Es ist eigentlich eine erfreuliche Nachricht: Die Jugendkriminalität ist in den letzten Jahren stetig zurückgegangen. Für einige Jugendstrafvollzugs-Einrichtungen heisst das aber auch: Unterbelegung. Das Massnahmenzentrum Uitikon (MZU), dessen geschlossene Jugendgruppe Ende 2015 wegen Personalmangels schliessen musste, kennt dieses Problem gemäss Zürcher Regierungsrat allerdings nicht. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der drei Dietiker Kantonsräte Josef Wiederkehr (CVP), Rochus Burtscher (SVP) und Martin Romer (FDP) hervor, die eine drohende Unterbelegung in der 2014 neu eröffneten geschlossenen Abteilung befürchteten.

Diesbezüglich kann der Regierungsrat die Parlamentarier beruhigen: Die Schliessung der Gruppe für Jugendliche unter 17 Jahren habe nichts mit mangelnder Nachfrage nach entsprechenden Plätzen zu tun gehabt, sondern ausschliesslich mit fehlendem Personal. «Trotz des gesamtschweizerischen Rückgangs von stationären Unterbringungen besteht eine grössere Warteliste für die zurzeit nicht verfügbaren geschlossenen Plätze», schreibt der Regierungsrat. Aus heutiger Sicht sei die Anzahl von zehn Plätzen in dieser Abteilung also «dem Bedarf entsprechend angemessen». Und auch in Zukunft werde das Platzangebot «voraussichtlich nach wie vor richtig» sein. Schliesslich könne im MZU «die Fülle von besonderen Bedürfnissen» der straffälligen Jugendlichen abgedeckt werden, die «in den anderen geschlossenen Einrichtungen der Jugendhilfe nicht oder nicht mehr befriedigt werden können».

Team wird geschult

Mittlerweile sei zudem der Personalmangel behoben, der zur Schliessung geführt hat. In den letzten Monaten seien neue Mitarbeitende für ein Gesamtpensum von 550 Prozent angestellt worden, wie Rebecca de Silva, Sprecherin des Amts für Justizvollzug, auf Anfrage mitteilt. Noch wird das Team intern geschult und auf seine künftigen Aufgaben vorbereitet. Die geschlossene Gruppe soll aber laut Regierungsrat noch «diesen Sommer» wieder in Betrieb gehen. Ein genaues Datum steht nicht fest. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran und eröffnen, sobald wir uns in fachlicher Hinsicht dazu bereit fühlen», so de Silva.

Offenbar wurden aus der Vergangenheit Lehren gezogen: Wie der Regierungsrat darlegt, habe die Schliessung der Abteilung nämlich auch damit zu tun, dass für die Rekrutierung eines soliden Teams für die Jugendgruppe im Jahr 2014 zu wenig Zeit blieb. Der Kantonsrat hatte damals einen Antrag des Regierungsrats auf zusätzliche Mittel für diese Aufgabe abgelehnt, weshalb Personalsuche und Teamaufbau erst spät in der zweiten Jahreshälfte 2014 beginnen konnte. «Im Zeitpunkt der Inbetriebnahme Anfang 2015 stand daher noch kein eingearbeitetes Team zur Verfügung», so der Regierungsrat. Die Folgen waren Überlastung, krankheitsbedingte Ausfälle und Kündigungen.

Generell sei es sehr schwierig, geeignetes Personal für den geschlossenen Massnahmenvollzug zu finden. Der Regierungsrat begründet dies mit dem «beengenden Charakter einer geschlossenen Einrichtung», den unregelmässigen Arbeitszeiten, einem Mindestpensum von 80 Prozent und Löhnen, die «gemessen an den hohen Belastungen nicht genügend attraktiv» seien. Dazu komme das «hohe Gewalt- und Bedrohungspersonal der Klientel, zumal die schwierigsten und gewaltbereitesten jungen Straftäter der deutschsprachigen Schweiz im MZU platziert werden». Von all dem liessen sich manche Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen abschrecken. Um die Arbeitsbedingungen etwas attraktiver zu machen, «werden bereits neue Arbeitszeitmodelle diskutiert», so der Regierungsrat.

Auf die Frage der Kantonsräte, wie man die «bewegte Geschichte des MZU doch noch zu einer Erfolgsgeschichte zu führen» gedenke, wehrt sich der Regierungsrat. Abgesehen von den Problemen beim Umbau mit Baustopp, Neuplanung und Kostenexplosion sei das MZU schon heute «modellhaft» und eine «Erfolgsgeschichte». Schliesslich gelinge es «immer wieder, den schwierigsten und schwerstkriminellen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Grundlage für ein legales und rückfallfreies Leben zu schaffen».