Aesch
Geschichten von einer hundsgewöhnlichen Nationalratswoche

Nationalrat Hans Egloff plaudert über den Betrieb im Bundeshaus – vor Zuhörern, die ihn vor 45 Jahren noch «Hansli» nannten.

Katja Landolt
Drucken
Teilen
Nationalrat Hans Egloff zeigte sich für einmal ganz privat.

Nationalrat Hans Egloff zeigte sich für einmal ganz privat.

Keystone

«Hurtischnäu». Ein Begriff, den der zackige Zürcher Hans Egloff nicht versteht. In seiner Aussage wohl schon, schneller als schnell, das ist simpel. Aber er verstehe ihn nicht in seiner Verwendung, erst recht nicht, wenn ihn Berner in den Mund nehmen. Wenn er vom Bahnhof zum Hotel Bellevue gehe, behangen mit Kleider- und Aktenkoffer und Sonstigem, so sei er noch immer doppelt so schnell als ein Berner, der sich «hurtischnäu» bewege. «Wofür ich sieben Minuten brauche, braucht ein Berner 15. Selbst wenn es Bindfäden regnet.» Das Publikum grinst.

Als Hans Egloff noch «Hansli» war

Es ist Mittwochabend. Der Frauenverein Aesch hat ins Brunnehofsäli zur Geschichtenstunde mit dem einzigen Limmattaler Nationalrat und Präsident des Hauseigentümerverbands Schweiz, ihrem Hans, geladen. Hans Egloff ist im Dorf aufgewachsen und wohnt noch immer hier. Für manche sei er vor 45 Jahren noch der Hansli gewesen, sagt er und lacht.

Kein politischer Abend soll es werden, sondern ein lustiger. Mit Geschichten aus dem Bundeshaus und Anekdoten einer «hundsgewöhnlichen Nationalratswoche». Nun sitzt er da, Hans Egloff, am Pult vor drei langen Tischen, mit einem Blumengesteck darauf, einem Teller voller Fisch-Crackers und seiner Gage, einem Krug Wasser. Als Nationalrat muss man schliesslich aufpassen, was für Geschenke man annimmt.

«Grüezi Herr Nationalrat»

«Der Charme der Berner», sagt er, «mit dieser Sprache und ihrer Behäbigkeit, das macht sie sehr sympathisch.» Sie hätten aber nicht nur Charme, sie seien auch sehr zuvorkommend. Beispielsweise der Portier vom Bellevue, der ihm als frisch gewählten Parlamentarier bei der allerersten Übernachtung die Tür bereits mit «Grüezi Herr Nationalrat» geöffnet hatte - obwohl sie sich noch nie zuvor gesehen hatten. «Monate später habe ich ihn gefragt, woher er wusste, dass ich Nationalrat bin. Er meinte trocken, er grüsse alle Herrschaften so, die so wichtig daher kämen.» Inzwischen seien sie per du.

Sie ist nicht ohne, so eine «hundsgewöhnliche Nationalratswoche». Da gilt es, in aller Herrgottsfrühe aufzustehen; um 7 Uhr schon gehts los. Mit all den Sitzungen oder Sessionen, den Mittag- und Abendessen und dem Bier um 22 Uhr in der Bellevuebar - «wichtig für gute Bekanntschaften ausserhalb des Ratsbetriebs» -, da kommt selbst Kurzschläfer Egloff nicht immer auf seine Kosten.

Die Gäste staunen. Und sassen sie bis anhin andächtig zuhörend in ihren Stühlen, kommt jetzt Leben in sie. Ob denn da in Bern nicht viel zu viele Sitzungen abgehalten würden, fragt jemand. Nein, meint Egloff, das sei unsere Demokratie, das gehöre zum Ritual. «Jeder darf seine Meinung äussern und soll angehört werden.» Und das mit dem Lobbyismus - ob das nicht zu viel des Guten sei, dieses Bedrängen und Einflussnehmen von Interessensvertretern. Auch hier schüttelt Egloff den Kopf. «Für jeden ein offenes Ohr zu haben, gehört zur Politik.» Politik sei eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Interessen, die es gelte gegeneinander abzuwägen. Und bedrängt worden sei er persönlich noch nie.

Frauenvereins-Präsidentin Rägi Frei Geiger muss ihre Schlussfrage nach gut eineinhalb Stunden kurzfristig korrigieren. Aus «würdest Du es wieder machen?», wird «wie lange machst Du das noch?» Dass Egloff es gerne tut, hat an diesem Abend jeder verstanden. Gerne, aber nicht auf ewig. Er wolle sich nicht verbiegen, bloss, um wiedergewählt zu werden, sagt Egloff. «Ich kann mir ein Leben nach dem Nationalrat und ohne Mandate gut vorstellen.»

Aktuelle Nachrichten