dorfplatz wollen wir unsere Bewohner näher zu lokalen Institutionen wie Vereinen, Kirchen, Nachbarschafts- und Jugendhilfe bringen», sagt der Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther.

Obwohl die Gemeindeverwaltung auch auf dem digitalen Dorfplatz zu finden ist, wird sie die Diskussionen nicht moderieren. «Die Plattform soll vom Austausch zwischen den Usern leben», so Ebnöther weiter.

Mit dem neuen Netzwerk will Oberengstringen ausserdem die Einstellung von Bewohnern, die vorwiegend in der Stadt Zürich arbeiten und auch ihre Freizeit dort verbringen, verändern: «Die Zugezogenen haben nun eine Gelegenheit, sich leichter ins Gemeindeleben einzubringen und sich vielleicht auch in einem Verein zu engagieren», sagt Ebnöther. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Oberengstringer Bevölkerung solle dadurch gestärkt werden.

Wer sich beim virtuellen Dorfplatz beteiligen will, muss sich auf der Crossiety-App oder -Website mit Namen und Wohnadresse registrieren und sich via SMS verifizieren. Erst danach kann er Beiträge veröffentlichen. Anders als bei Facebook ist eine anonyme Teilnahme nicht möglich.

Vollen Zugang zum «digitalen Dorfplatz Oberengstringen» erhalten nur registrierte und verifizierte Nutzer, die in Oberengstringen wohnen. Die Nutzer entscheiden jeweils selber, ob ihre Beiträge nur in der Gemeinde, in der Region oder sogar öffentlich sichtbar sein sollen. Nutzer aus umliegenden Gemeinden können somit vorerst nur Beiträge lesen, die als «regional» oder «öffentlich» veröffentlicht wurden. «Wer etwas postet, wird dies unter dem echten Namen machen», sagt Ebnöther.

Werbekampagne startet im März

Obwohl der digitale Dorfplatz schon eröffnet ist, beginnt die Werbekampagne der Gemeinde erst in einem Monat. Am 4. März veranstaltet die Verwaltung im Gemeindesaal einen Workshop mit Bürgerinnen und Bürgern, den Vereinen, dem Gewerbe und weiteren Institutionen, um die App und somit den digitalen Dorfplatz vorzustellen. «Bis dann sollen wir bereits einige User haben», sagt Ebnöther. «Wir wollen einmal beobachten, wie sich der Dorfplatz entwickelt. So können wir Feedbacks erhalten und dann Anpassungen vornehmen.»

Weiter plant er, ab April Flyer an alle Haushalte zu senden und ab Mai Informationsveranstaltungen durchzuführen, um den Umgang mit der App zu erklären. «Wir wollen auch Senioren eine Chance bieten, sich digital mit anderen Menschen auszutauschen», sagt Ebnöther. Ziel ist, innerhalb von einem Jahr 800 bis 1000 User zu gewinnen. «Das ist ein sportliches Ziel», findet Ebnöther. Doch gemäss Zahlen von Crossiety würde die App sechs bis acht Mal mehr wachsen als etwa gemeindebezogene Facebook-Gruppen.

Das Experiment bleibt nicht risikofrei: «Wenn nach einem Jahr zu wenig Leute die App benutzen, ist das aufgrund des geleisteten Aufwands bedauerlich», sagt er. Spätestens nach zwei Jahren müsste die Plattform eingestellt werden. Nichtsdestotrotz bleibt Ebnöther positiv: «Man soll auch als Gemeinde etwas riskieren können.»