Alpenrock
Geschäftsführer Wayne van Rooyen: «Wir haben bis zum Ende gekämpft»

Nach 21 Jahren ist das Alpenrock pleite. Geschäftsführer Wayne van Rooyen erklärt, wieso der Betrieb in Konkurs ging - und was der Standort Dietikon damit zu tun hat.

Thomas Mathis
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Wayne van Rooyen vor einem der typischen Chalets im Alpenrock (Archiv).

Wayne van Rooyen vor einem der typischen Chalets im Alpenrock (Archiv).

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«Es war für mich eine Herzensangelegenheit. Wir haben bis zum Ende gekämpft», sagt Wayne van Rooyen, Geschäftsführer des pleite gegangenen Dietiker Musikclubs Alpenrock, auf Anfrage. Er bedauert, dass sein Betrieb Insolvenz anmelden musste, und entschuldigt sich, dass er vorgestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war. Der Verwaltungsrat habe entschieden, den Betrieb wegen eines Liquiditätsengpasses einzustellen. Dies bestätigt der Verwaltungsratspräsident Wolfgang Mock, der in einer nüchternen Stellungnahme schreibt, dass die Alpenrock Betriebs AG überschuldet war und von Gesetzes wegen Konkurs anmelden musste.

Noch im vergangenen Oktober lobte van Rooyen anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums den Standort im Industriegebiet Silbern. Dietikon sei gut an die Autobahn und den öffentlichen Verkehr angebunden und liege im Einzugsgebiet seiner Gäste, die laut einer Kundenbefragung zu einem grossen Teil aus dem Kanton Aargau stammen.

Das Alpenrock ist versiegelt:

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Seit diesem Wochenende ist der Nachtclub geschlossen.
An der Tür hängt ein Schreiben vom Konkursamt Dietikon.
Das Lokal wurde vom Konkursamt versiegelt.
Das Lokal wurde vom Konkursamt versiegelt.

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Jetzt sieht van Rooyen unter anderem im Umzug von Kloten nach Dietikon im September 2013 einen Grund für das finanzielle Loch. «Die Züglete hat uns sicherlich Gäste gekostet», sagt er. Für einen kleineren Club seien die Besucherzahlen im Rahmen gelegen, für einen grossen Club mit einer Kapazität von 1500 Personen aber nicht. «Die Gäste wünschen sich volle, nicht halbvolle Lokalitäten», sagt er. Der Standort sei aber nicht der einzige Grund gewesen, der zum Konkurs beigetragen habe. Die Frage, wer eingelassen werden darf, habe zum Beispiel immer wieder Anlass zu Diskussionen gegeben.

Synergien zu spät genutzt

Dass kaum mehr Gäste gekommen sind, bestätigt auch eine Partygängerin mittleren Alters, die in der näheren Umgebung wohnt. Trotz der verbesserten Erschliessung des Gebiets durch den öffentlichen Verkehr sei das Lokal nicht auf Touren gekommen. Mit ihrer Clique sei sie immer seltener ins Alpenrock gegangen. Nicht förderlich seien auch die für die ländliche Region erhöhten Preise gewesen, berichtet sie. Derzeit gehe die Clique nach Zürich in den Ausgang.

Im Mai 2015 hatten die Verantwortlichen des Alpenrocks noch neue Partner ins Boot geholt. Unter anderem beteiligte sich die Firma Its One World Gruppe AG finanziell und organisatorisch am Musikclub. Zu diesem Unternehmen gehört auch das Zürcher Nelson Pub. Dadurch wollten die Betreiber Synergien bei Einkauf und Vermarktung nutzen. «Davon konnten wir profitieren, allerdings zu spät», sagt van Rooyen. Das Standbein des Alpenrocks sei stets der Clubbereich gewesen und dieser sei kontinuierlich weggebrochen. Firmenanlässe alleine hätten nicht gereicht, um das Überleben zu sichern.

Erst im September 2013 zog der traditionsreiche Musikclub mit rustikalem Charme ins Industriequartier. Wie das Notariat Dietikon auf Anfrage bekanntgab, wurde die Betreibergesellschaft Alpenrock Betriebs AG am vergangenen Donnerstag in den Konkurs geschickt. Es ist bereits das dritte Lokal, das an diesem Standort pleite geht. Ob bald ein ähnlicher Betrieb in das ehemalige Hochregallager der Lyreco Switzerland AG einziehen wird, ist derzeit noch offen.